Rohstoffmärkte: Börsenexperten sehen Zeichen für „Superzyklus“

5. Juli 2021 | Finanzen

Viele Rohstoffpreise steigen auf Rekordhöhen. Auch Edelmetalle gewinnen. Für Investoren sind es spannende Zeiten.

Corona wirbelt nicht nur Weltwirtschaft und Finanzmärkte durcheinander. Auch die Rohstoffmärkte reagieren mit teils heftigen Turbulenzen. Der Wert von Kupfer beispielsweise, als eines der wichtigsten Industriemetalle ein guter Seismograf für Bewegungen auf den Rohstoffmärkten, schoss Ende Mai auf ein Allzeithoch. Und sank dann bis Ende Juni wieder um rund 14 Prozent, nachdem Hauptimporteur China auf eigene Kupfervorräte zurückgegriffen hatte, um die Preisrally zeitweise zu dämpfen.

Dennoch gehen Experten von einer Hausse auf den Rohstoffmärkten aus, die durchaus einige Jahre andauern könnte. Denn nicht nur Kupfer wird mit Abflauen der Coronakrise auf den Weltmärkten verstärkt nachgefragt. Auch Aluminium, Zink und andere Industriemetalle sowie Technologiemetalle und Seltene Erden sind begehrt. Der Bloomberg Commodity Index, der die Preisentwicklung für diverse Industriemetalle, Edelmetalle und Agrarrohstoffe zusammenfasst, ist auf 94 Punkte und damit auf ein neues Mehrjahreshoch (Stand 24.6.) gestiegen. Vom bisherigen Allzeithoch von 204 Punkten vor zwölf Jahren ist der Index indes noch weit entfernt.

Rohstoffe sind Gewinner der Corona-Krise

Fakt aber ist: „Die Rohstoffmärkte gehören zu den Gewinnern der Coronakrise“. Das schrieb Cash Online bereits Ende Mai, als die Weltwirtschaft erste Anzeichen von Erholung zeigte und Industrienationen wie die USA, aber auch die EU ihre gewaltigen Förderprogramme verkündeten. Der Internationale Währungsfonds (IWF) beziffert entsprechende Ausgaben und Zusagen allein bis Ende 2020 bereits mit rund 14 Billionen US-Dollar. Hinzu kommt das rund 2 Billionen US-Dollar schwere Konjunkturpaket der USA, das US-Präsident Joe Biden jüngst verkündete und mit dem er die heimische Wirtschaft nach der Covid19-Krise ankurbeln will. Auch die Europäische Union hat jetzt ihren Aufbauplan für die Zeit nach Corona präzisiert: Das Programm „Next Generation EU“ umfasst 750 Milliarden Euro und ist damit das größte Konjunkturpaket der EU aller Zeiten.

Doch nicht nur Förderprogramme und damit einhergehende Nachfragezunahmen pushen die Rohstoffpreise. Für Investoren werden beispielsweise Edelmetalle wie Gold und Platin auch aus anderen Gründen interessant. Vielen Anlagern gelten sie als sicherer Schutz gegen zunehmende Inflation aufgrund der weltweit explodierenden Staatsverschuldungen in der Coronakrise und gegen die anhaltende Niedrig- beziehungsweise Nullzinspolitik. Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) sollen sich wegen der Coronakrise die weltweiten Verbindlichkeiten der öffentlichen Hand auf durchschnittlich 98 Prozent der jeweiligen Wirtschaftsleistung summiert haben, schreibt Reuters. Vor der Krise hatte der IWF den Schuldenstand für Ende 2020 noch auf 84 Prozent geschätzt. Auch deshalb sind die Preise für Gold, Silber, Platin und Palladium seit Anfang 2020 teils erheblich gestiegen. Allein der Platinwert erhöhte sich seit Juli 2020 um rund 37 %, der Palladiumwert um rund 40 % (Quelle: Finanzen.net, Stand: 24.6.2021).

Preistreiber: Erneuerbare Energien

Ein weiterer Preistreiber für Rohstoffe ist der weltweite Aufschwung der Erneuerbaren Energien. Ob EU, China oder USA – nahezu alle großen Industrienationen investieren in entsprechende Konjunkturprogramme. Geht es nach US-Präsident Joe Biden, soll die gesamte US-Wirtschaft spätestens 2050 klimaneutral sein, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme aus dem Weißen Haus. Wie die Klimawende in der EU vorangetrieben werden soll, beschreibt seit kurzem der bereits erwähnte Aufbauplan „Next Generation EU“. In Deutschland wird derweil der Ausgang der kommenden Bundestagswahl am 26. September interessant sein. Je nach künftiger Koalition dürfte der Ausbau Erneuerbarer Energien und entsprechender Technologien seinen Platz auf der politischen Agenda der nächsten Jahre finden. Fest steht aber schon heute: Seit das Bundesverfassungsgericht Ende April Teile des bisherigen deutschen Klimaschutzgesetzes als verfassungswidrig einstufte, sind Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen in der Pflicht. Es geht nun tatsächlich darum, schnellstmöglich saubere Energien zu erzeugen, aber auch saubere Technologien weiter konsequent auszubauen. Und auch das pusht derzeit viele Rohstoffpreise ganz erheblich, schließlich braucht es für nahezu jede klimarelevante Innovation Seltene Erden und andere strategische Metalle.

Ende Mai schrieb der Börsenjournalist Christoph Scherbaum auf FAZ.net, dass der Weg mit den grünen Technologien zur weltweiten Energiewende der „größte Preistreiber bei bestimmten Rohstoffen wie Seltenen Erden, Silber oder Lithium und Nickel“ sein würde. „Wer als Unternehmen Windräder, Elektro-Motoren und Batterien sowie Solarmodule in Massen produzieren will, muss sich in den kommenden Monaten mit steigenden Rohstoffpreisen auseinandersetzen“, so Scherbaum.

Die weltweite Rohstoffrally dürfte als auch in den kommenden Monaten und Jahren spannend bleiben.

Photo: iStock peterschreiber.media

2030 oder 2050 Klimaneutralität
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