„EU hat die Kontrolle über viele Wertschöpfungsketten verloren“

23. Juli 2021 | Markt

EU will im August einen Aktionsplan zur Rohstoffsicherung vorstellen. Vor allem die Versorgung mit Permanentmagneten soll gewährleistet bleiben.

Die Europäische Kommission hat Professor Dr. Carlo Burkhardt von der Hochschule Pforzheim und weitere Kollegen damit beauftragt, einen Aktionsplan zur Rohstoffsicherung zu erarbeiten. Für die aktuelle Lage fand Burkhardt diese Woche gegenüber der Stuttgarter Zeitung drastische Worte: „Die EU hat die Kontrolle über viele Wertschöpfungsketten verloren[…].“ Dass diese Worte nicht aus der Luft gegriffen sind, zeigt der aktuelle Mangel an Halbleitern, der die deutsche Autoindustrie noch länger begleiten wird. Auch andere Bauteile und für die Produktion notwendige Rohstoffe gelangen nur über langgestreckte Lieferketten überwiegend aus Asien nach Europa.
Am riskantesten stuft Burkhardt die europäische Versorgung mit Seltenen Erden zur Herstellung von Permanentmagneten ein. Diese werden in Elektroautos, Kopfhörern, Sensoren oder Windkraftanlagen eingesetzt. Mit dem Umstieg auf Erneuerbare Energien und emissionsfreie Mobilität wird der Bedarf künftig noch deutlich ansteigen.
Die Magneten bestehen aus Legierungen der Seltenerdmetallen Neodym und Praseodym, die fast ausschließlich aus China stammen.
Die Ergebnisse des Aktionsplanes will EU-Kommissionsvizepräsident Maroš Šefčovič im August vorstellen. Zu den Maßnahmen gehört laut Stuttgarter Zeitung auch das verstärkte Recycling. Hieran arbeitet Burkhardt im badischen Pforzheim seit einigen Jahren im Rahmen des „SusMagPro“ (Sustainable Magnet Processing) Projekts.

Photo: iStock/ALotOfPeople

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