Gemeinschaftsprojekt Wasserstoff

8. November 2021 | Markt

Klimaschädliche Emissionen in Industrie und Verkehr sollen durch den Einsatz von Wasserstoff reduziert werden. Die Kapazitäten zur Herstellung des Energie- und Hoffnungsträgers dürften in Deutschland aber kaum ausreichen. Perspektiven bietet Afrika.

Nachhaltig erzeugter, sogenannter Grüner Wasserstoff soll ein zentrales Element in der Energiewende Deutschlands werden, wie in der 2020 vorgestellten Nationalen Wasserstoffstrategie zu lesen ist. Erzeugt wird das Gas durch Elektrolyse, wobei Wasser durch den Einsatz von Strom aus Erneuerbaren Energien in seine Bestandteile – Sauerstoff und Wasserstoff –  aufgespalten wird. Wasserstoff ist ein hervorragender Energiespeicher, denn ein Kilogramm Wasserstoff liefert so viel Energie wie 2,8 Kilogramm Benzin, wie die Helmholtz Klimainitiative schreibt.

Um in Deutschland einen „Heimatmarkt“ für Wasserstofftechnologie zu schaffen, wie er in dem Strategiepapier angedacht ist, sollen Elektrolyseanlagen entstehen und der Wasserstoffeinsatz in der Industrie ausgeweitet werden. Das Gas ist bereits ein wichtiger Grundstoff in der Chemie und Stahlherstellung, doch kommt dabei überwiegend mit fossiler Energie erzeugter Wasserstoff zum Einsatz. Von zentraler Bedeutung sind außerdem die Speicherung und Transport des Energieträgers. So soll unter anderem geprüft werden, ob sich das bestehende Erdgas- in ein Wasserstoffnetz umbauen lässt.

Die Bundesregierung erhofft sich von der Umsetzung der Wasserstoffstrategie eine Signalwirkung für andere Länder, damit diese gleichziehen. Der bis 2030 angepeilte Wasserstoffbedarf Deutschlands von bis zu 110 Terawattstunden ist durch eigene Produktion nicht zu decken, wie in dem Papier zu lesen ist. Durch die Windkraft in Nordeuropa oder die Photovoltaik im Süden des Kontinents sei die notwendige Energie für die Wasserstofferzeugung grundsätzlich vorhanden oder könne ausgebaut werden. Gleichwohl prüft die Bundesregierung das Potential anderer Regionen für das Vorhaben. Hierzu gehört auch Afrika.

Grüner Wasserstoff als Chance für Afrika

Koordiniert durch das Forschungszentrum Jülich und finanziert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) werden im Rahmen des Projektes „H2 Atlas Africa“ geeignete Standorte für die umweltfreundliche Wasserstoffproduktion identifiziert.

Als besonders geeignet gilt Namibia. Das Land im Südwesten Afrikas kann neben der Wind- vor allem bei der Solarenergie punkten. Es weist beinahe doppelt so viele Sonnenstunden auf wie Deutschland, wie Bundesforschungsministerin Anja Karliczek anlässlich einer Ende August geschlossenen Wasserstoffpartnerschaft anmerkte. Ihr Ministerium wird bis zu 40 Millionen Euro Fördermitteln für die Zusammenarbeit im Rahmen dieser Partnerschaft bereitstellen.

Neben Machbarkeitsstudien und Pilotprojekten, etwa zur Wasserstoffgewinnung durch Meerwasserelektrolyse, soll der Wissenstransfer zwischen den Ländern ausgebaut werden. Auch Austauschprogramme für Studierende und Fachleute sowie Stipendienprogramme für namibische Studierende sind geplant. Bereits vor 2025 will Namibia den Eigenbedarf decken, um dann genug Grünen Wasserstoff produzieren und anschließend exportieren zu können.

Dies ist ein entscheidender Punkt, denn in der Wasserstoffstrategie verankert ist der Grundsatz, dass die Erzeugung und der Export nicht zu Lasten der Länder gehen darf. Erst wenn ein Land den eigenen Wasserstoffbedarf nachhaltig erzeugen kann, ist der Export ins Ausland sinnvoll. Die oftmals nur spärlich ausgebaute Versorgung mit regenerativer Energie könne andernfalls „Investitionsanreize für zusätzliche fossile Energiequellen vor Ort“ schaffen, heißt es in dem Strategieschreiben. Die Beteiligten des „H2 Atlas Africa“ beziehen dementsprechend neben technischen und wirtschaftlichen auch soziale Aspekte in die Suche nach geeigneten Standorten für Wasserstoffprojekte ein.

Der Aufbau einer umweltfreundlichen Wasserstoffwirtschaft in Afrika wäre ein bedeutender Baustein für das Gelingen der weltweiten Bemühungen für mehr Klimaschutz. Die Bevölkerung des Kontinents wächst stetig, die zunehmende Industrialisierung führt ebenfalls zu einem rasch ansteigenden Energiebedarf. Gleichzeitig ist Afrika von den Auswirken des Klimawandels überdurchschnittlich betroffen, wie eine aktuelle Studie zeigt. Es müsse daher rasch gehandelt werden, wie Obeth M. Kandjoze, Vorsitzender des namibischen Wasserstoffrates, betont. Zwei Drittel des Stroms stammen aus der Wasserkraft. Lange anhaltende Dürreperioden, wie Klimaforscher sie vorhersagen, stellen eine Gefahr für diese Art der Stromversorgung im trockenstem Land des subsaharischen Afrika dar.

Mit der Teilhabe am internationalen Energiemarkt bietet sich zudem eine Perspektive „zum Aufbau dringend benötigter Kapazitäten für eigenes Wachstum auf nachhaltiger Basis“ an, wie es Norbert Osterwinter von der Bertelsmann Stiftung formuliert. Entsprechend attraktiv würden die Regionen dann für Investoren und den Kapitalmarkt. Wichtig sei bei allen Projekten, dass es sich um Partnerschaften auf Augenhöhe handelt, wie der Projektkoordinator des „H2 Atlas Africa“, Solomon Nwabueze Agbo, zu Bedenken gibt.

Photo: iStock/butenkow

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