Analysten: Rohstoffe als Investment immer beliebter

18. August 2021 | Finanzen

Coronakrise und Inflationsrate treiben Preise und Nachfrage. Finanzanalysten erklären die Gründe.

Rohstoffe scheinen vielen Investoren gerade in diesen Zeiten als attraktive Anlage. Zwar sackte zuletzt der Goldpreis deutlich ab, am 9. August rutschte das Edelmetall innerhalb weniger Minuten erstmals seit März 2020 auf einen Preis unter 1700 Dollar je Feinunze (rund 31,1 Gramm), doch fast ebenso schnell erholte sich der Wert wieder. Schon am 18. August schreibt das Handelsblatt: „Beim Goldpreis setzte sich am Mittwoch die positive Tendenz der vergangenen Handelstage fort. Er stieg zeitweise auf 1792 Dollar und nähert sich so weiter der Marke von 1800 Dollar an.“ Als Ursache für die Goldturbulenzen nannten Experten das Zusammentreffen gleich mehrerer Ereignisse. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank, etwa schrieb in einem Newsletter: „Unmittelbarer Auslöser war der US-Arbeitsmarktbericht, der besser ausfiel, als zuvor erwartet worden war. Der daraufhin folgende Anstieg der Kapitalmarktzinsen und des US-Dollars belastete den Preis des Edelmetalls.“ Zudem weise das schnelle Auf und Ab daraufhin, dass der Kursrutsch durch „einen sehr illiquiden Markt überzeichnet wurde, da in Japan feiertagsbedingt nicht gehandelt wurde.“ Und Stephan weiter: „Die Silberpreise fielen in ähnlicher Weise kurzzeitig deutlich, um sich später wieder zu erholen. Starke Kursbewegungen sind insbesondere an den Rohstoffmärkten in den Sommermonaten oft zu beobachten.“

Tatsächlich erweisen sich Rohstoffmärkte selten als so volatil, wie der plötzliche Kurssturz von Gold Anfang August befürchten lässt. Im Gegenteil: Im Langzeittrend legen die meisten Werte derzeit zu. Gut abzulesen ist das auch an der Entwicklung entsprechender Fonds. Ende Juli war im Handelsblatt zu lesen: „In der Spitze erzielen Fonds für Rohstoffaktien im ersten Halbjahr 57 Prozent Ertrag. Der Konjunkturboom, Angebotsengpässe und die Energiewende könnten den Trend fortschreiben“.

Auch das Portal Finanzen.net titelte Ende Juli einen Beitrag mit der Headline „Darum setzen Anleger 2021 auf Rohstoffe“ und bezog sich darin explizit auf den US-amerikanischen Finanzanalysten Brian Pacampara. Der hatte auf der Finanzwebsite Money Wise erklärt, warum Rohstoffe gerade in diesem Jahr für viele Anleger attraktiv sind. „Buy coffee, not crypto“ (zu Deutsch: „Kaufen Sie Kaffee, nicht Kryptowährung“) schreibt Pacampara und belegt seine These unter anderem mit der Entwicklung des Invesco DB Commodity Index Tracking Fund. Dieser Exchange Traded Fund (ETF) hat mit einem breit gestreuten Investment in 14 der weltweit am stärksten gehandelten Rohstoffe innerhalb der vergangenen 12 Monate eine Wertsteigerung von 56 Prozent erzielt.

Eine wichtige Rolle bei der positiven Entwicklung von Rohstoffen als Sachwerte (englisch: Commodities) spielt – wenig überraschend – die Coronakrise. Letztlich ist sie aktuell sogar einer der wichtigsten Gründe für den aktuellen Höhenflug vieler Rohstoffe. Denn sowohl die Maßnahmen internationaler Notenbanken und Regierungen zur Stützung der Ökonomie, als auch die aufgrund steigender Impfraten in vielen Ländern anziehende Konjunktur sorgen für wachsende Nachfragen. Das wiederum treibt die Preise für Edelmetalle und Industriemetalle, aber auch für Energieträger und Agrarrohstoffe („Soft Commodities“). Verschärft wird die Lage zudem durch teils noch immer stark eingeschränkte Lieferketten mit entsprechenden Lieferengpässen, die die Rohstoffpreise ebenfalls nach oben treiben. Allein die Automobilkonzerne brauchen immer mehr Rohstoffe wie Seltene Erden und Technologiemetalle, um ihre ambitionierten Pläne in Sachen E-Mobilität umsetzen zu können. Die Rohstoffabhängigkeit nahezu aller Konzerne wird künftig weiter wachsen, wie Rohstoff.net bereits Ende Juli berichtete.

