Windenergie in Deutschland wächst – aber noch zu langsam

von | 20. Jul 2023 - 12:44 | Wirtschaft

Branchenverbände loben Fortschritte, sehen aber noch viel Optimierungsbedarf. Vor allem Bürokratie behindere die Ausbauziele.

Vier bis fünf neue Windräder am Tag seien bis 2030 nötig, um die deutschen Klimaschutzziele zu erreichen – von dieser Forderung von Bundeskanzler Olaf Scholz ist der derzeitige Ausbau noch weit entfernt. Im ersten Halbjahr 2023 wurden im Schnitt nicht einmal zwei Windkraftanlagen pro Tag installiert. Dies zeigen Zahlen, die der Bundesverband Windenergie (BWE) und die Fachabteilung Power Systems im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) veröffentlicht haben. Das Tempo habe zwar angezogen, so die beiden Verbände, es müsse aber noch viel getan werden.

Insgesamt wurden bis Ende Juni 331 Windenergieanlagen mit insgesamt 1.56 Gigawatt (GW) installiert – das seien bereits 65 Prozent des kompletten Zubaus im Vorjahr. Für das gesamte Jahr rechnen die Verbände mit 2,7 bis 3,2 GW an neuer Leistung, was im oberen Bereich ihrer Prognose liege. Das sei eine „starke Leistung der Branche“, gerade angesichts der anhaltenden Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert sei. Auch die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung und die steigenden Genehmigungszahlen für Windkraftanlagen bewerten BWE und VDMA Power Systems als positiv.

Verfehlen der Ausbauziele gefährdet auch andere klimarelevante Sektoren

Dennoch könne das Ausbauziel von 115 GW im Jahr 2030 in diesem Tempo nicht erreicht werden. Aktuell gibt es in der Bundesrepublik 28.517 Windräder mit einer Leistung von 59 GW. Bereits ab 2025 sollen nach den Plänen der Bundesregierung jährlich zehn GW hinzukommen. Werde dies nicht erreicht, könnte es Auswirkungen auf die Klimaziele in anderen Sektoren wie Wärmepumpen, Elektromobilität und grüner Wasserstoff haben, da diese auf Erneuerbare Energien angewiesen sind.

Die Branchenverbände fordern daher, die von der Regierung beschlossenen Maßnahmen konsequent und zügig umzusetzen. In der Pflicht sehen sie hier etwa das Bundesverkehrsministerium, beteiligte Landesministerien und Behörden vor Ort. Die größten Hindernisse seien nach wie vor langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie zu wenig ausgewiesene Flächen durch die Länder, so Dr. Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer von VDMA Power Systems. Die Verbände sprechen sich außerdem für die Stärkung der europäischen Lieferkette aus.

Bei Seltenen Erden etwa, die für Permanentmagneten in vielen Windkraftturbinen benötigt werden, besteht eine hohe Exportabhängigkeit von Weltmarktführer China. Windradhersteller aus der Volksrepublik werden zudem immer mehr zur Konkurrenz für europäische Unternehmen, von denen laut Handelsblatt derzeit keines Gewinne erzielt, trotz der großen Nachfrage.

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