Verbrenner-Verbot in der EU: Ausnahme für E-Fuels?

von | 29. Jun 2022 - 12:06 | Markt, Politik

EU-Länder einigen sich auf Verbrenner-Aus ab 2035 – mit möglichen Ausnahmen für synthetische Kraftstoffe. Der Rohstoffbedarf wird in jedem Fall steigen.

Vor gut drei Wochen brachte das EU-Parlament ein faktisches Verkaufsverbot für Neuwagen mit Verbrennungsmotoren ab 2035 auf den Weg (wir berichteten). Doch bevor die geplante Regelung umgesetzt werden kann, mussten erst die Mitgliedsstaaten darüber verhandeln.

Nun haben auch die Regierungen dem Vorschlag zugestimmt: Nach 16 Stunden andauernden Verhandlungen einigten sich die EU-Umweltminister auf das Verbrenner-Aus. Eine Ausnahme könnte es jedoch für Fahrzeuge geben, die mit sogenannten E-Fuels, also synthetischen Kraftstoffen, betankt werden. Sie gelten als CO2-neutral, weil beim Verbrennen nur so viel Kohlendioxid entsteht, wie für die Herstellung verbraucht wird.  

Mehrere EU-Staaten, darunter Deutschland, setzten sich für diesen Kompromiss ein. Die Bundesregierung hatte sich erst kurz zuvor auf eine gemeinsame Position geeinigt, wie unter anderem die Tagesschau berichtet. Nach einem Streit zwischen den Grünen und der FDP setzte sich letztere Partei mit ihrer Befürwortung der E-Fuels durch.

Nun soll die EU-Kommission Vorschläge unterbreiten, wie eine solche Ausnahme aussehen könnte. Im nächsten Schritt muss ein finaler Kompromiss mit dem Europaparlament gefunden werden, das für ein komplettes Verbrenner-Aus ist.

Verkehrswende treibt Rohstoffbedarf

Ob reine Elektromobilität oder ein Mix mit klimaneutralen Verbrennungsmotoren: Die geplante Verkehrswende wird die Nachfrage nach Rohstoffen weiter anheizen. Für E-Fahrzeuge werden neben Metallen wie Aluminium auch Batterierohstoffe wie Lithium, Kobalt und Nickel sowie Permanentmagneten aus Seltenen Erden für die Traktionsmotoren benötigt. Sollten synthetische Kraftstoffe künftig wirtschaftlich werden, würde dies zudem den Bedarf nach Edelmetallen steigern. Denn viele E-Fuels nutzen grünen Wasserstoff als Energieträger, für dessen Produktion mittels Wasserelektrolyse etwa Platin, Palladium und Iridium nötig sind.

Zudem gilt sowohl für Elektroautos als auch für Verbrenner, die mit E-Fuels betankt werden: Klimaneutral sind sie nur, wenn Erneuerbare Energien im Spiel sind. E-Fahrzeuge müssten mit grünem Strom betankt, E-Fuels unter Einsatz von Ökostrom hergestellt werden. Auch der Ausbau der Erneuerbaren Energien geht mit einem wachsenden Bedarf kritischer Rohstoffe einher.

Photo: iStock/Toa55

2030 oder 2050 Klimaneutralität