Kupferengpass gefährdet Energiewende

von | 21. Jul 2022 - 10:07 | Wirtschaft

Nicht nur Seltene Erden: Auch scheinbar im Überfluss vorhandene Rohstoffe könnten knapp werden und die Klimaziele gefährden. So auch Kupfer.

Zahlreiche Staaten haben sich zum Teil sehr ambitionierte Ziele gesetzt, um die Emissionen von Treibhausgasen deutlich zu reduzieren. So will Deutschland etwa bis 2045 Klimaneutralität erreichen. Damit verbunden ist ein deutlicher Anstieg des  Bedarfs an kritischen Rohstoffen wie etwa Seltenen Erden. Da diese überwiegend aus China stammen, warnen Experten schon seit längerer Zeit vor einer zu starken Abhängigkeit und fordern die Entwicklung alternativer Lieferketten.

Ungemach droht der Energiewende aber offenbar auch noch von einer anderen Seite, die derzeit weniger Aufmerksamkeit erhält: Kupfer. Das Metall ist unerlässlich nicht nur für die Verkabelung und Generatoren von Windkraftanlagen, sondern auch für Elektrofahrzeuge, die sich ebenfalls steigender Beliebtheit erfreuen.

In einer aktuellen Studie geht der Finanzdienstleistungskonzern S&P Global davon aus, dass sich der Kupferbedarf in den nächsten zehn Jahren verdoppeln wird. Der Nachfrageschub könne durch neue Minen oder Erweiterungen bestehender Projekte kaum aufgefangen werden. Derzeit würden im Bergbau etwa 16 Jahre von der Entdeckung neuer Rohstoffvorkommen bis zu deren Förderung vergehen, so S&P Global unter Berufung auf Zahlen der Internationalen Energieagentur (IEA). Verschärft würde die Situation durch geopolitische Risiken und die Störanfälligkeit der Rohstoffmärkte und Lieferketten, zuletzt durch den Krieg in der Ukraine eindrücklich vor Augen geführt.

S&P Global rät vor diesem Hintergrund zu mehr Innovation, um die Nutzung und das Recycling des Rohstoffs zu verbessern. Auch die Politik sei in der Pflicht, beispielsweise im Hinblick auf Genehmigungsverfahren für neue Abbauprojekte.

Photo: iStock/SimoneN

2030 oder 2050 Klimaneutralität