Mission Rohstoffunabhängigkeit: Norra Kärr

22. September 2021 | Wissen

Die Abhängigkeit von Importen Seltener Erden aus China wird sich durch den geplanten Ausstieg aus der Verbrennungsmotortechnik und den Ausbau der Erneuerbaren Energien weiter erhöhen. Neue Rohstoffvorkommen werden daher gesucht. Rohstoff.net stellt in dieser Reihe aussichtsreiche Kandidaten vor. Heute: Norra Krär, Schweden.

Vielleicht liegt die Lösung für die Rohstoff-Emanzipation Europas im Norden des Kontinents, genauer gesagt in Schweden.  Das skandinavische Land nimmt in der Geschichte der Seltenen Erden bereits eine bedeutende Rolle ein. In der Grube Ytterby bei Stockholm wurden viele dieser Elemente erstmals entdeckt, Erbium, Ytterbium, Terbium und Yttrium tragen sogar Namen, die sich von dem ehemaligen Bergwerk ableiten. Abgebaut wurden in Ytterby vor allem Quarz und Feldspat, die Lagerstätte ist mittlerweile erschöpft. 300 Kilometer südwestlich der historisch bedeutenden Grube liegt jedoch ein unerschlossenes Vorkommen schwerer Seltener Erden, das zu den größten der Welt gehören soll: Norra Kärr.  Das kanadische Unternehmen Leading Edge Materials (LEM), das sich der Entwicklung von Rohstoffprojekten in der Europäischen Union verschrieben hat, bemüht sich um eine Lizenz zum Erschließen der Lagerstätte. Das Unternehmen will jährlich über 5.000 Tonnen Seltenerdoxide fördern, vor allem Neodym, Praseodym, Dysprosium und Terbium.

Für Norra Kärr spricht die räumliche Nähe zur europäischen Autoindustrie, die Neodym und Praseodym für die Herstellung von Elektroautos benötigt. Eine ideale Ausgangslage, könnte man meinen, doch die Pläne zur Förderung stoßen vor Ort auf Widerstand. Anwohner und Naturschützer befürchten Umweltschäden. Generell sei ein wachsendes Bewusstsein der Öffentlichkeit für die sogenannten ESG-Faktoren in Lieferketten feststellbar, die Umwelt, Soziales und Unternehmensführung umfassen, schreibt der Informationsdienst Roskill. Mit anderen Worten: Der Abbau der für umweltfreundliche Produkte notwendigen Rohstoffe soll die Umwelt nicht in Mitleidenschaft ziehen.
LEM hat kürzlich ein Konzept zur Verringerung des ökologischen Fußabdrucks des Vorhabens vorgestellt, das nach Ansicht von Roskill das Projekt aus ESG-Sicht wieder attraktiv macht. Die chemische Aufbereitung soll etwa außerhalb des Standorts stattfinden und das Wassermanagement optimiert werden, um die Verunreinigung auszuschließen. Das neue Design soll in den laufenden Antrag auf eine Bergbaupacht einfließen. Wann Norra Kärr zum Aufbau einer europäischen Rohstoffversorgung beitragen wird, ist derzeit noch unklar. Wir werden über die Weiterentwicklung diesen spannenden Projekts berichten.

(Update vom 06.10.2021)

Photo: iStock/Leading Edge Metals

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