9.700 Kilometer langes Wasserstoffnetz durch Deutschland geplant

von | 15. Nov 2023 - 10:33 | Politik

Leitungen sollen Industriezentren, Häfen und Speicher verbinden. Rohstoffversorgung könnte heimische Wasserstoffproduktion erschweren.

Bis 2032 soll in Deutschland ein 9.700 Kilometer langes Wasserstoffnetz entstehen. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und die Vereinigung der Fernleitungsnetzbetreiber (FNB) stellten die Pläne am Dienstag vor, wie unter anderem die Tagesschau berichtete. Der klimafreundliche, mithilfe von Ökostrom produzierte Energieträger gilt als Schlüsselelement, um vor allem die Industrie und den Schwerverkehrs zu dekarbonisieren, wo eine Elektrifizierung nur schwer möglich ist. Dementsprechend soll das Netz Industrieregionen, Häfen, Speicher und mit Wasserstoff betriebene Kraftwerke miteinander verbinden.

Zu gut 60 Prozent könnten bestehende Erdgas-Röhren umfunktioniert werden, sagte FNB-Chef Thomas Gößmann. Baubeginn soll nächstes Jahr sein, schon 2025 soll dann erster Wasserstoff durch das Leitungsnetz strömen. Bei der Planung sei schon über 2030 hinaus gedacht worden, so Habeck, denn die vorgesehene Ausspeisungskapazität von 270 Terawattstunden übersteige den bis dahin prognostizierten Bedarf von 95 bis 130 Terawattstunden. Der Minister geht außerdem davon aus, dass Deutschland 30 bis 50 Prozent seines Wasserstoffbedarfs selbst produzieren werde, der Rest müsse aus sonnen- oder windreichen Ländern importiert werden. Entsprechende Projekte sind etwa mit afrikanischen Staaten, aber auch Australien und Norwegen auf dem Weg. Das Wasserstoffnetz soll daher auch Übergabepunkte an den Grenzen umfassen.

Die Kosten sollen knapp 20 Milliarden Euro betragen und über die Entgelte der Nutzer bezahlt werden, wegen der anfänglichen Differenz zwischen der geringen Nachfrage und den hohen Kosten des Netzaufbaus will der Bund jedoch in Vorleistung gehen.

Zeitgleich mit der Vorstellung der Baupläne für das Leitungsnetz wurde bekanntgegeben, dass Deutschland und die Niederlande ihre Zusammenarbeit zur Schaffung eines grenzüberschreitenden Wasserstoffökosystems intensivieren. Laut einer Studie des Centrum für Europäische Politik (cep) bieten die Niederlande und das Bundesland Nordrhein-Westfalen aufgrund ihrer Industriestruktur ideale Bedingungen, um ein Wasserstoffzentrum der EU zu werden.

Rohstoffengpässe könnten Wasserstoffhochlauf gefährden

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft nannte das angekündigte Wasserstoffnetz ein wichtiges Signal für den H2-Hochlauf, auch der Deutsche Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband begrüßte die Pläne, wies aber darauf hin, dass nun ebenfalls das Thema Wasserstoffspeicher angegangen werden müsse.

Eine weitere Herausforderung könnte die erforderliche Rohstoffversorgung sein. Ein Risiko besteht vor allem bei Platingruppenmetallen, kritischen Mineralien, die für die Herstellung von nachhaltigem Wasserstoff als auch für die Stromgewinnung aus diesem Energieträger benötigt werden. Die Produktion dieser bislang kaum zu ersetzenden Edelmetalle sei auf wenige Länder wie Südafrika und Russland konzentriert, zugleich steige der Bedarf stark an, stellten etwa das Kiel Institut für Weltwirtschaft und die Deutsche Rohstoffagentur DERA fest. Der Nationale Wasserstoffrat warnte kürzlich sogar, dass drohende Knappheiten bei Iridium den Hochlauf des Wasserstoffmarktes ernsthaft gefährden könnten.

Photo: iStock/Petmal

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