Rohstoffe im Fokus: Scholz in Südamerika

von | 30. Jan 2023 - 13:16 | Politik

Kritische Mineralien und Grüner Wasserstoff auf der Agenda bei Staatsbesuchen in Argentinien, Chile und Brasilien.

Bundeskanzler Olaf Scholz ist am Samstag zu einem Staatsbesuch nach Argentinien aufgebrochen, anschließend führt ihn die Reise nach Chile und Brasilien. Die Energiewende samt der dafür erforderlichen Rohstoffe bildet einen Schwerpunkt seiner Treffen mit den Staatsoberhäuptern sowie Spitzenvertretern aus der Wirtschaft. Die südamerikanischen Länder sind reich an kritischen Mineralien und bieten großes Potenzial für Wind- und Solarparks, die zur Herstellung des klimafreundlichen Energieträgers Grüner Wasserstoff genutzt werden können.

Konkret wurde mit Chile eine Kooperationsvereinbarung über Bergbau, Rohstoffe und Kreislaufwirtschaft unterzeichnet. Die Bundesrepublik wolle Unterstützung auf dem Weg zu einem nachhaltigen Bergbau leisten, so Scholz. Chile besitzt – wie auch die angrenzenden Staaten Argentinien und Bolivien – reiche Vorkommen an Lithium, das zur Herstellung von Batterien für Elektrofahrzeuge benötigt wird. Auch Seltene Erden könnten künftig in Chile gefördert werden (wir berichteten), die Mineralien sind ebenfalls essentiell für die Elektromobilität. Für die EU bietet das Land eine Chance zur Diversifizierung der Rohstoffversorgung, bislang ist jedoch vor allem China in die Förderung und Weiterverarbeitung lateinamerikanischer Bodenschätze investiert.

Freihandelsabkommen in Sicht?

Scholz wolle sich zudem dafür einsetzen, dass das im Dezember vereinbarte Assoziierungs-Abkommen zwischen Chile und der EU so schnell wie möglich in Kraft tritt. Ziele sind unter anderem Zollfreiheit und ein besserer Zugang zu Rohstoffen. Auch in das Freihandelsabkommen zwischen EU und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur könnte wieder Bewegung kommen, neben dem Kanzler sprachen sich der argentinische Präsident Alberto Ángel Fernández und Brasiliens neuer Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva für eine baldige Einigung aus.

Durch das Abkommen entstünde die weltweit größte Freihandelszone mit über 770 Millionen Einwohnern, so das Bundeswirtschaftsministerium, und ein Markt, der fast 20 Prozent der Weltwirtschaft und 31 Prozent der weltweiten Warenexporte abdecke. Die Verhandlungen dazu laufen bereits seit 1999, nach einer Einigung 2019 liegt das Abkommen jedoch auf Eis, hauptsächlich wegen ungeklärter Fragen zum Schutz des Amazonas-Regenwaldes. 

Rohstoffe und Wasserstoff immer mehr im Fokus der Politik

Scholz´ Südamerika-Reise ist der jüngste in einer Reihe von Staatsbesuchen, bei denen Rohstoffe und H2 eine wichtige Rolle spielten, so etwa in Kanada, Südostasien und Afrika. Die nachhaltige Sicherung dieser Ressourcen rückt zunehmend auf die politische Agenda, seit Lieferkettenprobleme und Ukraine-Krieg Europas Abhängigkeit von wenigen Exportländern wie Russland und China aufgezeigt haben.

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