Grönland: Kampf um Rohstoffabbau geht weiter

4. Juli 2021 | Markt

Seit dem Machtwechsel im April ist unklar, wie es mit dem Abbau von Uran und Seltenen Erden weiter geht. Die autonome Region Grönland ringt um ihre Zukunft.

Anfang April haben die Grönländer eine neue Regierung gewählt. Im Wahlkampf und auch bei der Wahl selbst spielte der große Rohstoffschatz der zu Dänemark gehörenden autonomen Nation eine wichtige, wenn nicht gar die entscheidende Rolle. Denn der neu gewählte Regierungschef Múte Bourop Egede, Vorsitzender der sozialistischen IA (Inuit Ataqtigiit), will im Gegensatz zu seinem Vorgänger von der Siumut-Partei beim geplanten Abbau der kostbaren Bodenschätze Grönlands deutlich rigider vorgehen. Mit anderen Worten: Wahlsieger Egede will den geplanten Abbau von Uran und Seltenen Erden in Grönland möglichst verhindern.

Historischer Machtwechsel

Medien sprachen Anfang April deshalb immer wieder von einem historischen Machtwechsel. Denn zum Wahlsieg hat Egede gerade auch seine ablehnende Haltung gegenüber einem weiteren Rohstoffabbau verholfen – davon gehen zumindest die meisten internationalen Wahlbeobachter aus. Doch was heißt das nun für die Zukunft der autonomen Region und für die weltweiten Konzerne, die sich viel von neuen Abbaugebieten versprechen?

Es bleibt zumindest abzuwarten, ob Egede sein „Nein“ zum Rohstoff-Abbau auch langfristig durchhalten können wird. Denn Grönlands Haushalt leidet unter Geldnot, große Teile der Nation haben hohe Arbeitslosigkeit und schlechte Bildungschancen zu beklagen. Grönland wäre auf Hilfen ausländischer Investoren deshalb eigentlich dringend angewiesen. Die Investoren aber wollen vor allem eins: ran an Grönlands Bodenschätze. Das hatte sich sogar bis zu Ex-US-Präsident Donald Trump herumgesprochen, der genau aus diesem Grund im Sommer 2019 – so plötzlich wie chancenlos – verkündete, die USA wollten am liebsten gleich ganz Grönland kaufen.

Große Vorkommen an Seltenen Erden und Uran

Doch worum genau geht es? Grönland ist zwar rund sechsmal so groß wie Deutschland, hat aber nur gut 56.000 Einwohner – und damit in etwa so viele wie die sächsische Stadt Görlitz. Der mit Abstand größte Teil des Landes ist eisbedeckt – noch, müsste man sagen. Denn mit zunehmendem Klimawandel schmilzt das Eis, mehr und mehr Boden wird frei. Ein unmittelbares Resultat des Klimawandels ist deshalb: Der Zugang zu den Bodenschätzen Grönlands wird leichter. Probebohrungen am Kvanefjeld am Kuannersuit im Süden Grönlands sollen bereits gezeigt haben, dass die dortigen Vorkommen an Seltenen Erden und Uran zu den „reichsten der Welt“ gehören, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Sie beruft sich dabei auf das australische Bergbauunternehmen Greenland Minerals, das die Probebohrungen durchgeführt hatte.

Schon 2010 kam auch die Deutsche Rohstoffagentur (DERA) in einer  Analyse zu ähnlichen Ergebnissen. Laut ihrer Studie Das mineralische Rohstoffpotenzial Grönlands stellt das Kvanefjeld-Vorkommen “eine der weltweit größten Einzellagerstätte an Seltenen Erden (SE)“ dar. Siebzehn Elemente, darunter Scandium und Yttrium, seien dort unter der Erde vergraben, schreibt die Deutsche Welle in einem Beitrag über den aktuellen Regierungswechsel in Grönland. Und sie zitiert darin Mikaa Mered, Dozentin für arktische Angelegenheiten an der Wirtschaftshochschule HEC in Paris, mit den Worten: „Es ist nicht sicher, dass das Projekt der Kvanefjeld-Mine tatsächlich niemals realisiert wird. Wenn die Siumut-Partei in der Zukunft an die Macht zurückkehrt, könnte der Kampf um die Unabhängigkeit immer noch über die Uranminen geführt werden.“

Für Lill Rastad Bjorst hingegen, außerordentliche Professorin für Sozialwissenschaften an der Universität Aalborg, ist der aktuelle Wahlerfolg der Inuit Ataqatigiit ein „Zeichen dafür, wie wichtig die Umwelt für die Identität der Grönländer ist, und welche Spuren die dänische Kolonialisierung des Landes in den Inuit-Gemeinschaften hinterlassen hat“, so die Deutsche Welle. Ob und wie stark Grönland also in den künftigen Jahren und Jahrzehnten eine Rolle auf dem globalen Rohstoffmarkt spielen wird, bleibt derzeit offen.

Photo: iStock Elizabeth M. Ruggiero

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