Energiewende: „Metalle werden Kohle, Öl und Gas ersetzen“

von | 4. Jul 2022 - 13:07 | Markt, Wirtschaft

Im Hinblick auf seine Klimaschutzziele muss Europa seine Rohstoffabhängigkeit reduzieren und mehr Metalle selbst produzieren, fordert ein Forschungsteam. Auch eine andere Politik sei gefragt.

Die weltweiten Klimaschutzpläne gehen mit einem hohen Rohstoffbedarf einher. E-Fahrzeuge etwa benötigen neben Metallen wie Aluminium auch Batterierohstoffe wie Lithium, Kobalt und Nickel sowie Permanentmagneten aus Seltenen Erden für die Traktionsmotoren. Die starken Dauermagneten sind ebenfalls zentrale Komponenten von Windkraftanlagen. Solarpaneele wiederum basieren auf einer Vielzahl von Materialien wie Silizium, Gallium, Indium, Cadmium und Tellur.

„Die Energiewende ist ein Wechsel von fossilen Brennstoffen zu Metallen“, konstatiert deshalb ein Whitepaper (PDF) der niederländischen Leiden-Delft-Erasmus-Universitäten. Bei der Versorgung mit diesen kritischen Rohstoffen ist die EU jedoch stark auf Importe angewiesen, hauptsächlich aus China. Zur Verringerung der Abhängigkeit müsse Europa eigene Bergbau- und Raffineriebetriebe aufbauen, folgert das Forschungsteam. Auch eine längere Lebensdauer von Produkten sowie Recycling könnten dazu beitragen, kritische Engpässe zu vermeiden.

Es gebe zwar keinen Mangel an Erzen für den Abbau, sagt Mitautor René Kleijn, doch problematisch sei, ob die Lieferketten mit der rasch wachsenden Nachfrage Schritt halten könnten. Untersuchungen zufolge müsse die weltweite Förderung einiger Metalle bis 2050 um das 20- bis 50-fache steigen, eine neue Mine zu bauen könne jedoch bis zu zwei Jahrzehnte dauern, so Kleijn. Die Konkurrenz der großen Industrieländer um die begehrten Metalle werde daher verstärkte geopolitische Spannungen zur Folge haben, bis hin zu einer Machtverschiebung zugunsten von erzreichen Ländern.

Gegenwärtig dominiert China den Abbau und die Produktion vieler der für die Energiewende nötigen Metalle und Mineralien. Die Regierung hätte bestimmte Sektoren proaktiv gefördert und finanziell unterstützt; eine solche Industriepolitik brauche es auch in Europa, fordern die Studienautoren. Die EU könne sich nicht mehr auf die Mechanismen des freien Marktes verlassen, um alle ihre Rohstoffprobleme zu lösen.

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