Deutschland ist ein Entwicklungsland beim Glasfaserausbau

24. Juli 2021 | Technologien

Der Ausbau des schnellen Internets läuft schleppend. Ländliche Gebiete werden bei der Digitalisierung abgehängt.

Schnelles Internet ist der Schlüssel, um an der Digitalisierung der Gesellschaft und Wirtschaft teilhaben zu können. Deutschland hinkt beim Ausbau im internationalen Vergleich aber seit vielen Jahren hinterher. Laut Daten von cable.co.uk rangiert Deutschland auf Platz 42 bei der Internetgeschwindigkeit, Platz 1 nimmt Liechtenstein ein. Besonders der ländliche Raum ist vom schnellen Internet abgekoppelt, wie Zahlen des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur zeigen. Unternehmen in diesen Regionen drohen somit Wettbewerbsnachteile.

Denver-Clan statt Breitbandnetz

Dabei hätte alles ganz anders kommen können, schrieb kürzlich das Handelsblatt. Denn Pläne für den sukzessiven Aufbau eine Glasfasernetzes, das hohe Datenmengen übertragen kann, gab es schon Anfang der 80er Jahren. Die WirtschaftsWoche veröffentliche 2018 Dokumente einer Kabinettssitzung vom 8. April 1981, die dieses Vorhaben skizzierten. Geplant waren Investitionen von jährlich 3 Milliarden Mark über einen Zeitraum von 30 Jahren. Nach dem Regierungswechsel 1983 wurde dann aber dem Ausbau des TV-Kabelnetzes der Vorzug gegeben. Die Glasfaser wurde in der Folgezeit stiefmütterlich behandelt. Wenig überraschend beträgt der Anteil von Glasfaseranschlüssen hierzulande gerade einmal 4,7 Prozent, so die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Germanium wird gebraucht

Die Ankündigung von Telekom-Chef Timotheus Höttges, dass bis 2030 jeder Haushalt einen Glasfaseranschluss bekommen soll, sollte angesichts des Technologierückstands eigentlich für Optimismus sorgen. Wie das Handelsblatt weiter berichtet, mangelt es derzeit aber sowohl an Halbleitern für die Internetrouter als auch an den Glasfaserkabeln selbst. Um die selbstgesteckten Ziele erreichen zu können, wären außerdem große Mengen an Rohstoffen notwendig. Ohne Germanium ist die Glasfasertechnologie kaum denkbar. Es wird im Kern der Faser als Dotierungsmittel eingebracht. Auf diese Weise wird dort der sogenannte Brechungsindex erhöht. Durch unterschiedliche Brechungsindizes des Kerns und der ihn umgebenen Mantelschicht werden die datentransportierenden Lichtimpulse reflektiert und von A nach B übermittelt. Ein Vorteil gegenüber Kupferkabeln ist die geringere Störanfälligkeit, zudem ist die Bandbreite höher, so dass mehr Daten bewegt werden können.

5G Umstieg hängt mit am Glasfaserausbau

Der Umstieg auf den neuen Mobilfunkstandards 5G kommt unterdessen erstaunlich schnell voran, wie der Stern schreibt. Hier steht Deutschland im internationalen Vergleich relativ gut da. Doch könnte sich das langsame Voranschreiten des Glasfasernetzwerkausbaus bremsend auf die Nutzbarkeit von 5G auswirken. Denn Glasfasern und damit Germanium sind auch für den Umstieg auf den neuen Standard notwendig. Die 5G Funkmasten benötigen zum vollen Erreichen ihres Übertragungspotentials eine Glasfaseranbindung an das zentrale Netzwerk.

Photo: iStock/Rost-9D

2030 oder 2050 Klimaneutralität
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