Lieferengpässe dämpfen Photovoltaik-Boom

von | 8. Apr 2022 - 10:18 | Markt, Wirtschaft

Photovoltaik boomt bei den deutschen Verbrauchern, nicht zuletzt seit Russlands Angriff auf die Ukraine. Doch Lieferengpässe bremsen vielerorts das Wachstum.

Auf knapp 59 Gigawatt (GW) Leistung kamen Photovoltaikanlagen in Deutschland 2021, führt Statista an. Zum Erreichen ihrer Klimaziele möchte die Bundesregierung diesen Wert bis 2030 auf 200 GW steigern. Das am Mittwoch vom Kabinett beschlossene Osterpaket zum schnelleren Ausbau der Erneuerbaren Energien enthält deshalb auch einen Photovoltaik-Booster. Zum einen werden mehr Frei- und Dachflächen in Deutschland für Solaranlagen ausgeschrieben. Zum anderen soll die Förderung für neue Photovoltaik-Dachanlagen, die ihren Solarstrom vollständig ins Netz einspeisen, erhöht werden. Besonders letzteres könnte die wachsende Nachfrage nach Solarenergie unter deutschen Verbrauchern weiter anfachen.

Denn der Absatz von Solaranlagen, Speichern und Wärmepumpen boomt, meldet jüngst das Handelsblatt. Ein deutlich wachsendes Interesse registrieren etwa der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) und der Bundesverband der Energiespeichersysteme (BVES). Zurückzuführen sei dies auf die steigenden Energiepreise und den Wunsch, sich infolge des Ukraine-Krieges unabhängiger von russischen Energieimporten zu machen. Bereits 2021 war die Selbstversorgung mittels erneuerbarer Energien auf dem Vormarsch: In Deutschland zogen die Verkaufszahlen von Solaranlagen um zehn Prozent an, auch europaweit wuchs die Nachfrage (wir berichteten). Bei Solarstromspeichern verzeichnet der BSW sogar ein Installations-Plus von 60 Prozent.

Lieferengpässe: Wartelisten bis 2023

Indes können Handwerksbetrieb die riesige Nachfrage speziell nach Photovoltaikanlagen kaum bewältigen, vielerorts reichen die Wartelisten bis 2023. Zugleich steigen die Preise für Solarmodule, nicht nur wegen des großen Bedarfs, sondern auch durch die mit der Corona-Pandemie zusammenhängenden Lieferengpässe. China ist ein wichtiger Lieferant für viele kritische Rohstoffe, die beim Bau von Solarzellen eingesetzt werden, darunter die Halbleitermaterialien Indium, Gallium und Silizium. Auch ein Großteil der in Deutschland verbauten Solarmodule stammt aus der Volksrepublik. Hinzu kommt die seit zwei Jahren anhaltende Halbleiterkrise, die unter anderem die Versorgung mit Wechselrichtern für Photovoltaik-Anlagen erschwere, schreibt Wallstreet Online. Bereits Anfang Februar meldete etwa der Fachverband Elektro- und Informationstechnik Baden-Württemberg, dass immer mehr Mitgliedsbetriebe mit Lieferschwierigkeiten bei Solarkomponenten zu kämpfen hätten. Ob sich die Ziele der Bundesregierung zum Ausbau der Solarenergie unter diesen Umständen erreichen lassen, bleibt abzuwarten.

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