Indonesien will Seltene Erden fördern

von | 14. Apr 2022 - 11:16 | Markt, Politik

Indonesien treibt den Aufbau einer eigenen Seltenerdindustrie voran. Heimische Lagerstätten sollen erschlossen werden.

Die indonesische Regierung hat Pläne für die Entwicklung einer heimischen Seltene-Erden-Industrie vorgestellt. Die Vorkommen der kritischen Rohstoffe sollen kartiert und ein Konzept für ihre Nutzung erstellt werden, berichtet Antara News, die Nachrichtenagentur der Regierung. Derzeit importiere Indonesien Seltenerdmetalle im Wert von einer Millionen US-Dollar, um den Bedarf seiner grünen Technologiebranche zu decken. Schätzungen des Industrieministeriums zufolge werde die Nachfrage noch steigen.

Durch eine Erfassung seines Seltenerdpotenzials könne Indonesien Investitionen ins Land holen, zitiert Voice of Indonesia English (VOI) Taufiek Bawazier, Generaldirektor des Ministeriums für die Metall-, Maschinen-, Transport- und Elektronikindustrie. Denn um seltene Erden zu gewinnen und zu verarbeiten, sei ein hohes Maß an Wissen und technologischen Fähigkeiten erforderlich. Xinhua, die Nachrichtenagentur der chinesischen Regierung schreibt, das staatliche indonesische Bergbauunternehmen PT Timah habe ein Kooperationsabkommen mit der Canada Rare Earth Corporation unterzeichnet, um die passende Technologie zu finden, erwarte aber auch einen Technologietransfer aus China.

Seltene Erden in indonesischen Bergbauabfällen

VOI zufolge seien auf Grundlage geologischer Daten 28 potenzielle Seltenerdstandorte in Indonesien identifiziert worden, weitere Untersuchungen laufen. Ein Großteil der wertvollen Rohstoffe soll in den Abraumhalden des jahrhundertelangen indonesischen Bergbaus lagern, wie Asia Times bereits 2020 berichtete. Monazit etwa ist ein Nebenprodukt der Zinnförderung und eines der wichtigsten Erze zur Seltenerdgewinnung. Auf den Inseln Bangka und Belitung, wo der Großteil des indonesischen Zinns abgebaut wird, liegt Monazit in Sandform vor. Das habe den Vorteil, so Asia Times, dass das Erz nicht mehr zerkleinert und gemahlen werden müsse. Laborergebnissen zufolge sollen die Abraumhalden von PT Timah beträchtliche Mengen an Neodym und Praseodym enthalten, zwei Seltenerdmetalle, die unter anderem für den Bau von Permanentmagneten in Elektromotoren und Windrädern eingesetzt werden. Bedenken hinsichtlich der Erschließung gebe es jedoch wegen des radioaktiven Thoriums in den Bergbaurückständen. In einigen indonesischen Regionen kommen Seltene Erden auch in Verbindung mit Bauxit vor, das als Ausgangsmaterial für die Aluminiumproduktion dient.

Ehemalige Zinnmine in Bangka. Photo: iStock/raditya

Ein weiterer potenzieller Förderort ist der Vulkan Lumpur Sidoarjo auf der Insel Java, der seit 2006 Schlamm spuckt und schon ganze Dörfer begraben hat. In diesem Schlamm sollen Seltene Erden und weitere begehrte Rohstoffe wie Lithium lagern. Ganden Supriyanto, Experte für analytische Chemie und Umweltchemie an der Universität Airlangga, attestiert dem unter Umweltschutzaspekten nicht unumstrittenen Standort ein großes Potenzial für die High-Tech-Industrie.

Beitragsphoto: Istock/Abdul Azis

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