Auch 2022 schmiert das Geld die Kapitalmärkte

von | 3. Januar 2022 | Kutzers Corner

Corona-Wellen, Inflation, Null-Zinsen – das war gestern. Zugleich aber auch bombenfeste Aktienmärkte. Dass der Dax in einer extrem schwierigen Zeit um knapp 16 Prozent (!) gestiegen ist, wird bisher nicht angemessen gewürdigt. 16 Prozent Plus in nur einem Jahr sind eine Sensation, das hat historische Bedeutung. Und für die Retrospektive reicht es, auf den zentralen Verursacher zu blicken: Hyper-Liquidität, die Wertsteigerung sucht. Am Anfang des neuen Jahres gehört wenig Mut zur Prognose, dass dies noch weitergeht.

Profitieren davon nur die Reichen der Welt und erfolgreiche Börsenspekulanten? Nein, denn man kann inzwischen mit Genugtuung feststellen, dass viele Bundesbürger 2021 ihr Vermögen weiter vermehrt haben. In Summe sind die privaten Haushalte so reich wie nie, hat die DZ Bank berechnet. Demnach dürfte ihr Geldvermögen im abgelaufenen Jahr um mehr als 7 Prozent auf den Rekordwert von fast 7,7 Billionen Euro zugelegt haben (offizielle Zahlen der Bundesbank gibt’s im Frühjahr).

Bundesbürger sind weiter Sparweltmeister

Hauptantriebsmotor für den Vermögensaufbau war die zwar leicht gesunkene, im historischen Vergleich aber erneut extrem hohe Ersparnis. Banker schätzen, dass die privaten Haushalte je 100 Euro verfügbarem Einkommen 15 Euro auf die hohe Kante gelegt haben. Die Deutschen haben also weiter gespart wie die Weltmeister – auch wenn die Sparquote etwas gesunken ist. Viele Haushalte parken Geld in solchen Zeiten schlicht auf dem Girokonto. Weil häufig größere Summen unverzinst (oder gar mit Strafzinsen belastet) bei der Bank herumliegen, trauen sich die eher risikoscheu geltenden Sparer in Deutschland zunehmend an den Aktienmarkt.

Sparer werden auch zu Aktionären

Mit zunehmender Dauer der Extrem-Niedrigzins-Phase und fehlender Aussicht auf einen baldigen spürbaren Zinsanstieg reagierten immer mehr Bürger mit einem angepassten Anlageverhalten. Viele stiegen neu ins Wertpapiergeschäft ein – vor allem auch junge Anleger. Und für die Fondsbranche in Deutschland war 2021 nach Angaben des Branchenverbandes BVI voraussichtlich das beste Absatzjahr ihrer Geschichte.  

Die Kursgewinne an den Börsen führten im Ergebnis zum Wertanstieg bei Aktien, Investmentfonds und Zertifikaten – und damit zum Wachstum des Geldvermögens der privaten Haushalte. Die DZ Banker rechnen damit, dass dies auch im neuen der Fall sein wird: Der Geldvermögensanstieg wird 2022 voraussichtlich durch eine niedrigere Sparquote zwar etwas schwächer ausfallen als im Vorjahr, doch dafür sollte der Aufschwung die Kursentwicklung an den Börsen unterstützen und erneut zu Wertzuwächsen des privaten Geldvermögens beitragen.

Privates Geldvermögen dürfte weiter wachsen

Kann 2022 nochmal ein so guter Jahrgang werden? Möglich, aber man sollte auch mit einem geringeren Anstieg als 2021 zufrieden sein. Und nicht verdrängen, dass auch die Risikofaktoren ins neue Jahr übernommen werden! Mein Bauchgefühl sagt mir, dass sich die führenden Finanzmärkte im Jahresverlauf zunehmend unterschiedlich entwickeln dürften. Dafür spielen die jeweiligen Zentralbanken eine mitentscheidende Rolle. Jedenfalls Hände weg von Staatsanleihen. Dagegen kommen Sie, geschätzte Anleger, an Aktien nach wie vor nicht vorbei. Am “TINA“-Grundsatz (There Is No Alternative) wird sich wohl nix ändern. Wer in diesen Tagen einen Depotcheck vornimmt und sich auf 2022 vorbereitet, sollte auf eine breite internationale Mischung achten. Die Top-Schwellenländer aus Asien – 2021 gegenüber dem Westen vernachlässigt – könnten 2022 zu den Gewinnern gehören. Dann wäre das von mir bevorzugte Aktien-Trio aus China (und Indien), Deutschland und der Wall Street eine starke Grundlage.

PS.: „Unvergängliche Werte unterliegen keinen Kursschwankungen. Sie werden nicht notiert“ (Stanislaw Jerzy Lec, polnischer Schriftsteller).

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