Tellur-Nachfrage könnte Angebot bald übersteigen

von | 25. Apr 2023 - 14:15 | Wirtschaft

Bislang ist die Solarindustrie der wichtigste Tellur-Nutzer, doch auch neue Anwendungen setzen auf das seltene Technologiemetall.

Tellur spielt eine Schlüsselrolle beim Ausbau der Erneuerbaren Energien, denn das silberweiße, metallisch glänzende Technologiemetall wird unter anderem in Dünnschicht-Solarzellen in Form des Halbleiters Cadmiumtellurid (CdTe) verwendet. Nach Angaben des U.S. Geological Survey (PDF) entfielen 40 Prozent des weltweiten Tellurverbrauchs im Jahr 2021 auf Solarzellen. Die Internationale Energieagentur (IEA) geht davon aus, dass kristalline Siliziummodule den Markt für Solarzellen weiterhin dominieren werden. Die Nachfrage nach Tellur könnte jedoch bis 2040 um das Siebenfache auf 1.400 Tonnen steigen, vorausgesetzt, dass die Effizienz der aus diesem  Material gefertigten Soleamodule weiter gesteigert wird. Bislang ist ihr Wirkungsgrad, also der Anteil des aus dem Sonnenlicht gewonnenen Stroms, geringer als der von kristallinen Modulen. Sie punkten aber unter anderem durch ihr geringes Gewicht, ein großer Vorteil für die Montage auf Dächern, sowie ihrem vergleichsweise günstigen Herstellungsprozess. Für eine anziehende Nachfrage, nicht zuletzt auch aufgrund des Inflation Reduction Acts, rüstet sich entsprechend auch einer der wichtigsten Hersteller für CdTe-Module, First Solar, mit Investitionen in Milliardenhöhe.

Photovoltaik und neue Anwendungsgebiete machen sich Konkurrenz

Wie der Branchendienst Argus berichtet, stehen CdTe-basierte Solarmodule auch zunehmend mit neuen Anwendungen für Tellur im Wettbewerb. So hat der im Vereinigten Königreich ansässige Cadmium-Zink-Tellurid (CZT)-Hersteller Kromek im vergangenen Monat mehrere Verträge zur Entwicklung von CZT-Detektoren für die medizinische Bildgebung unterzeichnet. Nach eigenen Angaben hat die Nachfrage aus diesem Bereich jüngst zugenommen. Argus verweist auf weitere Einsatzgebiete etwa als thermoelektrischer Werkstoff zur Kühlung von Mikroprozessoren (Bismuttellurid) oder zur Herstellung von Batterien (Lithium-Tellur), wie sie das kanadische Unternehmen First Tellurium entwickelt.

Etablierte Anwendungsbereiche und neue Technologien könnten Argus zufolge künftig in Konkurrenz bei der Versorgung mit Tellur geraten, sodass der Verbrauch die derzeitige Fördermenge übersteigen würde.  Diese kann nicht beliebig erhöht werden, da das seltene Metall hauptsächlich im Zuge des Kupferbergbaus gewonnen wird. Wichtigster Produzent ist laut USGS die Volksrepublik China, mit einem Anteil von 340 Tonnen an der weltweiten Gesamtproduktion von nur 640 Tonnen im vergangenen Jahr.  Das Preisniveau befindet sich bereits seit einigen Jahren auf einem hohen Niveau, eine Entspannung erscheint angesichts des prognostizierten anziehenden Verbrauchs unwahrscheinlich.

Beitragsphoto: iSTock/RHJ

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