Studie: Mangelhafte Datenlage zu Auswirkungen des Bergbaus

von | 5. Jan 2024 - 10:12 | Wirtschaft

In vielen Bergbaugebieten sind die Folgen für Mensch und Umwelt nicht dokumentiert.

Die Energiewende sei ohne Bergbau nicht zu schaffen, schrieb die Beratungsgesellschaft EY im vergangenen Monat in einem Report (wir berichteten). Ähnlich wie die Verkehrswende hin zur Elektromobilität nimmt die Transformation zur Klimaneutralität in der Energieerzeugung deutlich an Tempo zu und der Bedarf an kritischen Rohstoffen wie Lithium, Kobalt oder Seltenen Erden wächst. Gleiches gilt aber auch etwa für die Bauindustrie, die für die zahlreichen Großprojekte Unmengen an Sand benötigt, um Beton herzustellen. So warnte die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) bereits vor über einem Jahr vor einer Knappheit bei diesem und anderen für die Bauwirtschaft notwendigen Rohstoffen.

Neben dem Ausbau der Kreislaufwirtschaft für wichtige Ressourcen dürfte daher an der Erschließung neuer Rohstoffvorkommen kaum ein Weg vorbeiführen. Das bedeutet, dass der Bergbau auch in Gebiete vordringen wird, die bisher weitgehend unberührt sind. Die potentiellen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt sind unterdessen nicht immer abzuschätzen, denn es fehlen Daten, wie eine im Fachjournal Nature veröffentlichte Untersuchung zeigt. Für die Hälfte der weltweiten Bergbaugebiete sei keine Dokumentation vorhanden, aus der sich die Folgen ableiten lassen, so die Studienautoren. Sie haben nach der Auswertung von Satellitenbildern ihre Beobachtungen mit einer Datenbank abgeglichen, die ihnen zufolge als Standard für die Risikobewertung in diesem Sektor gilt.

Bereits jetzt gibt es immer wieder Gegenwind für Projektentwickler, wenn neue Lagerstätten erschlossen werden sollen, so etwa in Grönland, Schweden oder Spanien, auch wenn die dort zu fördernden Mineralien dem Kampf gegen den Klimawandel dienen sollen. Die Menschen vor Ort befürchten negative Auswirkungen auf ihre Heimat. Fehlt es an Daten zu Auswirkungen und Risiken, aber vor allem an Strategien, um diese niedrig zu halten, dürfte sich daran kaum etwas ändern. Im Frühjahr wird sich die Situation mit dem voraussichtlichen Inkrafttreten des European Critical Raw Materials Act noch einmal verschärfen, denn der Ausbau des heimischen Bergbaus ist dann gesetzlich verankert.

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