Es geht nicht nur um China

15. November 2021 | Kutzers Corner

Beim Aufspüren von Anlagechancen in einem schwierigen Umfeld haben internationale Strategen die Schwellenländer wiederentdeckt. Diese entwickeln sich durchaus unterschiedlich, locken aber mit interessanten Möglichkeiten. China steht nach wie vor im Mittelpunkt der Analysen, jetzt aber nicht mehr allein.

Der Ausblick für Schwellenländer hellt sich auf, heißt es nicht nur bei Lazard Asset Management. Auch andere Investmentgrößen sehen die Aussichten für die Emerging Markets (EM) zunehmend positiv. Nach einem schwierigen Jahr 2021 gilt der verbesserte Ausblick auf 2022 insbesondere für Aktien, denn: Ein stärkeres globales Wachstum ist auch positiv für die Aktien aus den Schwellenländern, die sich im Allgemeinen besser entwickeln, wenn die Nachfrage nach Rohstoffen und Exportgütern hoch ist. Steigende Rohstoffpreise müssten sich positiv auf Lateinamerika auswirken. Dazu kommt ein höhere Impfquote, von der auch die Emerging Markets in Europa profitieren würden. Im nächsten Jahr wird sogar erwartet, dass das Wachstum der EM das Wachstum der USA übertrifft.

Chinas Politik beschäftigt die Investoren

Ein besonderes Augenmerk richtet Lazard Asset Management in seiner aktuellen Studie auf China, wo staatliche Eingriffe in die Wirtschaft zunehmen. In politischer Hinsicht sei Präsident Xi Jinping offensichtlich besorgt darüber, wie die Gewinne des kommunistischen Kapitalismus in der Gesellschaft verteilt würden. Die Regierung brachte dabei auch die Idee ins Spiel, Joint Ventures mit Tech-Giganten zu gründen, um deren Umgang mit Nutzerdaten zu überwachen. Dies alles sorgt für Unsicherheit an den Märkten. Die Maßnahmen Chinas haben die Volatilität an den Aktienmärkten erhöht und chinesischen Aktien einen Dämpfer verpasst, wenngleich die übergroße Vertretung im MSCI EM Index es schwierig macht, sich komplett aus China zu verabschieden. Außerdem hat China viele innovative und weltweit führende Unternehmen, in die sich viele Anleger ein Engagement wünschten.

Schwellenländeranleihen: Risiken auf dem Rückzug

Auch auf der Anleiheseite verbessern sich die Aussichten: Die Sorgen vor der Ausbreitung der Delta-Variante des Corona-Virus und eine drohende Leitzinserhöhung durch die US-Notenbank Fed haben in den letzten Monaten die Entwicklung an den Anleihemärken der Emerging Markets dominiert. Doch diese Bedenken werden in den kommenden Monaten kleiner, so die Überzeugung von Lazard, wodurch sich die Aussichten für sämtliche Anleihesegmente in den Emerging Markets aufhellen.

Steigende Impfraten in den EM

Beim Blick auf die derzeitige Corona-Lage sind die Bedingungen in den einzelnen Regionen unterschiedlich. Insgesamt verbessert sich die Gesamtsituation aber stetig, was vor allem auf die steigenden Impfraten in den Schwellenländern zurückzuführen ist. In Südamerika und Asien hat sich der Prozentsatz der Bevölkerung, die mindestens eine Dosis eines Impfstoffs erhalten hat, von etwa 20 % Mitte Juni auf etwa 50 bis 60 % im September erhöht. Brasilien, das bei der frühen Einführung des Impfstoffs deutlich hinterherhinkte, gehört nun zu den Ländern mit den meisten Impfungen weltweit.

Streuung nach Ländern nutzen

Der Vorteil einer breit angelegten Anlage in den Schwellenländern besteht darin, dass man sich von einem Land oder einer Region mit schwierigeren Bedingungen abwenden kann. So wird in Kreisen der internationalen Fondsmanager zwar weiter über die Auswirkungen der Immobilienkrise in China diskutiert. Doch gibt es in den EM immer noch viele großartige Unternehmen, in die man investieren kann. Beispiel: Die US-Wirtschaft befindet sich weiterhin in einer sehr guten Verfassung, wovon Exporteure in Ländern wie Mexiko und Brasilien profitieren. Selbst wenn sich China abschwächt, kommt die weltweite Nachfrage nach Proteinen den Fleischproduzenten in Lateinamerika zugute.

Meine Empfehlung: Privatanleger ohne Erfahrung in Schwellenländern sollten unbedingt das breite Angebot an entsprechenden Investmentfonds nutzen!

Wichtige Wirtschaftsdaten schon Anfang der Woche

Die Datenflut in der kommenden Woche ist wieder beachtlich. Hervorstechen sollten die Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion für China (beide Montag). Daneben kommen am gleichen Tag das vorläufige Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für das dritte Quartal aus Japan und der Empire State Index für die USA. Am Dienstag dann folgen das BIP für das dritte Quartal der Eurozone, die Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion, sowie die Import- und die Exportpreise jeweils für die USA.

2030 oder 2050 Klimaneutralität
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