Analyse: Deutschland erreicht seine Wasserstoff-Ziele nicht 

von | 10. Nov 2022 - 11:36 | Wirtschaft

Energiekonzern E.ON fordert zügige Weichenstellung, damit der Wasserstoff-Hochlauf gelingt.

Im Kampf gegen den Klimawandel gilt er als einer der großen Hoffnungsträger: Grüner Wasserstoff soll große Teile der Industrie und des Schwerverkehrs klimaneutral machen. Das Gas wird mittels Elektrolyse auf Basis Erneuerbarer Energien wie Windkraft und Solarenergie hergestellt. Im Rahmen ihrer Nationalen Wasserstoffstrategie fördert die Bundesregierung diese Zukunftstechnologie. Doch nun zeigt eine Analyse des Energiekonzerns E.ON: Deutschland ist nicht ausreichend auf den Hochlauf der Wasserstoff-Wirtschaft vorbereitet. 

Nach jetzigem Stand erreiche die Bundesregierung nur gut die Hälfte ihrer Wasserstoff-Ziele für 2030. Berücksichtige man alle bis dahin geplanten Projekte, werde eine Elektrolysekapazität von nur 5,6 Gigawatt (GW) realisiert – angestrebt sind zehn GW. Auch beim Importbedarf sei eine große Lücke zu erkennbar: Ausgehend von der dena-Leitstudie, die einen Wasserstoffbedarf von 66 Terrawattstunden bis 2030 zugrunde legt, betrage der Importbedarf – Stand heute – 50,5 Terrawattstunden. Das entspreche etwa dem monatlichen deutschen Erdgasverbrauch im September 2022.

Transportnetz für Wasserstoff: Nur ein Bruchteil des deutschen Gasnetzes

Außerdem mangele es an der Infrastruktur für den Transport, schreibt E.ON weiter. Aktuell gebe es erst 417 Kilometer Wasserstoff-Netze – weniger als 0,1 Prozent des deutschen Gasnetzes.

Allen Berechnungen liegen Daten des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) zugrunde.  

„Unsere Wettbewerbsfähigkeit und das Gelingen des Wasserstoff-Hochlaufs sind davon abhängig, ob nun zügig die richtigen Weichen in Politik und Regulierung gestellt werden“, sagt E.ON Vorstand Patrick Lammers. Es brauche unter anderem eine EU-weite Definition von Grünem Wasserstoff, um Investitionsentscheidungen zu fördern. Zudem sei das Förderumfeld in Deutschland nicht ausgereift und die Genehmigungsverfahren für Wasserstoffproduktion und -import müssten massiv beschleunigt werden.

E.ON will seine H2-Bilanz von nun an alle sechs Monate veröffentlichen, um den aktuellen Stand des Wasserstoffhochlaufs aufzuzeigen. 

Auch interessant: Eine Studie attestierte in Deutschland produziertem Grünem Wasserstoff kürzlich Wettbewerbsfähigkeit: Unter bestimmten Voraussetzungen könne er sogar günstiger sein als Wasserstoffimporte aus wind- oder sonnenreichen Ländern.

Photo: iStock/Scharfsinn86

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