Wie reagieren in der Krisenstimmung?

von | 29. November 2021 | Kutzers Corner

Dramatisch steigende Corona-Zahlen hierzulande und weltweit, Überlastung der Krankenhäuser, eine neue Virus-Mutante – die Pandemie wird mit der vierten Welle für alle Betroffenen noch gefährlicher und unberechenbar. Inzwischen wird schon wieder über einen Lockdown diskutiert. Und unser Gesundheitswesen droht zu kollabieren. Das berührt auch das Wirtschaftsgeschehen und die Inflationsentwicklung. Die Börse hat spät reagiert (eigentlich zu spät). Die nächsten Tage werden zumindest Hinweise auf die mutmaßliche Kurstendenz der Wochen bis zum Jahreswechsel liefern. Die neue Unsicherheit wird aber bleiben.

Was tun, werden sich viele von Ihnen jetzt fragen, geschätzte Anleger. Die Antworten hängen von Ihrer individuellen Ausgangslage und Zielsetzung ab. Ganz entscheidend kommt es gerade in Krisenphasen auf die Risikobereitschaft an. Hier ein paar Alternativen der Vorgehensweise.

Erst einmal abwarten und nichts tun

Naheliegend ist es für meinen Geschmack, wenn man als betont vorsichtiger Anlegertyp erst einmal nichts macht. Gar nichts, keine Käufe in der Schwäche („Buy the dip“). Aber auch Aktienbestände halten – hoffentlich sind alle Positionen gegen starke Verluste abgesichert. Denkbar sind aber auch Gewinnmitnahmen (zumindest von Teilen des Depots) und die Trennung von Verlierern, also einzelnen Aktien, die sich schlechter als der betreffende Index entwickeln. Auch Tauschoperationen kommen in Frage, um besser zu diversifizieren oder von Direktanlagen in Aktienfonds zu wechseln. Ziehen Sie auch meine „Bisschen-Taktik“ in Erwägung. Die besagt nichts anderes, als bei allen Käufen und Verkäufen vorsichtshalber erst einmal mit kleinen Beträgen zu operieren. Also nicht gleich das ganze Depot umkrempeln!

Das KISS-Prinzip

Unterm Strich: Machen Sie’s nicht zu kompliziert, sondern gehen Sie möglichst einfach vor! Kennen Sie übrigens den 80er Jahre-Hit „It Started With A Kiss“ von Hot Chocolade? Man muss ihn nicht kennen, den jammernden Schmuse-Song. Wichtiger ist das KISS-Prinzip. Es besagt, dass eine möglichst einfache Lösung eines Problems gewählt werden sollte. (KISS ein Apronym = Sonderform eines Akronyms, das ein bereits existierendes Wort ergibt. Beispiel: BUND, für „Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland“). KISS hat gleich mehrere Erklärungen mit einer ähnlichen Aussage, z.B.: Keep it short and simple („Gestalte es kurz und einfach“) und Keep it simple and smart („Mach es einfach und schlau“). Am geläufigsten ist aber „Keep it simple, stupid“. Ende des Sprachkurses. Jeder kennt natürlich das Gegenteil von KISS, nämlich den ironischen Spruch „Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht“. Das scheinen immer mehr private Anleger zu verinnerlichen, die sich von dem schier endlos wachsenden Angebot an Anlageinstrumenten allzu sehr beeindrucken lassen.

Dividendenwerte nicht vernachlässigen

Schon vor Jahren hat mir ein amerikanischer Kollege mit landestypischer Übertreibung geschrieben, KISS sei doch die wichtigste Grundregel für Anleger. Denn wer Tausende internationaler Aktien beobachten will, verliert den Überblick. Wer deshalb aber ein unumstritten attraktives Auswahlkriterium einsetzt, hat’s nur noch mit ein paar Hundert zu tun: Unternehmen, die durch steigende Dividenden herausragen. Der alte Kollege hat Recht! Denn langjährig hohe, besser noch tendenziell steigende Ausschüttungen bedeutet doch nichts anderes als solide und wachsende Unternehmen mit steigenden Gewinnen und Cash-flows – die zudem auch noch aktionärsfreundlich sind. Jedenfalls ein weiteres Argument für die Dividendenrendite – und ein starkes Argument für nachgewiesen gute Dividendenaktien-Fonds.

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