Neues EU-Projekt: Mineralische Metalle aus Meerwasser erzeugen

4. Juli 2021 | Technologien

Gallium, Indium und Scandium aus Sole gewinnen? Bei Sea4Value wird genau daran jetzt intensiv geforscht. 

Seit Mitte 2020 erforscht das von der EU-geförderte Projekt Sea4Value neue Technologien, um aus der Sole von Meerentsalzungsanlagen mineralische Metalle zu gewinnen. Das nennt man wohl eine klassische Win-Win-Situation. Warum Win-Win? Weil erstens mineralische Metalle zunehmend wichtig, in der EU aber nur selten gefördert werden. Und weil zweitens Sole eigentlich ein Abfallprodukt der Meerentsalzung ist, die bislang – teils äußerst umweltbelastend – wieder zurück in die Ozeane gepumpt wird.

Genau das soll sich nun ändern. Aus dem Abfallprodukt Sole sollen kostbare Rohstoffe werden. Nuria García Fernandez vom spanischen Technologiezentrum Eurecat und Projektkoordinatorin von Sea4Value, erklärt: „Derzeit erzeugen Meerwasserentsalzungsanlagen zu 50 Prozent Wasser und zu 50 Prozent Sole. Künftig sollen zu 80 Prozent Wasser erzeugt und aus dem Rest Rohstoffe, wie Magnesium, Scandium, Vanadium, Gallium, Indium, Boron und andere Mineralien und Metalle zurückgewonnen werden. Und damit Rohstoffe, die beispielsweise für die Produktion von Smartphones, aber auch für Photovoltaik, LEDs, Laser und Halbleiter-Technologien immer stärker nachgefragt werden.

Wie genau Sea4Value funktioniert, lässt sich im EU Recycling Magazin nachlesen. Demnach entwickelt das Projekt ein spezielles Adsorptionsverfahren, für das besondere Module per 3D-Druck hergestellt werden. „Die Module ziehen die Metalle wie ein Magnet an. Alternativ zu diesem Adsorptionsverfahren wird der Einsatz von Filtern mit nanofeinen Poren erprobt, in denen die Metalle hängen bleiben“, schreibt das Magazin. Getestet wird das Verfahren zunächst in zwei bestehenden Entsalzungsanlagen – in Fonsalia auf der Kanareninsel Teneriffa sowie in Denia auf dem spanischen Festland. Angelegt ist das Projekt zunächst auf vier Jahre.

Das Konsortium von Sea4Value setzt sich zusammen aus 15 Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus sieben europäischen Ländern. Auch zwei deutsche Institutionen sind dabei: die Universität Bremen und die DECHEMA Gesellschaft für chemische Technik und Biotechnologie. Die Bremer Forscher sind an der Entwicklung spezieller Verdampferbecken für das Projekt beteiligt, die Experten der DECHEMA werden Marktanalyse und Reportings zu den gewonnenen Mineralien und Metallen verantworten.

Wie wichtig es ist, der EU durch derartige Projekte weitere Quellen für strategische Metalle zu sichern, um sie mittel- bis langfristig von Drittmärkten unabhängiger zu machen, erklärt Xavier Martinez, Direktor für den Geschäftsbereich Wasser, Luft und Erde bei Eurecat, in einer Stellungnahme zu Sea4Value: „Ein nachhaltiger Zugang zu kritischen Rohstoffen ist ein wesentlicher Faktor für die Wirtschaft. Und das bedeutet: Die Sicherung dieser Zugänge heute und in Zukunft ist ein wesentlicher Faktor für die EU.“

Ein Infoflyer von Sea4Value steht kostenlos zum Download zur Verfügung.

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