Europas Lieferkette für Seltene Erden nimmt Gestalt an

von | 25. Jan 2023 - 11:14 | Wirtschaft

Seltenerdfund in Schweden: Aufbereitung der Rohstoffe könnte künftig in Norwegen erfolgen.

Vor gut zwei Wochen machte ein großer Seltenerdfund in Schweden Schlagzeilen. Mehr als eine Millionen Tonnen Seltenerdoxide hat das staatliche Bergbauunternehmen LKAB nach eigenen Angaben in der Nähe der Stadt Kiruna entdeckt (wir berichteten). LKAB betreibt dort eine Eisenerzmine, die Seltenen Erden könnten als Nebenprodukt abgebaut werden. Die Euphorie ist groß, denn Europas Abhängigkeit vom bisher weltweit größten Seltenerdproduzenten China könnte dadurch deutlich reduziert werden. Doch mittlerweile ist auch klar: Bis aus dem Vorkommen Per Geijer ein Bergbauprojekt wird, dürften noch einige Jahre oder gar Jahrzehnte vergehen.

LKAB investiert derweil bereits in die Weiterverarbeitung der Rohstoffe, ein Markt, den chinesische Firmen ebenso dominieren wie die Förderung. Im November wurde LKAB zum Haupteigner von REEtec, einem norwegischen Unternehmen, das eine Technologie zur Abtrennung von Seltenen Erden entwickelt hat. Diese soll eigenen Angaben zufolge effizient, wettbewerbsfähig und zugleich deutlich umweltfreundlicher als bisherige Verfahren sein, seit 2019 wurde sie in einer Demonstrationsanlage erprobt.

Mit umgerechnet rund 37 Millionen Euro beteiligt LKAB sich am Bau von REEtecs erster Fabrik. Zusammen wolle man die Basis für eine starke und nachhaltige nordische Wertschöpfungskette für Seltenerdmetalle schaffen, sagt Jan Moström, Präsident und CEO des schwedischen Konzerns. An Planung und Bau der Fabrik ist auch die deutsche Firma Bilfinger beteiligt.

Ab 2027 sollen Seltene Erden aus Schweden verarbeitet werden

Produktionsbeginn am norwegischen Standort Herøya soll 2024 sein, mit zunächst 720 Tonnen Neodym und Praseodym im Jahr, laut REEtec fünf Prozent des EU-Bedarfs. Wie wir berichteten, wurden bereits Lieferabkommen unter anderem mit dem deutschen Fahrzeugzulieferer Schaeffler unterzeichnet. Das zu verarbeitende Rohmaterial wird vom kanadischen Bergbauunternehmen Vital Metals stammen.

In einer zweiten Fabrik, die 2026 in Betrieb gehen soll, will REEtec auch Seltene Erden von LKAB verarbeiten. Diese sollen Nebenprodukte aus dem Eisenerzbergbau und laut Mitteilung ab 2027 verfügbar sein.

Europa baut seine Seltenerdindustrie aus

Angesichts wachsender geopolitischer Unsicherheiten und drohender Rohstoffengpässe investieren immer mehr Akteure in den Ausbau einer europäischen Wertschöpfungskette für Seltene Erden. In Estland plant der kanadische Konzern Neo Performance Materials mit finanzieller Förderung der estnischen Regierung eine Fabrik für gesinterte Seltenerd-Permanentmagnete, integrale Bestandteile für Elektroautos wie auch Windkraftanlagen. Die Produktion könnte 2025 anlaufen, so das Unternehmen. Neo Performance Materials betreibt in Estland schon eine Separierungsanlage für Seltene Erden.

Eine weitere Aufbereitungsanlage betreibt der belgische Chemiekonzern Solvay in Frankreich, diese soll erweitert werden, um eine größere Bandbreite an Seltenerdoxiden separieren zu können, darunter Neodym und Praseodym. Auch in England entsteht eine Fabrik zur Weiterverarbeitung Seltener Erden, Produktionsstart soll bereits Ende 2023 sein.

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