Hirntumor: Gallium trickst Krebszellen aus

von | 4. Mai 2022 - 11:51 | Technologien

Das Glioblastom ist der häufigste bösartige Hirntumor bei Erwachsenen und bislang nicht heilbar. In einer klinischen Studie wird eine mögliche neue Therapie mit Gallium getestet.

Jährlich erkranken im Schnitt drei von 100.000 Menschen am Glioblastom, dem verbreitetsten und aggressivsten Hirntumor unter Erwachsenen. Besonders betroffen sind Personen mit weißer Hautfarbe, Männer öfter als Frauen. Die Prognose ist schlecht, denn heilbar sind Glioblastome bislang nicht. Behandelt wird meist mit Operation, Bestrahlung und Chemotherapie, was zu einer Überlebenszeit von wenigen Monaten bis maximal ein paar Jahren führt.

In einer klinischen Studie am Froedtert Hospital und Medical College of Wisconsin (MCW) wird nun eine mögliche neue Therapie erprobt. Dabei nehmen die Probanden Galliummaltolat (GaM) ein, eine oral verfügbare Form des Technologiemetalls Gallium. Die medizinische Wirkung von GaM beruht vor allem auf seiner Fähigkeit, Eisen zu imitieren. Krebszellen brauchen Eisen, um sich zu vermehren, heißt es in der Mitteilung des MCW. Ein hoher Eisengehalt im Körper könne mit einem erhöhten Krebsrisiko und Schweregrad der Krankheit einhergehen. Nehmen Tumorzellen stattdessen GaM auf, werde ihre Vermehrung verhindert und sie sterben letztendlich ab.

Der Studie liegen jahrelange Forschungen unter der Leitung von Dr. Christopher Chitambar zugrunde, emeritierter Professor für Medizin und Biophysik am MCW. Versuche an Ratten hätten gezeigt, dass intravenös oder oral verabreichtes GaM das Tumorwachstum deutlich verringern und die Überlebenszeit erhöhen kann, schreibt News Medical. Diese aufregende Entdeckung eröffne Möglichkeiten für die Entwicklung eines Medikaments gegen das Glioblastom, sagt Dr. Chitambar. Der krebshemmende Mechanismus von GaM gelte auch für andere solide, also aus festem Gewebe bestehende, Tumoren.

Die Studie nimmt noch Teilnehmer auf und wird voraussichtlich im Dezember 2025 abgeschlossen sein.

Photo: iStock/mady70

2030 oder 2050 Klimaneutralität