Weihnachten: Auch ein Fest der Strategischen Rohstoffe

von | 17. Dezember 2021 | Markt

Nicht nur Plätzchen, Weihnachtslieder und Lametta spielen an Heiligabend eine wichtige Rolle. Rund um den Christbaum finden sich auch viele Technologiemetalle und Seltene Erden.

325 Euro – so viel möchten die Bundesbürger laut einer aktuellen GfK-Umfrage durchschnittlich für Weihnachtsgeschenke ausgeben. Darunter werden viele Smartphones, Kopfhörer, Tablets oder Spielkonsolen sein: 20 Prozent der beliebtesten Gaben unter dem Weihnachtsbaum sind technische Geräte, weiß der Handelsverband Deutschland. Zudem wird ein Teil der Warengutscheine – Spitzenreiter der Weihnachtsgeschenke – für Unterhaltungs- oder Gebrauchselektronik eingelöst. Kein Wunder also, dass die Branche fast ein Viertel des Jahresumsatzes im November und Dezember macht. Kaum eins der zahlreich verschenkten Geräte würde jedoch ohne Technologiemetalle und Seltene Erden funktionieren.

Fast schon moderne Klassiker unter dem Weihnachtsbaum: Handys und Tablets. Touchscreens haben ihre Bedienung revolutioniert und machen Tasten (fast) überflüssig. Möglich wird das durch Indiumzinnoxid, ein nahezu transparentes, lichtdurchlässiges Material mit hoher Leitfähigkeit. Als hauchdünne Beschichtung unter dem Glasdisplay registriert es kleinste elektrische Impulse durch Finger oder Touchpen und steuert so die Anzeige.

Strategische Rohstoffe am und unterm Weihnachtsbaum

Coole Spielkonsole dank Flüssigmetall

Wer die Playstation 5 auf seinem Wunschzettel hat, muss sich womöglich bis lange nach Weihnachten gedulden. Durch den globalen Chipmangel ist Sonys neueste Spielkonsole seit Monaten ebenso knapp wie begehrt (wir berichteten). Für ihren Betrieb spielen Technologiemetalle eine wichtige Rolle: Um den Prozessor vor Überhitzung bei hoher Rechenleistung zu schützen, kommt erstmals eine flüssige Wärmeleitpaste aus Gallium, Indium und Zinn zum Einsatz. In einem Video erläutert Sony die Funktionsweise (ab ca. 5:45). Gallium ist auch in vielen anderen Gadgets enthalten. Ladegeräte mit Galliumnitrid etwa überzeugen mit ihrer handlichen Größe und laden Akkus sehr schnell auf.

Rennspaß und Musikgenuss mit Seltenen Erden

Ferngesteuerte Autos bringen Kinderaugen zum Strahlen und erfreuen als Weihnachtsgeschenk auch viele Erwachsene. Starke Permanentmagneten aus Neodym bringen die kleinen Elektromotoren zum Fahren. Im Modellbau können sie helfen, Fahrzeuge wie Modelleisenbahnen oder Rennautos in der Spur zu halten. Sogar in Puppen oder Stofftieren können sie stecken, etwa um Gliedmaßen beweglich zu machen. Auch zur Klangwiedergabe in Lautsprechern und Kopfhörern ist das Seltenerdmetall gefragt. Hier punkten Neodymmagneten mit hoher magnetischer Leistungsfähigkeit bei vergleichsweise niedrigem Gewicht.

Gallium und Indium lassen Weihnachtssterne leuchten

Sie ist wohl der Inbegriff weihnachtlicher Besinnlichkeit: Die stimmungsvolle Beleuchtung. Der Trend geht dabei klar zu LED. Laut einer diesjährigen Umfrage von Statista (Bezahlartikel) verwenden  77% der Befragten Leuchtdioden für ihre weihnachtliche Innen- und Außenbeleuchtung. Gallium und Indium sind unverzichtbar, damit LED-Lichterketten und -sterne erstrahlen. Je nach gewünschter Farbe kommen Rohstoffkombinationen wie Galliumarsenidphosphid (rot), Aluminium-Gallium-Indium-Phosphid (grün) und Indium-Gallium-Nitrid (blau) zum Einsatz. Auf diese Weise ist das gesamte Farbspektrum darstellbar.

Wer die Technik zuhause einsetzt, spart im Vergleich mit herkömmlichen Glühlampen 90% Strom ein. Neben ihrer Energieeffizienz punkten LEDs mit deutlich höherer Lebensdauer: Nach Herstellerangaben leuchten sie 15.000 bis 50.000 Stunden, was 15 bis 45 Jahren entspricht. Diese Vorteile überzeugen nicht nur private Nutzer: Immer mehr Kommunen stellen ihre öffentliche Weihnachtsbeleuchtung auf LED um.  

Globale Lieferketten beeinflussen das Weihnachtsfest
Viele der erwähnten Rohstoffe und Produkte stammen aus Fernost. Die Weltproduktion Seltener Erden etwa wird zu 90 Prozent von China dominiert, das zugleich Fertigungsland unzähliger Elektronikartikel ist. Einmal mehr seit Ausbruch der Coronapandemie zeigt die Vorweihnachtszeit, wie fragil die langen weltweiten Lieferketten letztlich sind. Rohstoffknappheit, Chipkrise, fehlende Frachtcontainer und Co. sorgen für satte Preisaufschläge oder monatelange Wartezeiten bei zahlreichen Weihnachtsgeschenken und Dekoartikeln. Für jene, die noch keine Geschenke haben, wäre ein Gutschein in diesem Jahr vielleicht eine Alternative.

Titelbild: iStock/manaemedia

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