Denkfabrik sieht USA unzureichend auf den steigenden Bedarf an kritischen Rohstoffen vorbereitet

26. Oktober 2021 | Markt

Langwierige Genehmigungsverfahren laut Studie des Woodrow Wilson International Center for Scholars größtes Hindernis für die Entwicklung neuer Rohstoffprojekte in den USA.

Das Woodrow Wilson International Center for Scholars, eine der wichtigsten Denkfabriken der Vereinigten Staaten, hat im Oktober eine Studie zur Versorgung des Landes mit kritischen Rohstoffen wie etwa Seltenen Erden veröffentlicht. Den Autoren der Studie zufolge gibt es kein Patentrezept zur Verbesserung der derzeitigen Situation, die von einer starken Abhängigkeit von Importen aus Asien geprägt ist. Vielmehr sei ein „Mosaik-Ansatz“ notwendig, der viele Schritte umfasse und sowohl die Privatwirtschaft als auch den Staat einbinde. Erkannt werden müsse zunächst, wie stark und wie schnell der Bedarf an kritischen Rohstoffen künftig steigen wird.

Getrieben unter anderem durch die für das Erreichen der Klimaziele als notwendig geltenden Technologien, werde der Rohstoffverbrauch deutlich größer sein als die derzeitige weltweite Produktionsmenge. In der Diskussion um die Rohstoffversorgung liege der Schwerpunkt allerdings oftmals nur auf der Förderung und der Weiterverarbeitung. Wichtig sei aber auch, über die langwierigen Genehmigungsverfahren zu sprechen. Zum Teil vergingen 17 Jahre von der Exploration und ersten Machbarkeitsstudien bis hin Fertigstellung der Infrastruktur. Die Autoren zitieren zur Verdeutlichung eine Studie von 2012, welche die USA und Papua-Neuguinea als diejenigen Länder mit der größten Anzahl an Verzögerungen bei der Erteilung von Genehmigungen ausweist.

Damit die gesamte Wertschöpfungskette für kritische Rohstoffe in den USA etabliert werden könnte, müssten die Regierung und die Wirtschaft enger zusammenarbeiten. Nur so könnte ein günstiges Klima für Investitionen geschaffen werden, die den ESG-Kriterien Rechnung tragen, also ökologisch, ethisch und sozial unbedenklich sind. Bisherige Versuche, die Genehmigungsverfahren zu verkürzen, seien auf erheblichen Widerstand gestoßen. Auch würden Verfahren zunehmend politisiert, der Dialog mit Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und den unmittelbar betroffenen Menschen sei daher unerlässlich, um Akzeptanz für neue Bergbauprojekte zu schaffen.

Um das Ziel der Versorgungssicherheit zu erreichen, seien die Vereinigten Staaten auf die Zusammenarbeit mit verbündeten Ländern angewiesen. In diesem Zusammenhang müssten Regierungen und die Industrie gemeinsame Standards für die ökologische und soziale Nachhaltigkeit entwickeln. Dies gelte für den Abbau und die Weiterverarbeitung gleichermaßen.

Dass der Bergbauindustrie der Ruf als „dreckige“ Branche anhaftet, könnte auch ein Grund dafür sein, dass immer weniger Menschen entsprechende Studiengänge wählen. Diese jungen Talente seien aber für die Zukunft unerlässlich, wie kürzlich auch die Internationale Arbeitsorganisation ILO schrieb.

Photo: iStock/Alfio Manciagli

2030 oder 2050 Klimaneutralität
2030 oder 2050 Klimaneutralität