Großer Mangel an Arbeitskräften im Bergbau

von | 2. Aug 2022 - 10:08 | Wirtschaft

In vielen Branchen fehlt es derzeit an Personal, so auch im Bergbau, der durch den steigenden Bedarf an kritischen Mineralen ohnehin vor großen Herausforderungen steht.

Seltene Erden für Windkraftanlagen, Lithium für Speichertechnologien: die Energiewende ist auch eine Ressourcenwende, die die Karten in der weltweiten Rohstoffversorgung neu mischt. Derzeit scheint alles darauf hinzudeuten, dass dies zugunsten Chinas geschieht, denn das Land ist der größte Produzent Seltener Erden, spielt zudem auch in der Lithiumversorgung eine bedeutende Rolle. Diese starke Position führt seit einiger Zeit zu Bedenken auf wirtschaftlicher und jüngst auch auf politischer Seite vor einer zu starken Abhängigkeit von China. In den USA, aber auch der Europäischen Union wird daher der Aufbau eigener Lieferketten für kritische Rohstoffe angestrebt.

Pandemie verstärkt Mangel an Arbeitskräften

Große Hoffnungen werden bei der Suche nach neuen Rohstofflieferanten in das an Bodenschätzen reiche Australien gesetzt. Das Knowhow der lokalen Firmen wie zum Beispiel Lynas, einem der wichtigsten Produzenten Seltener Erden außerhalb Chinas, ist daher international entsprechend gefragt. Auch etablierte Bergbaukonzerne, die bisher keine Rolle beim Abbau von Neodym, Kobalt und anderen strategischen Materialien einnehmen, werden sich zumindest teilweise neu erfinden müssen, urteilte vor einiger Zeit die Unternehmensberatung PwC (wir berichteten). Doch leichter gesagt als getan, denn im Zuge der Covid-Pandemie wurden zahlreiche Arbeitsplätze in der Branche abgebaut, die schon vorher mit einem Fachkräftemangel zu kämpfen hatte, so S&P Global. Der Finanzdienstleistungskonzern verweist dabei auf das schlechte Image des Bergbaus unter jungen und potentiellen Arbeitskräften hin, was es erschwere, das Ausscheiden älterer Arbeitnehmer zu kompensieren. Alleine in Australien würden innerhalb der nächsten fünf Jahre 24.000 zusätzliche Arbeitskräfte benötigt, wie der australische Arbeitgeberverband AREEA (PDF) schreibt. Wenig überraschend zählt auch die Unternehmensberatung EY den Mangel an jungen Talenten zu den größten Risiken für den Sektor.

An China führt vorerst kein Weg vorbei

Die Förderung kritischer Rohstoffe außerhalb Chinas kann derweil auch nur ein Teil der Lösung sein, denn ihre Weiterverarbeitung zu Oxiden oder Endprodukten wie Permanentmagneten erfordert umfangreiches Knowhow. An dieser Stelle ergebe sich ein Henne-Ei-Problem, wie das Wirtschaftsportal Quartz schreibt: Ohne eine ausreichend groß dimensionierte Bergbauindustrie für kritische Mineralien seien kaum Anreize für ein universitäres Studium in diesem Bereich vorhanden. Der Aufbau der Branche würde wiederrum am Mangel von Absolventen scheitern.

Als Lösung verweist die Geschäftsführerin des kanadischen Bergbauunternehmens Defense Metals, Luisa Moreno, gegenüber Quartz ausgerechnet auf China. Durch Zusammenarbeit könnte die Entwicklung eigener Kapazitäten beschleunigt werden, so Moreno. Defense Metals selbst hatte im vergangenen Jahr eine Absichtserklärung mit dem chinesischen Unternehmen Sinosteel unterzeichnet, dabei ging es unter anderem um eine Machbarkeitsstudie zum Abbau Seltener Erden in Kanada. Moreno weist gegenüber dem Fachmagazin Forbes jedoch zugleich darauf hin, dass Chinas Ambitionen weitaus größer seien und auch den Erwerb von Rohstoffvorkommen in Afrika und Südamerika einschließen würden. Hierbei müsse man dem Land zuvorkommen, andernfalls würde der Einfluss noch deutlich größer.

Angesichts der Tatsache, dass laut S&P Global von den ersten Erkundungen bis zur Rohstoffförderung im Schnitt 16 Jahre vergehen, der Bedarf an kritischen Mineralen gleichzeitig deutlich zunimmt, kommt auf die westlichen Volkswirtschaften also ein schwieriger Spagat zwischen Kooperation und Rohstoffautonomie zu. Zusätzliche Herausforderungen wie ein massiver Personalmangel kommen in dieser Situation also denkbar ungelegen.

Photo: iStock/Maksim Safaniuk

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