Gründe für sinkende Zinsen – Fondsmanager werden optimistischer

von | 21. Nov 2022 - 07:43 | Kutzers Corner

Bei einer Anfang November durchgeführten monatlichen Umfrage unter mehr als 300 Anlageprofis gab ein Fünftel von ihnen an, eine kurzfristige Erholung der europäischen Wirtschaft zu erwarten. Vergangenen Monat waren nur fünf Prozent der Befragten dieser Meinung. Gleichzeitig sank der Anteil derjenigen, die einen Konjunkturabschwung in den kommenden zwölf Monaten erwarten, von 92 auf 78 Prozent. Gründe für den leichten Optimismus dürften sinkende Energiepreise, volle Gasspeicher sowie die Ankündigungen großer Entlastungspakete für Haushalte sein. Knapp 60 Prozent der Fondsmanager sehen inzwischen wieder Kurspotenzial für europäische Aktien. Dennoch gibt die Mehrheit an, diese derzeit in ihren Portfolios geringer zu gewichten, als ihre Vergleichsindizes vorgeben.

Das stimmt Hans-Jörg Naumer, Chef-Anlagestratege der Allianz Global Investors, zuversichtlich: „Bei dieser Ausganslage kann ich mir vorstellen, dass sich viele Fondsmanager dazu hinreißen lassen werden, ihre Positionen anzuheben, sollten weitere volkswirtschaftliche Datenpunkte auf einen unerwartet milden Abschwung hindeuten. Dies wiederum könnte die laufende Hausse noch etwas verlängern. Wenngleich die Märkte in meinen Augen zuletzt etwas heiß gelaufen sind und sicherlich noch einmal korrigieren könnten, blicke ich optimistisch auf das Aktienjahr 2023. Rücksetzer würde ich in den kommenden Monaten für Zukäufe nutzen.“

Chancen für Verlängerung der Hausse

Und täglich grüßt die Inflation: Unsere Inflationsprognosen für die Eurozone (4,5 Prozent) und die USA (3,0 Prozent) für 2023 liegen deutlich unter dem Consensus. Folgende Gründe sprechen laut Edgar Walk, Chefvolkswirt Metzler Asset Management, dafür:

Erhebliche Entspannung der internationalen Lieferketten: Die Federal Reserve Bank of New York berechnet einen Stress-Index der internationalen Lieferketten. Mitte des Jahres war der Index noch mehr als 4 Standardabweichungen über normal, Ende Oktober war es nur noch eine Standardabweichung über normal.

Deflation in China: Die Erzeugerpreise verzeichnen einen Rückgang von -1,3 Prozent im Oktober. Importpreise in Europa und den USA werden deshalb bald merklich sinken.

Stärkster Aufbau der Lagerbestände seit mehr als 25 Jahren in den USA und Europa: Hohe Lagerbestände bedeuten Preisnachlässe.

Stabile Energie- und Lebensmittelpreise: Die Basiseffekte werden nächstes Jahr wirksam.

Rezessionen in den USA und Europa: Schwächere Nachfrage bedeutet geringerer Preisdruck. 

Schwaches Geldmengenwachstum in den USA und Europa.

Das größte Risiko für eine höhere Inflation hingegen ist eine Lohn-Preis-Spirale in den USA und Europa. Der Arbeitsmarkt in beiden Wirtschaftsräumen ist immer noch sehr stark.

Vier Gründe für eine Rezession in den USA

Wir haben eine deutlich niedrigere Wachstumsprognose für die amerikanische Wirtschaft (-0,5 Prozent) als der Consensus (+0,4 Prozent) in 2023. Die Gründe sind:

Eine inverse Renditestrukturkurve: Die Geldmarktzinsen sind merklich höher als die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen. Die US-Notenbank überdreht also die Zinsschraube.

 „Housing is the Business Cycle“: Kollaps der Kaufneigung aufgrund hoher Preise und hoher Hypothekenzinsen.

Merklich Abkühlung am Arbeitsmarkt: Konsumenten sehen sinkende Zahl an Jobangeboten laut Umfrage. Viele Unternehmen kündigen Entlassungen an.

Zu starker US-Dollar und schwache Weltwirtschaft.

Die US-Notenbank dürfte den Leitzins im Dezember um 50 Basispunkte und im Januar um 25 Basispunkte anheben. Mehr dazu im Protokoll der vergangenen US-Notenbanksitzung (Mittwoch). Eine Folge dessen wäre eine inverse Renditestrukturkurve – der Geldmarktsatz wäre höher als die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen. Laut unserem Rezessionsprognosemodell, das neben der aktuellen Steilheit der Renditestrukturkurve noch die vergangene Steilheit und einen gleitenden Durchschnitt berücksichtigt, könnte schon ab Ende November ein merklicher Anstieg der Rezessionswahrscheinlichkeit beobachtet werden.

USA: Rezessionssignal dürfte Ende Dezember kommen

Gleichzeitig ist ein Kollaps der Kaufbereitschaft von Wohnimmobilien bei den Konsumenten zu beobachten. Hohe Preise und merklich gestiegene Hypothekenzinsen machen Wohnimmobilien für viele potenzielle Käufer unerschwinglich. Viele Studien zeigen, dass der Wohnimmobilienmarkt in den USA frühzyklisch ist und die Gesamtwirtschaft in der Regel mit einer Zeitverzögerung folgt. Ein wichtiger Indikator dafür werden in der kommenden Woche die Neubauverkäufe (Mittwoch) sein. 

Konsumentenstimmung auf dem Immobilienmarkt

Es besteht jedoch eine große Unsicherheit, wann die US-Rezession kommt, da der Abstand zwischen Rezessionssignal und tatsächlichem Beginn historisch stark schwankt. Zur Beantwortung dieser Frage helfen die Geschäftsklimaindizes: Einkaufsmanagerindizes USA, Europa und Japan (Mittwoch) und ifo-Index (Donnerstag).

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