Angola will grünen Wasserstoff nach Deutschland liefern

von | 20. Juni 2022 | Markt, Wirtschaft

Absichtserklärung für Bau einer Fabrik unterzeichnet. Export soll 2024 starten.

Grüner Wasserstoff gilt als wichtiger Hoffnungsträger der Energiewende. Das Gas, das nachhaltig auf Basis Erneuerbarer Energien hergestellt wird, soll klimaschädliche Emissionen in Industrie und Verkehr reduzieren. Doch weil die Produktionskapazitäten in Deutschland voraussichtlich nicht ausreichen werden, sucht die Bundesrepublik nach Partnern für den Import, etwa in Afrika (wir berichteten). Nun wurde mit Angola ein erster Lieferant gefunden, berichtet das Handelsblatt.

Der staatliche Energiekonzern Sonangol unterzeichnete zusammen mit den deutschen Firmen Gauff Engineering und Conjuncta eine Absichtserklärung für den Bau einer entsprechenden Fabrik im angolanischen Hafen Barra do Dande. Sonangol wolle neben Öl und Gas künftig auch Wasserstoff herstellen, sagte Präsident und CEO Sebastiao Gaspar Martins. Angola verfüge über viele Wasserkraftwerke, die Strom deutlich über dem Bedarf produzieren, und habe die notwendige Infrastruktur für den weltweiten Vertrieb von grünem Wasserstoff, schreibt Gauff Engineering in einer Mitteilung vom März.

Wasserkraftwerk. Photo: iStock/igorwheeler

Starten sollen die Lieferungen voraussichtlich 2024. Der angolanische Minister für Mineralische Ressourcen, Erdöl und Gas, Diamantino Pedro de Azevedo, rechnet damit, dass ab dann grünes Ammoniak exportiert werden könne, ein flüssiger Energieträger, mit dem sich grüner Wasserstoff über weite Strecken transportieren lässt. Zudem stellte Azevedo künftige Gas- und Öllieferungen nach Europa in Aussicht, als Ersatz für fossile Brennstoffe aus Russland.

Deutschland unterhält bereits eine Energiepartnerschaft mit Angola, ebenso wie mit weiteren Ländern, die große Potenziale zur Herstellung von Erneuerbaren Energien haben. In Saudi-Arabien etwa fördert die Bundesregierung den Bau einer der weltweit größten Produktionsanlagen für grünen Wasserstoff und grünes Ammoniak. Auch mit Chile, Namibia, Katar und Indien besteht eine Zusammenarbeit im Bereich Wasserstofftechnologien.

Umstellung auf grünen Wasserstoff benötigt auch Rohstoffe

Neben dem Aufbau von strategischen Partnerschaften und entsprechender Produktionskapazitäten sind für die Umstellung auf grünen Wasserstoff auch viele Rohstoffe nötig. Das klimafreundliche Gas wird durch Elektrolyse hergestellt, bei der Wasser in seine Ausgangsstoffe Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten wird. Je nach Elektrolyseverfahren kommen hierbei verschiedene Technologie-, Edel- und Seltenerdmetalle zum Einsatz. Bei der PEM-Elektrolyse (Proton Exchange Membrane) etwa dienen die Edelmetalle Platin und Iridium oder Ruthenium als Katalysator.

Auch der Ausbau von grünem Strom, ohne den kein grüner Wasserstoff möglich ist, geht mit einem hohen Rohstoffbedarf einher. In Windkraftanlagen sind zum Beispiel neben großen Mengen Nickel und Aluminium Seltenerdmetalle wie Neodym und Praseodym verbaut, in Photovoltaikmodulen Halbleitermaterialien wie Silizium, Gallium und Indium. Die weltweiten Klimaschutzbemühungen treiben die Nachfrage nach vielen kritischen Rohstoffen, was in den letzten Jahren zu teils massiven Preissteigerungen beigetragen hat.

Photo: iStock/AdemarRangel

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