Diversität und Stabilität

Laut Pacampara sind aber nicht nur die aktuellen Preissteigerungen Auslöser für das wachsende Interesse von Privatanlegern an Rohstoffen. Ein weiterer wichtiger Grund liegt im Wunsch nach mehr Diversität in Krisenzeiten. Diese sei „wahrscheinlich sogar der beste Grund, um jetzt Rohstoffe ins eigene Portfolio aufzunehmen“, so der Finanzexperte. Denn die Preisentwicklung für Rohstoffe unterliege viel stärker ihrer jeweils eigenen Angebots- und Nachfragedynamik, statt allgemeiner Marktentwicklungen. „Das bedeutet“, so Pacampara, „dass sich Rohstoffpreise meist nicht zwangsläufig analog zum Markt entwickeln, sondern oft sogar gegenläufig.“). Einen Teil des eigenen Portfolios in Rohstoffe zu diversifizieren, kann so auch vor etwaigen Börseneinbrüchen oder anderen Marktturbulenzen schützen.

Und noch ein weiterer Aspekt gewinnt für viele Anleger in diesem Jahr an Bedeutung: der Schutz vor beziehungsweise der Ausgleich drohender Inflationssteigerungen. In Deutschland etwa ist die Inflationsrate im Juli laut Statistischem Bundesamt um 3,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat angestiegen. Das ist der höchste Wert seit 1993. Bundesbankpräsident Jens Weidmann rechnet in einem Interview mit der FAZ sogar damit, dass der Wert bis Jahresende auf 5 Prozent steigen könne. In den USA ist dies bereits Realität. Die Verbraucherpreise stiegen dort im Juni um 5,4 Prozent. „Das ist die höchste Rate seit August 2008“, so das Handelsblatt. Für Finanzexperte Pacampara ein weiterer Grund, als Anleger in Rohstoffe zu diversifizieren: „In Phasen hoher Inflationsraten haben Rohstoffe schon immer besonders gut performt, selbst wenn Aktien und Anleihen zur gleichen Zeit an Wert verloren haben“.

Eugen Weinberg, Senior Commodity Analyst der Commerzbank, weist aber auch auf Risiken hin. Im Interview mit dem Portal Finanzheldinnen.de, sagt er: „Rohstoffe sind äußerst schwankungsfreudig. Kupfer und auch Öl waren beispielsweise in den vergangenen Jahren deutlich anfälliger als die Aktienmärkte. Dieses Risikos muss man sich bewusst sein.“ Für die meisten Anleger würden sich Rohstoffe deshalb nur als geringe Beimischung, nicht als größerer Baustein eignen. Bei Anlagen in Rohstoffaktien sei zudem wichtig zu wissen, dass der Aktienkurs eines Rohstoffproduzenten nicht automatisch steigt, nur weil der Preis für den entsprechenden Rohstoff anzieht. Weinberg: „Vergleichen wir beispielsweise den Preis für einen physischen Rohstoff wie Platin oder Palladium und den Aktienkurs eines Platinproduzenten: Wenn es große Probleme in Südafrika gibt, dort der Strom abgestellt wird oder die Kosten steigen oder der Produzent enteignet wird, dann fällt der Aktienkurs des Unternehmens. Der Preis für den Rohstoff hingegen steigt, weil weniger produziert wird und das Angebot geringer ist.“ Ein gutes Beispiel für diese Entwicklungen ist einmal mehr die rasant steigende Zunahme von E-Mobilität, die den Hunger der Weltwirtschaft nach Rohstoffen wie beispielsweise Neodym, das für Elektromotoren gebraucht wird, forciert. Die Preise für Neodym steigen seit einem Jahr kontinuierlich.

Photo: iStock/RomoloTavani

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