Energiebehörde warnt: Mineralien und Seltene Erden können knapp werden

4. Juli 2021 | Markt

Mineralische Rohstoffe sind ein kostbares Gut. Wie dramatisch sich die Lage auf dem Weltmarkt jedoch in den nächsten Jahrzehnten entwickeln könnte, hat jetzt die Internationale Energiebehörde (IEA) aufgezeigt.

Vor wenigen Monaten legte die Internationale Energiebehörde (IEA) an ihrem Hauptsitz in Paris eine neue Studie vor. Darin berechnet sie detailliert den wachsenden Bedarf an mineralischen Rohstoffen, der für die Umsetzung der weltweiten Energiewende nötig werden würde. Fatih Birol, Chef der IEA, verwies bei der Studienvorstellung auf eine „wachsende Diskrepanz“ zwischen den strenger werdenden Klimazielen sowie der Verfügbarkeit kritischer Mineralien und Seltener Erden, die für die Verwirklichung dieser Ziele essentiell seien.

Ignoriere man das, so Birol weiter, könnte dies den gesamten globalen Prozess in Richtung sauberer Energien verlangsamen und verteuern und somit letztlich die Anstrengungen im Kampf gegen den weltweiten Klimawandel behindern.

Die Crux? Ausgerechnet viele der für die Klimawende notwendigen Technologien und Produkte sind auf kritische Mineralstoffe und Seltene Erden besonders stark angewiesen. Windkrafträder beispielsweise, aber auch Elektromotoren und Batterien für E-Mobilität. Elektrofahrzeuge etwa benötigen für ihre Herstellung mehr Technologiemetalle als konventionelle Fahrzeuge, wie das Bundesumweltministerium in einer Ressourcenbilanz schreibt. Vor allem Lithium und Kobalt sind wichtige Rohstoffe für die Batterien. Elektromotoren wiederum enthalten Magnete, für die Metalle der Seltenen Erden wie Terbium und Neodym benötigt werden.

Windkraftpark verbraucht mineralische Rohstoffe

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt nun auch die neue IEA-Studie. Ihre Berechnungen machen deutlich: Nachhaltige Energiesysteme, die auf sauberen Technologien basieren, unterscheiden sich maßgeblich von bisherigen Energiesystemen. Ein landgestützter Windkraftpark beispielsweise verbraucht laut Studie neunmal mehr mineralische Rohstoffe als ein vergleichbares Gaskraftwerk, ein E-Auto rund sechsmal mehr als ein Verbrenner. Allein der mineralische Rohstoffverbrauch für die Batterien künftiger E-Autos werde laut IEA-Berechnungen bis zum Jahr 2040 um das Dreißigfache ansteigen. Damit ist E-Mobilität zurzeit der größte Treiber für den weltweit wachsenden Verbrauch Seltener Erden.

Der Deutschlandfunk zitiert den britischen Wirtschaftswissenschaftler Tim Gould, einer der Autoren der IEA-Studie, mit den Worten: „Wenn wir alle Anstrengungen unternehmen, um unsere aktuellen Klimaziele zu erreichen, werden wir für erneuerbare Energieträger im Jahr 2040 mindestens eine viermal so große Menge Mineralien benötigen wie heute. Und wenn wir bei den CO2-Emissionen schon 2050 auf null kommen wollen, ist es sogar das Sechsfache.“

Kommerzielle Bedeutung der Mineralien wächst

Da liegt es auf der Hand, dass diese Entwicklungen auch Auswirkungen auf den ökonomischen Wert mineralischer Rohstoffe haben. Laut IEA wird „die kommerzielle Bedeutung dieser Mineralien rapide steigen“. Zwar sei der Gewinn bei der Energieproduktion aus Kohle heute noch zehnmal höher als bei der Energieproduktion aus mineralischen Stoffen, doch bis 2040 würde sich dieses Verhältnis umkehren, sollten die weltweiten Klimaziele unverändert bleiben.

Die österreichische Zeitung „Die Presse“ macht in diesem Kontext eine interessante Rechnung für ihre Leser auf. Sie fragt: „Werden durch den technologischen Wandel nicht auch wertvolle Rohstoffe für andere Verwendungen frei?“ Etwa Platin und Palladium, wenn weniger Autos mit Verbrennungsmotoren und damit auch mit weniger Abgaskatalysatoren fahren. Leider nein. Denn da gleichzeitig der Bedarf für Brennstoffzellen wächst, ergäbe sich laut den IEA-Experten eine Steigerung der Nachfrage nach den begehrten Edelmetallen.

„Diese Geschichte kann stellvertretend für alle Werkstoffe der Zukunft stehen: Die Zahl der benötigten Materialien und deren Mengen wachsen stetig – und damit die Abhängigkeit von Lieferanten“, so Die Presse. Ein Beleg dafür sei das Smartphone, für dessen Fertigung nicht weniger als 62 verschiedene chemische Elemente aus aller Welt benötigt würden.

Herausforderungen sind nicht unüberwindbar

Schwarzmalen will IEA-Chef Bristol trotz allem nicht. Er sieht seine Studie eher als Weckruf an die europäischen Länder. „Die Herausforderungen sind nicht unüberwindbar“, sagt er, „doch die Regierungen müssen deutlich machen, wie sie ihre Klimaversprechen in die Tat umsetzen wollen.“ Würden sie jetzt und gemeinsam handeln, könnten sie das Risiko künftiger Preisschwankungen und Lieferunterbrechungen bei mineralischen Rohstoffen signifikant reduzieren, so Bristol.

Photo: iStock RoNeDya

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