Nachhaltigkeit wird Thema für Emerging Markets

von | 27. Dez 2022 - 08:23 | Kutzers Corner

Auch das neue Jahr verspricht für Wirtschaft und Börsen spannend zu werden. Volkswirte und Finanzanalysen weisen dabei den Zentralbanken – angeführt von der amerikanischen Fed – besondere Verantwortung zu. So breitet sich seit einigen Wochen die Hoffnung aus, dass Inflation und Zinsen bald den Gipfel überschreiten werden. In diesem Zusammenhang ist es Konsens unter den meisten Strategen, dass die Aktienmärkte vermutlich in der ersten Jahreshälfte einen Tiefpunkt erreichen, bevor sie im späteren Verlauf des Jahres wieder anziehen.

Ein Phänomen des Verlaufs 2022 ist die zunehmende Differenzierung der Aktienkursentwicklung nach Regionen, Branchen und Themen gewesen. Noch auffälliger war das Stockpicking, denn immer mehr Anleger verloren das Interesse an breiten Engagements und suchten ihre Favoriten national und international nach Einzelwerten. Dabei sind insbesondere die Märkte der Schwellenländer und Europas vernachlässigt worden – jetzt gelten sie in internationalen Depots als am stärksten untergewichtet.

Biodiversität ein Anreiz für Schwellenländer

Janus Henderson Investors haben sich deshalb dem Komplex Nachhaltigkeit und Emerging Markets gewidmet. Denn der Verlust der Artenvielfalt könnte zum wichtigsten Nachhaltigkeitsproblem nach dem Klimawandel werden. Und internationale Organisationen fördern das Bewusstsein bei Investoren hinsichtlich der Biodiversität. Steigende Komplexität von ESG führt zu intensiver Auseinandersetzung mit den Themen. Unter Biodiversität versteht man die reiche Vielfalt des Lebens und die komplexe Art und Weise, wie Lebewesen und nicht lebende Gebilde wie Gestein und Boden zusammenwirken, um die natürliche Welt zu schaffen. Aufgrund der zunehmenden Ausweitung menschlicher Aktivitäten befindet sich die Natur heute in einer Krise. Biodiversität betrifft jeden von uns – noch mehr ihr Verlust.

Fast 70 % der Tierarten sind in den letzten 50 Jahren ausgestorben, heißt es dazu in einer aktuellen Studie. Derzeit sind eine Million Arten in den kommenden Jahrzehnten vom Aussterben bedroht. Aufgrund dieser deutlichen Warnzeichen sprechen Wissenschaftler von einer „biologischer Vernichtung“ und einem „sechsten Massenaussterben“.

Für Investoren ist dies deshalb von Bedeutung, da die Natur eine Vielzahl von Leistungen für die Menschheit erbringt. Ihr monetärer Nutzen (man hat dies ausgerechnet) beläuft sich jedes Jahr auf 44 Billionen US-Dollar – mehr als die Hälfte des weltweiten BIP –, ganz zu schweigen von den unzähligen Vorteilen für unser Wohlbefinden. Die Funktion ganzer Wirtschaftszweige, nicht zuletzt der Lebensmittelindustrie und der Landwirtschaft, hängt von der Natur ab. Bislang haben Regierungen, Unternehmen und Investoren kaum etwas für die Natur getan. Bei Janus Henderson Investors geht man jedoch davon aus, dass sich dies 2023 ändern wird.

Anleger sollten Aktien weiterhin hoch gewichten

Optimistische Töne schlagen auch die Fondsmanager von Swisscanto an: Nach einem schwierigen Aktienjahr 2022 gibt es Grund zur Hoffnung, dass 2023 wieder positive Erträge zu erwarten sind – trotz weiterhin bestehender Risikofaktoren wie beispielsweise Rezession, Inflation oder Zinserhöhungen. Für langfristig Investierende sind Dellen wie in diesem Jahr zwar unerfreulich, aber auch stetige Begleiter der Aktienmärkte. Denn auf lange Sicht bleibt es dabei: Aktien gehören zu den attraktivsten Anlageklassen mit den höchsten Renditen. Entsprechend sollten Dividendenpapiere weiterhin einen wichtigen Stellenwert im Portfolio einnehmen.

