DERA: Iridium und Scandium könnten knapp werden

von | 2. Feb 2022 - 12:14 | Markt, Wirtschaft

Nachhaltige Wasserstoffproduktion erhöht Bedarf an kritischen Rohstoffen

In der „Nationalen Wasserstoffstrategie“ hat die damalige Bundesregierung 2020 die Bedeutung des Wasserstoffs für die Weiterentwicklung und Vollendung der Energiewende dargestellt. Der Koalitionsvertrag der neuen Regierung schreibt diese Strategie fort: Deutschland soll zum Leitmarkt für Wasserstofftechnologien werden, heißt es darin. Perspektivisch soll dabei auf Grünen Wasserstoff gesetzt werden. Bei dessen Erzeugung durch Wasserelektrolyse wird ausschließlich Strom aus regenerativen Energiequellen eingesetzt.

Die Deutsche Rohstoffagentur DERA hat in einem aktuellen Themenheft den Bedarf an mineralischen Rohstoffen aufgezeigt, der mit dem Ausbau der verschiedenen Technologien der Wasserelektrolyse einhergeht.  Die DERA bezieht sich in der Bedarfsprojektion auf zwei Szenarien, die sich im Hinblick auf Faktoren wie Bevölkerungswachstum und Ressourcennutzung unterscheiden.

Im Szenario „Nachhaltigkeit“ könnte der Bedarf am Platingruppenmetall Iridium für die sogenannte Polymerelektrolytmembran-Elektrolyse bis 2040  auf das fünffache der weltweiten Raffinadeproduktion von 2018 steigen.  Für die Festkörperoxid-Elektrolyse könnte im gleichen Szenario der Bedarf am Seltenerdelement Scandium bis 2040 das 2,7-fache der Produktion von 2018 betragen.
Im konservativeren Szenario „Mittelweg“ wird mit 10 Tonnen ebenfalls deutlich mehr Iridium benötigt als 2018 gefördert und 77 Prozent der Gesamtproduktion von Scandium alleine für die Elektrolyse benötigt. Der Bedarf an Yttrium und Titan liege hingegen in beiden Modellen unter der Raffinadeproduktion von 2018.

Preis- und Lieferrisiken bereits vorhanden

Angesichts der Berechnungen zum Rohstoffbedarf überrascht es nicht, dass die DERA Versorgungsrisiken vor allem bei Iridium und Scandium sieht. Die jährliche Fördermenge sei sehr gering und das Angebot auf nur wenige Länder begrenzt und daher entsprechend stark konzentriert.

Der Iridiumpreis bewegt sich aktuell mit etwa 4.000. US-Dollar pro Unze bereits auf einem relativ hohen Niveau. Gestützt werde diese Entwicklung bereits jetzt vom stetigen Ausbau und der Nachfrage aus dem Sektor der Wasserstoffwirtschaft, wie Edelmetallexperte Philipp Götzl-Mamba vom Industrielieferanten TRADIUM gegenüber Rohstoff.net erläutert. Zwar scheine die Versorgungslage vorerst gesichert und ausgeglichen. Allerdings seien mögliche Minenstreiks, aber auch Wirtschaftssanktionen gegen Russland in Folge des Ukraine-Konflikts, ein unkalkulierbares Risiko auf der Versorgungsseite. Russland ist neben Hauptproduzent Südafrika ein Lieferant des Edelmetalls. Sollte die Nachfrage aus neuen Anwendungsgebieten, wie der 5G-Funktechnolgie weiter steigen, könnte das Preisniveau auch dauerhaft hoch bleiben. Da Iridium ein Nebenerzeugnis bei der Förderung anderer Metalle ist, könne das Angebot nicht beliebig hochgefahren werden.

Der Ausbau der Förderung von Scandium scheint laut DERA hingegen möglich, so habe Rio Tinto im kanadischen Quebec eine neue Scandium-Produktionsanlage in Betrieb genommen. Bislang  konzentrierte sich die Produktion hauptsächlich auf China.

Photo: iStock/Scharfsinn86

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