Bleiben Sie cool – auch wenn’s schwerfällt

von | 10. Januar 2022 | Kutzers Corner

Mit der Zeit verändern sich auch die Rahmenbedingungen für die Börse. 2021 standen Corona-Wellen, Inflation und Null-Zinsen im Blickpunkt der Anleger. Jetzt geht es um die Fortsetzungen: Bekommen wir die Omikron-Mutante bald in den Griff, werden sich die Inflationsraten normalisieren, wird die Fed ihre Zinsen früher und stärker anheben als bisher erwartet? Die ersten Tage des neuen Jahres bescherten uneinheitliche Kurse nicht nur bei Aktien, denn die Nachrichtenlage ist bisher gemischt geblieben.

Für Aktien war es ein dynamischer Jahresauftakt. Der Dax erreichte fast das Rekordhoch vom November (16.290 Punkte), ehe die Veröffentlichung des letzten Sitzungsprotokolls der US-Notenbank der guten Anlegerstimmung einen empfindlichen Schlag versetzte. Die Mitschrift zeigt eine wachsende Unsicherheit bezüglich der Inflationsentwicklung in den USA und nährt den Verdacht, dass der Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik nicht mehr so lang auf sich warten lässt. Auch an den Anleihemärkten hat die Aussicht auf eine raschere Zinswende für deutliche Kursverluste gesorgt. Die Rendite 10-jähriger US-Treasuries ist seit Jahreswende um fast einen viertel Prozentpunkt auf über 1,7 % gestiegen. 10-jährige Bundesanleihen kletterten auf -0,06 % und kommen damit dem positiven Zinsterrain sehr nahe.

Allerdings gibt es infolge des kräftigen Anstiegs der Infektionszahlen durch die Omikron-Variante noch viele Fragezeichen, insbesondere hinter der Konjunkturentwicklung. Die rasante Ausbreitung der Mutation in Verbindung mit Quarantänemaßnahmen droht einige Branchen temporär an den Rand eines Lockdowns zu bringen. Angesichts weiter steigender Auftragsbestände in Deutschland ist das keine einfache Lage für die Industrie.

Spannende und volatile Märkte zu erwarten

Wer von Ihnen zum Jahreswechsel mehr Klarheit für die Perspektiven der Finanzmärkte erwartet hatte, wird eher enttäuscht sein. Die ersten Prognosen für 2022 professioneller Asset Manager hatten in den vergangenen Tagen zwar überwiegend ein positives Vorzeichen. Doch klangen sie noch nicht überzeugend. Ich erkenne in den Vorherschauen drei Tendenzen, geschätzte Anleger. Man geht von uneinheitlich-volatilen und dadurch spannenden Aktienmärkten aus. Außerdem gilt das erste Quartal als die schwierigste Phase im neuen Jahr. Schließlich wird mit einer (durchaus kraftvollen) konjunkturellen Erholung im Jahresverlauf auch eine Fortsetzung des Aktienaufschwungs gesehen.

Zinsen sind weiterhin keine Aktienkonkurrenz

Ich gehe einen Schritt weiter und behaupte, dass es Sinn macht, die bisherigen Anlageschwerpunkte auch bei einer Veränderung des Umfelds beizubehalten – selbst nach einer Zinswende durch die Notenbanken und einschneidenden Folgen durch die kommende Omikron-Welle. Sachinvestments bleiben heute wie gestern angesagt. Denn Staatsanleihen zu kaufen, macht in einer Phase tendenziell steigender Zinsen für Privatanleger keinen Sinn. Also Aktien, die zuständig für die Performance sind. Und dazu Gold als Wertspeicher, als Sicherheitselement im Portfolio. Man könnte auch sagen, Aktien stehen für Wirtschaftswachstum, getragen durch interessante Unternehmen. Gold ist das bessere Geld und schützt vor Vermögensverlust in katastrophalen Zeiten.

Wenn man die Wertentwicklung der einzelnen Anlageklassen vergleicht, dann war 2021 kein goldiges Jahr. Dennoch zeigen u. a. die jetzt veröffentlichten Zahlen der Börse Frankfurt, wie populär das edle Metall ist. Physisches Gold, das ich privaten Anlegern oft empfehle, kann man nicht nur in Form von Barren und Münzen erwerben, sondern auch als börsennotiertes Wertpapier. Der Goldbestand der börsengehandelten Inhaberschuldverschreibung Xetra-Gold (ISIN: DE000A0S9GB0) ist zum Jahresende 2021 auf 237,6 Tonnen gestiegen. Das ist ein Plus von 20,7 Tonnen im Jahresverlauf. Xetra-Gold ist damit das führende physisch hinterlegte Gold-Wertpapier in Europa. Der Bestand erhöht sich immer dann, wenn Anleger Gold-Anteile über die Börse kaufen. Denn für jeden Anteilschein wird im Zentraltresor genau 1 Gramm Gold hinterlegt. Das verwaltete Vermögen von Xetra-Gold betrug zum Jahresende 12,2 Milliarden Euro.

Börsen-Gold auch steuerlich interessant

Wichtig zu wissen: Xetra-Gold-Anleger haben Anspruch auf die Auslieferung des verbrieften physischen Goldes. Seit seiner Einführung im Jahr 2007 haben Anleger davon 1.604-mal Gebrauch gemacht. Dabei wurden insgesamt 7,2 Tonnen Gold ausgeliefert. Und wie sieht’s steuerlich aus? Im September 2015 hatte der Bundesfinanzhof entschieden, dass Gewinne aus der Veräußerung oder Einlösung von Xetra-Gold nach einer Mindesthaltedauer von einem Jahr nicht unter die Abgeltungssteuer fallen. Somit sind der Erwerb und die Einlösung oder der Verkauf steuerlich wie ein unmittelbarer Erwerb und unmittelbarer Verkauf physischen Goldes zu beurteilen – also beispielsweise wie Goldbarren oder Goldmünzen.

Kurzfristig bleiben die Fragezeichen

Bleiben Sie cool! Auch wenn Sie über genügend Mittel zur Aufstockung Ihres Portfolios verfügen, liebe Leser, kann ich Ihnen kurzfristig keine größeren Investments empfehlen. Dafür stehen einfach zu viele Fragezeichen im Raum. Das gilt auch für die zweite Januarwoche, in der keine entscheidenden Veröffentlichungen anstehen – Überraschungen sind naturgemäß nie auszuschließen. Achtung, die neue Berichtssaison läuft jetzt langsam an.

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