Windkraftindustrie optimistisch – trotz Sorge um Rohstoffe

von | 5. Mai 2022 - 14:08 | Wirtschaft

Die globale Windenergiebranche blickt positiv in die Zukunft. Mögliche Folgen durch den Krieg in der Ukraine werden unterschiedlich eingeschätzt.

Angesichts der Klimakrise sieht sich die weltweite Windenergiebranche im Aufschwung. Das geht aus dem aktuellen Trendindex der WindEnergy Hamburg hervor, die als Weltleitmesse für Windkraft gilt. Für die Untersuchung wurden knapp 900 Marktakteure befragt.

Eine starke Verbesserung der Stimmung zeichne sich in der deutschen Windkraftindustrie ab: Im Vergleich zur letzten Umfrage im Herbst 2021 mit neutralen bis negativen Ergebnissen werde die aktuelle und zukünftige Marktsituation nun als sehr positiv eingeschätzt. Die Märkte in Europa, Asien und Nordamerika seien bereits in der Vergangenheit optimistisch bewertet worden.

Mehr als 55 Prozent der Befragten halten es überdies für sehr wahrscheinlich, dass Windenergie in den kommenden zwei Jahren eine wesentliche Rolle bei der Produktion von grünem Wasserstoff spielen wird. Das Gas wird CO₂-neutral auf Basis erneuerbarer Energien erzeugt und gilt als ein Schlüsselelement zum Erreichen der Klimaziele.

Krieg könnte Nachfrage steigern – aber Rohstoffversorgung erschweren

Rund die Hälfte der Umfrageteilnehmer rechne allerdings damit, dass der Angriffskrieg gegen die Ukraine kurzfristig negative bis sehr negative Auswirkungen auf die Branche haben wird. 25 bis 30 Prozent hingegen erwarten sogar positive Folgen. Das könnte sich auf den Ausbau der erneuerbaren Energien beziehen, den aktuell vor allem europäische Länder wie Deutschland forcieren, um unabhängiger von fossilen Rohstoffen aus Russland zu werden.

Auf der anderen Seite gefährdet der Krieg die Versorgung mit Materialien, die für die Energiewende benötigt werden. Russland ist unter anderem einer der weltgrößten Produzenten von Metallen wie Nickel und Aluminium, die in Windrädern verbaut sind. Kurz nach Kriegsausbruch waren die Preise für zahlreiche Metalle in die Höhe geschossen. Als potenziell kritisch stuft die Deutsche Rohstoffagentur (DERA) auch die weltweite Marktlage für Seltene Erden ein. Seit Jahren hat China ein Quasi-Monopol auf Seltenerdmetalle wie Neodym und Praseodym. Diese sind zentrale Rohstoffe für Permanentmagneten, die in den meisten Windkraftanlagen stecken.

Photo: iStock/Tom Buysse

2030 oder 2050 Klimaneutralität