Ein interessantes Anlagefeld stellt die Themenverbindung der Emerging Markets und Nachhaltigkeit dar, heißt es in einer Studie von Swisscanto. Denn die Transformation zu einem nachhaltigeren Wirtschaftsmodell in den Schwellenländern ist immens wichtig. Zahlreiche Staaten, allen voran China, haben erkannt, dass ein weiteres Wirtschaftswachstum auf Kosten der Umwelt und infolgedessen auf Kosten der Gesundheit der Bevölkerung nicht tragbar ist. Deshalb muss das künftige Wirtschaftswachstum eine bessere Qualität aufweisen.

Grüne Technologien sind besonders interessant

Konkret heißt es: Im Fokus stehen Aktien von Qualitätsunternehmen, die vom Markt übermäßig abgestraft wurden. Besonders interessante Anlagemöglichkeiten erscheinen uns bei Herstellern von grünen Technologien wie Solar, Wind, Stromnetzwerken und Batterien für Elektrofahrzeuge. Hier muss in den kommenden Jahren und Jahrzehnten noch massiv investiert werden. Regionen spezifisch sieht man China nicht so negativ wie es medial häufig erscheint. Auch Taiwan und Südkorea, deren Märkte 2022 Federn lassen mussten, bieten vermehrt Chancen. Zudem gehört Südamerika nach einem soliden Jahr weiterhin zu den interessanteren Märkten.

China und Indien sind die asiatischen Schwergewichte beim Investieren in Schwellenländern. Beide Aktienmärkte stehen entsprechend im Fokus. Die Batterieherstellung beispielsweise bietet enormes Wachstumspotenzial. Hier kommt automatisch China ins Spiel, da Unternehmen aus dem Reich der Mitte in weiten Teilen der Wertschöpfungskette führend sind. Weniger beim Beginn der Kette im Bergbau, aber zunehmend bei der Materialverarbeitung und enorm stark bei der Herstellung von Zellenkomponenten, Batteriezellen und Elektrofahrzeugen. Neben China ist Südkorea hier ein wichtiger Markt mit Top-Investmentmöglichkeiten. Und trotz der Tendenzen zur De-Globalisierung bleiben die Märkte interessant, da die Umstellung viele Jahre benötigen wird und aus europäischer Sicht ein vollständiger Verzicht auf Importe unrealistisch erscheint.

Enormes Potential in Indien

Im Gegensatz zu China weist Indien ein hohes Bevölkerungswachstum auf. Wir sehen hier eine noch relativ kleine Mittelstandsschicht, schreibt Swisscanto, die aber in den kommenden fünf bis zehn Jahren enorm wachsen dürfte. Hieraus entwickelt sich viel Potenzial für Unternehmen, deren Bedürfnisse zu befriedigen. Zudem ist Indien ein Land mit den höchsten Luftverschmutzungen in Großstädten. Mit zunehmendem Wohlstand und Bildung wird dies immer weniger von der Bevölkerung toleriert und Gegenmaßnahmen müssen eingeleitet werden. Daher ist auch in Indien saubere Energieerzeugung ein wichtiges Thema. Abschließend meint der Fondsmanager: „Die Rohstoffgewinnung ist der Pferdefuß vieler nachhaltigen Entwicklungen. Ob Solar- und Windenergie oder E-Mobilität – zur Herstellung sind Rohstoffe die Grundlage und alternativlos. Wir achten daher bei unseren Investments darauf, dass die Förderung von Rohstoffen nach besten Standards und so schonend wie möglich für Bevölkerung sowie Umwelt erfolgt.“

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