Die Mega-Probleme – ungelöst

1. November 2021 | Kutzers Corner

Es ist viel los in der Welt – aber wenig gelöst. Die Finanzmärkte haben sich daran gewöhnt und bleiben immer noch gelassen. Können sich Handel und Investoren darauf verlassen, dass dies auch in den kommenden Monaten so bleiben wird? Ansichtssache. Mein grundsätzlich hartnäckiger Optimismus beginnt zu schwinden.

Hinter uns liegt eine ereignisreiche Woche insbesondere für die Zentralbanken. Die stehen auch in den nächsten Tagen im Fokus. Geldpolitische Beschlüsse werden da und dort erwartet, aber nur erste Schritte – noch keine Zinserhöhungen. Selbst die sonst eher trägen Politiker befassen sich auf allen Ebenen mit den großen bis existenzielle Probleme. Man trifft sich wieder physisch auf Gipfelkonferenzen, was aber noch nicht für zügige Fortschritte spricht.

Zentralbanken bleiben im Fokus

Hinter uns liegt eine Woche mit geldpolitischen Sitzungen in zahlreichen Ländern. Sie alle unterstrichen die Herausforderungen, mit denen die Notenbanken konfrontiert sind: Die Inflation ist unerwartet hoch und steigt weiter, während das Wachstum ins Stocken gerät. Die kommenden Tage werden dazu die Fortsetzung liefern. All das inmitten anhaltender Versorgungsunterbrechungen und neuer Abwärtsrisiken (z. B. einer Energiekrise in Europa und China, Turbulenzen im chinesischen Immobiliensektor. Setzt man die Börsenbrille auf, teile ich (noch) das Urteil der gelassenen Akteure: Es hätte schlimmer kommen können: Gewinne für Aktien und Verluste für Renten – die Wochenbilanz lässt sich auf die einfache Formel bringen, dass Anleger Risiko nehmen und den sicheren Anlagehafen Staatsanleihen verlassen. Gewinner sind die Aktien.

Die Resilienz (= ein neues Modewort) der Finanzmarktakteure ist beeindruckend. Dagegen ruft die Widerstandsfähigkeit der Notenbanker nimmer mehr ungeduldige Kritiker auf den Plan. Kein Zweifel, die Geldpolitik befindet sich in einer Zwickmühle, da eine schnelle Beruhigung an der Inflationsfront nicht abzusehen ist. Das weckt Zinsbegehrlichkeiten, denen die Bank of England in dieser Woche womöglich nachgeben wird. Die US-Notenbank dürfte sich zumindest nicht von ihrem Vorhaben abbringen lassen, die Anleihekäufe demnächst schrittweise zu verringern.

China weiter im Auge behalten

Im Gegensatz zu Frankfurter Anlagestrategen rechne ich für die nächsten Tage noch nicht mit wirklich spektakulären Weichenstellungen. Neben den monetären Entscheidungen der Fed und der Bank of England sollte man auch die Entwicklungen in China im Blick behalten. China hat derzeit mit mehreren Problemen gleichzeitig zu kämpfen, u.a. neuerlichen Covid-19-Ausbrüchen und Lockdowns, Stromknappheit und dem Schuldenabbau im Immobiliensektor. Zusammengenommen deuten diese Faktoren darauf hin, dass die Konjunkturverlangsamung in China bis ins Jahr 2022 hinein anhalten könnte. Und da große Teile der Welt von Chinas Exporten abhängen, könnten die anhaltenden Unterbrechungen im dortigen verarbeitenden Gewerbe und im Speditionssektor die globale Lieferketteninflation verlängern. Daneben werden über die ganze Woche verstreut traditionell stark beachtete Wirtschaftsdaten aus dem Euroraum und den USA veröffentlicht.

Ich bin überzeugt, dass die stark uneinheitliche Kursentwicklung an Börsen und Finanzmärkten noch weiter anhält. Dabei kommt es meist auf die jeweiligen Unternehmensberichte und -prognosen an – und weniger auf die allgemeine „Problemdiskussion“. Sachanlagen wie Aktien, Rohstoffe und Immobilien liefern die langfristig einzig attraktiven Anlageklassen.               

2030 oder 2050 Klimaneutralität
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