Vorsitzende des Wasserstoffrats: USA als Vorbild für Deutschland nehmen

von | 28. Jul 2023 - 11:45 | Wirtschaft

Die Bundesrepublik soll sich beim Aufbau der Wasserstoffwirtschaft mehr an den Vereinigten Staaten orientieren, fordert Katherina Reiche.

Die Vorstandsvorsitzende der Westenergie AG und Vorsitzende des Nationalen Wasserstoffrats, Katherina Reiche, hat sich in einem Gastkommentar im Handelsblattfür mehr Weitsicht bei der Förderung von Wasserstoff ausgesprochen. Sowohl die am Mittwoch auf Bundesebene verabschiedete Nationale Wasserstoffstrategie (NWS) als auch die Programme auf EU-Ebene würden zwar einerseits ausreichend finanzielle Mittel bereitstellen, andererseits seien die Förderprogramme jedoch „zu bürokratisch, zu kompliziert und zu wenig auf Emissionsminderungen ausgerichtet“, schreibt Reiche.

Groß denken, statt sich im Kleinen zu verlieren

Deutschland solle sich nicht so sehr auf einzelne Leuchtturmprojekte konzentrieren, sondern das große Ganze betrachten, um wie die USA mithilfe des Inflation Reduction Acts (IRA) Wertschöpfungsketten in industriellem Maßstab aufbauen zu können, fordert die Expertin daher. Der IRA setze auf Planbarkeit für die Wirtschaft statt – wie aktuell die NWS – für den Staat und denke zudem über 2030 hinaus.

Als positiv bewertete sie es, dass Deutschland mit seiner Strategie die Bedeutung von Wasserstoff für die Klimaneutralität erkannt habe und verschiedene Sektoren mit einbeziehe (wir berichteten). Sie mahnte jedoch, dass der Einsatz von Wasserstoff zur Energieversorgung von Industrieunternehmen bedeutend sei, um Schlüsselindustrien in Deutschland halten zu können – vor dem Hintergrund, dass sich nicht alle Prozesse elektrifizieren ließen. Die Expertin forderte außerdem „eine kluge, koordinierte Kombination“ aus einer Produktion hierzulande und langfristig ausgelegten weltweiten Partnerschaften zum Wasserstoffimport.

Deutschland schloss in der Vergangenheit bereits mehrere Wasserstoffpartnerschaften wie mit Namibia oder Mauretanien und vor ein paar Wochen auch mit Südafrika. Dabei geht es jeweils um Kooperationen zu nachhaltig erzeugtem Wasserstoff.  Dessen verstärkten Einsatz sieht auch die Strategie der Bundesregierung vor. Um grünen Wasserstoff herzustellen, wird bei der Wasserelektrolyse ausschließlich aus Erneuerbaren Energien generierter Strom durch Wind- oder Solarenergie verwendet.

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