Ruthenium könnte Behandlung von Brustkrebs erleichtern

von | 15. Dez 2022 - 09:05 | Technologien

EU-Forschungsprojekt: Ermutigende Laborergebnisse gegen besonders aggressive Variante TNBC.

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Auch wenn die Überlebensrate dank des medizinischen Fortschritts bei mittlerweile 90 Prozent liegt, hat die Krankheit jährlich noch immer rund 92.000 Todesfälle allein in Europa (PDF) zur Folge. Als besonders aggressiv und schwer zu behandeln gilt TNBC, eine Variante, die etwa 15 Prozent der Patientinnen betrifft, häufig jüngere Frauen.

Die Bezeichnung steht für triple negative breast cancer (deutsch: dreifach negativer Brustkrebs), weil den Tumorzellen drei Rezeptortypen fehlen, die bei Brustkrebs routinemäßig als Biomarker bestimmt werden und wichtig für zielgerichtete Therapien sind. Weder die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron noch der Wachstumsfaktor HER2 können andocken – Antihormon- oder Antikörpertherapien sind somit wirkungslos bei TNBC. Die Behandlung beschränkt sich meist auf Operationen und eine ungerichtete Chemotherapie, die jedoch auch gesunde Zellen schädigt und mit starken Nebenwirkungen einhergehen kann.

Eine weitere Gefahr: der Körper könne nach einiger Zeit Resistenzen gegen jegliche Arten von Chemotherapien entwickeln, sagt Dr. Andreia Valente. Sie koordiniert das einjährige, EU-finanzierte Projekt CanceRusolution, in dem ein neues, auf dem seltenen Platingruppenmetall Ruthenium basierendes Medikament gegen TNBC entwickelt wird. Erste Versuchsergebnisse seien vielversprechend, denn offenbar können Wachstum und Ausbreitung von TNBC-Zellen gestoppt werden, heißt es in der Mitteilung. Zudem würden keine gesunden Zellen geschädigt.

Trojanisches Pferd: Medikament überlistet Tumorzellen

Das portugiesische Forschungsteam vergleicht die Wirkungsweise des Medikaments mit einem trojanischen Pferd: Das Problem der fehlenden Rezeptoren bei TNBC werde durch eine Verabreichung in Form von Nanopartikeln umgangen. Durch Defekte im Blutversorgungssystem des Tumors dringen diese in sein Inneres ein, um dann den Wirkstoff freizusetzen. Der zielt auf das innere Gerüst der Krebszellen ab, das sogenannte Zytoskelett; wird es zerstört, zerspringen die Tumorzellen.

Als Nächstes sind Studien an Tieren geplant, zudem sollen weitere Analysen sicherstellen, dass die toxische Wirkung des Medikaments sich auf die Krebszellen beschränkt. Mit neuen Fördergeldern, so die Forscher, könnte es innerhalb von zwei Jahren bereit für Tests am Menschen sein.

Mehr zum Thema: Auch andere Ansätze in der Krebsforschung setzen auf Metalle. Das Technologiemetall Gallium etwa zeigt in klinischen Studien ermutigende Resultate gegen das Glioblastom, den häufigsten bösartigen Hirntumor bei Erwachsenen. Bereits zugelassen ist eine Therapie gegen Hautkrebs, die statt OP und Bestrahlung eine Paste mit einem Rhenium-Isotopen einsetzt.

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