Dividenden machen Aktien noch attraktiver

von | 20. Mrz 2023 - 08:47 | Kutzers Corner

Schon vor knapp zehn Jahren kommentierte ich „Sicherheit mit Dividende – neu interpretiert.“ Damals war die Rolle der jährlichen Ausschüttungen von Aktiengesellschaften für die Medien eher Nebensache. Heute ist sie ein beliebtes Thema, mit dem sich alle Privatanleger beschäftigen sollten.

Das Frühjahr ist in Deutschland die Hochsaison der Hauptversammlungen und damit der Dividenden. Auch jetzt – trotz aller Turbulenzen – sollten der Aktienmarkt und die Rolle der Gewinnverteilung nicht vernachlässigt werden. Vor einem Jahrzehnt hatte Allianz Global Investors (AllianzGI) eine Studie verschickt, die Anlegern die Scheu vor Aktien nehmen sollte. Die Untersuchung zeigt, dass Aktien sicherer sind als ihr Ruf und Anlegern mehr zu bieten haben als Staatsanleihen oder Geldmarkttitel. Heute könnte man angesichts der neuen Bankenkrise spotten, Anleihen seien die „Risikopapiere“ der Börse – nicht die Aktie.

Hohe Ausschüttungen auch in diesem Jahr

Dazu gibt es aktuelle Zahlen durch eine Untersuchung des DZ Bank Research: Fast unbeeindruckt vom Krisenumfeld schütten Deutschlands 100 größte Unternehmen für das abgelaufene Geschäftsjahr auch 2023 hohe Dividenden aus. Die Summe beläuft sich voraussichtlich auf 62 Milliarden Euro. Das ist ein neuer Rekord und eine Steigerung von rund 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die bisherige Rekordsumme für das Geschäftsjahr 2021 betrug 56,5 Milliarden Euro. Die durchschnittliche Dividendenrendite liegt im Dax bei 3,5 Prozent. Den Löwenanteil der Dividendenzahlungen steuert erneut die Automobilbranche mit 28 Prozent bei. Auf den Plätzen zwei und drei folgen der Industriesektor mit knapp 15 und die Versicherungsbranche mit 12 Prozent. Dividenden-König ist wie im letzten Jahr die Mercedes Benz Group mit einer Ausschüttung in Höhe von 5,6 Milliarden Euro.

Einer der besten Jahresstarts an der deutschen Börse liegt hinter uns, noch beindruckender sind aber die Gewinne seit Beginn des letzten Oktobers. Der Dax dokumentiert diese Entwicklung durch einen Zuwachs von über 25 % seit dem Herbst. Die Berichtssaison verläuft entsprechend: Im Segment des deutschen Premiumindex konnten bislang etwa 65 % der Unternehmen mit positiven Zahlen aufwarten. Im Fall des Euro Stoxx 50 sind es sogar fast 80 %.

Analysten erwarten keinen Börsen-Crash

Die Probleme, die in 2022 für Schlagzeilen sorgten, sind allerdings noch nicht gelöst, und die Aufwärtsdynamik hatte in den letzten Wochen aus Sicht der Analysten zurecht nachgelassen. Einige Marktteilnehmer sprachen noch Anfang März von einer Übertreibungsphase. Dies hat sich aufgrund der jüngsten Kursrückgänge relativiert. Eine Crash-Gefahr sehen sie auch angesichts der aktuellen Turbulenzen um die Silicon Valley Bank nicht, wenngleich die Volatilität an den Märkten hoch bleiben sollte und zwischenzeitliche Korrekturen eingeplant werden müssen.

Aktien als Baustein der Vermögensplanung

Unbeeindruckt von diesen Diskussionen kündigt sich die Dividendensaison für das Jahr 2023 an. Trotz der latent vorhandenen Krisenherde und der aktuell angespannten Marktsituation werden die hundert größten deutschen Unternehmen die Dividenden im Vergleich zum Vorjahr nochmals spürbar erhöhen. Die Dividendenrendite liegt im durchschnittlichen Bereich einer etwa zwanzigjährigen Betrachtung. Der Vergleich mit anderen Assetklassen fällt indes weniger positiv aus als noch in den Jahren zuvor. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen stagnierte nach dem markanten Anstieg in 2022 zwar im neuen Jahr, mit einem aktuellen Spread von etwa 110 Basispunkten zur Ausschüttungsrendite sinkt die Attraktivität der Aktien jedoch. So lag der entsprechende Aufschlag im Vorjahr noch bei rund 250 Basispunkten. Dennoch sehen die DZ-Experten Aktien bzw. deren Ausschüttungen als einen zentralen Baustein einer langfristigen Vermögensplanung an.

Auch in Zeiten gesamtwirtschaftlicher Unsicherheiten gibt es eine Vielzahl von Unternehmen, die weiterhin attraktive und nachhaltige Gewinne erwirtschaften sowie gute Ertragsaussichten haben und diese in Form von Dividenden an ihre Aktionäre ausschütten. Von dieser Entwicklung können Anleger in dieser Saison abermals profitieren, denn es kündigt sich ein Anstieg der summierten Dividenden an (s. oben).

Autohersteller weiter an der Spitze

Wer zahlt Dividende? Den Löwenanteil an den Dividendenzahlungen steuert erneut die Automobilbranche mit rund 28 % bei. Gefolgt wird die Sparte von dem Industriesektor mit knapp 15 %, der auch im letzten Jahr bereits den zweiten Platz belegte. Behaupteten sie bei den Ausschüttungen für 2021 die Chemietitel noch den dritten Platz, wurden sie in diesem Jahr von den Assekuranzen verdrängt: Der Anteil der Versicherungen an der Gesamtausschüttung beträgt 12 %. Es folgen der Pharmabereich (8,7 %) und die Chemiesparte (8,3 %), die sich nun auf dem fünften Platz wiederfindet, und schließlich die Telekomunikations-Werte (7,4 %). Die drei bestplatzierten Sparten stellen folglich mehr als 50 % der ausgeschütteten Dividenden, die ersten sechs von insgesamt 20 Branchen können demnach mit deutlich über 75 % aufwarten. Auch die Zuwächse bei den Ausschüttungen verglichen mit dem Vorjahr führt die Automobilbranche an, wenngleich sie nicht mehr an die ungewöhnlich hohe Rate aus 2021 anknüpfen kann. In absoluten Größen zahlten die Unternehmen aus der Branche immerhin 2,8 Mrd. Euro mehr aus.

Meine Empfehlung: „Sicherheit mit Dividende“ (früher einmal ein Werbeslogan der Versicherungen) sollten Anleger rumdrehen in „Dividende mit Sicherheit“. Denn bevorzugt Titel von Aktiengesellschaften für das Depot auszuwählen, die sich über Jahre hinweg als sichere Dividendenzahler zeigen (möglichst mit steigender Tendenz), ist eine lohnende Strategie.

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