BGR sieht Zeitenwende bei der Rohstoffversorgung gekommen

von | 5. Jul 2022 - 12:07 | Politik

Rohstoffkonferenz von BGR und GERRI in Hannover gestartet.

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) und das Deutsche Forschungsnetzwerk Rohstoffe (GERRI) haben an diesem Dienstag und Mittwoch zu einer gemeinsamen Rohstoffkonferenz eingeladen. Zentrales Thema sind die Herausforderungen, die sich auf dem Weg zur Klimaneutralität im Bereich der Rohstoffversorgung ergeben. Und diese Herausforderungen seien gewaltig, für Deutschland und Europa, wie BGR-Präsident Professor Dr. Ralph Watzel in seinem Grußwort sagte. Für die klimaneutrale Transformation und die Wettbewerbsfähigkeit seien resiliente Wertschöpfungsketten von herausragender Bedeutung.

Dr. Volker Steinbach, Vizepräsident und Abteilungsleiter Rohstoffe bei der BGR, sprach in seiner Keynote von einer Zeitenwende bei der Rohstoffversorgung. Erstmals seit der Ölkrise in den 1970ern Jahren werde deren Sicherung wieder in der Öffentlichkeit thematisiert. Vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine und der Abhängigkeit von russischen Gasimporten gehe es nun zunächst um die Gewährleistung der Energieversorgung von Wirtschaft und Bevölkerung. Die zweite Herausforderung sei die sichere Rohstoffversorgung für die Energiewende. Dabei dürften keine neuen Abhängigkeiten geschaffen werden. Wie gewaltig der Bedarf an Seltenen Erden und anderen kritischen Rohstoffen ist, verdeutlichte Steinbach am Beispiel der Windenergie. Für ihren Ausbau seien allein 2020 über drei Prozent der Weltproduktion Seltener Erden verbraucht worden und unter anderem fast vier Prozent der Weltproduktion an Zink. Die Umsetzung der internationalen Klimaziele wird mit einem exponentiellen Anstieg zahlreicher Rohstoffbedarfe einhergehen.

Die Ausgangslage Deutschlands bei den für die Energiewende notwendigen Rohstoffen sei derzeit jedoch denkbar schlecht, denn weder der Bergbau noch die Raffinadeproduktion fände hierzulande statt. Dies müsse sich ändern und der gesamte Sektor nachhaltig entwickelt werden.

Ein Grußwort sprach auch Dr. Franziska Brantner, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Brantner hob die Bedeutung von Nachhaltigkeitskriterien beim Aufbau neuer Lieferketten hervor. Sie verwies zudem auf das bisher nicht ausgeschöpfte Recyclingpotential, insbesondere bei Seltenen Erden. Vorangetrieben werden müsse zudem die Substitutionsforschung.

Am Mittwoch wird EU-Kommissar Thierry Breton für Binnenmarkt und Dienstleistungen als Gast auf der Konferenz erwartet. Das Thema Rohstoffsicherheit dürfte in Europa also auch auf höchster politischer Ebene angekommen sein.

Photo: iStock/metamorworks

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