Chip-Krise könnte bis 2023 anhalten

5. Juli 2021 | Markt

Die Chip-Nachfrage steigt – und damit die Nachfrage nach Technologiemetallen wie beispielsweise Gallium, Tellur und Hafnium. Doch die Produktionsengpässe werden wohl noch länger dauern.

Höher kann man Wirtschaftsnachrichten in Deutschland kaum hängen. Als Bosch Anfang Juni eine neue Hightech-Chipfabrik in Dresden eröffnete, nahmen an der virtuellen Eröffnungsfeier auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier teil. Wen wundert’s? Schließlich gab es gute Neuigkeiten zu verkünden: Im Saxony Valley, dem sächsischen Pendant zum US-amerikanischen Silicon Valley, will Bosch künftig Hightech-Chips produzieren. Die Vollproduktion der auf 300-Mililimeter-Wafern gefertigten Chips soll spätestens Ende des Jahres anlaufen. 700 Arbeitsplätze sollen entstehen. Bosch investierte rund eine Milliarde Euro in die neue Superfabrik, das Bundeswirtschaftsministerium steuerte rund 140 Millionen Euro Fördergelder bei. Entsprechend freudig lobte Kanzlerin Merkel die Eröffnung des Werks: „Die neue Halbleiterfabrik von Bosch stärkt unsere Kapazitäten im Bereich der Mikroelektronik. Mikroelektronik ist Grundlage für nahezu jede zukunftsträchtige Technologie, für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz, für Quantencomputing oder für autonomes und vernetztes Fahren.“ Auch Bosch-Boss Volkmar Denner sparte nicht mit großen Ansagen: „Mit unserer ersten AIoT-Fabrik setzen wir neue Maßstäbe bei der Chip-Produktion.“ Wobei die Abkürzung AIoT für Artificial Internet of Things, also Internet der Dinge auf Basis von Künstlicher Intelligenz steht.

Coronakrise treibt Chipkrise

Soweit, so gut. Allerdings, und jetzt kommt die schlechte Nachricht, lenkte das große Medienecho zur Werkseröffnung den Blick der Öffentlichkeit auch auf das eigentliche Problem: Weltweit herrscht derzeit extremer Mangel an Halbleitern. Die Digitalisierung in der Automobilindustrie etwa führt zu einem immer größeren Hunger nach den essentiellen Bauteilen. Doch auch in Spielekonsolen, TV-Geräten, Smartphones, Laptops und anderen Devices werden immer mehr Halbleiter verbaut.

Hinzu kommt: Seit Ausbruch der Coronakrise hat sich die Versorgungslage gleich doppelt zugespitzt. Aufgrund von Kurzarbeit und anderen Faktoren wurde die Chip-Produktion vielerorts massiv gedrosselt. Gleichzeitig führten Lockdown, Homeoffice und Homeschooling zu einem weiteren starken Nachfrageanstieg etwa bei Laptops und Geräten der Unterhaltungselektronik. Experten gehen deshalb davon aus, dass der Mangel noch eine Zeit lang andauern wird. Bei der Frage, wie lange genau, zitiert die Financial Times Lynn Torrel: „Bei dieser starken Nachfrage liegt die Erwartung je nach Ware bei Mitte bis Ende 2022. Manche rechnen bis 2023.“ Torrel muss es wissen. Sie ist Einkaufschefin bei Flex, dem weltweit drittgrößten Chiphersteller mit Sitz in Singapur.

Siliziumkarbid statt Silizium

Der Boom der weltweiten Chipnachfrage treibt derweil auch den Bedarf an Rohstoffen nach oben, die für die Halbleiterherstellung wichtig sind. Neben Silizium zählen dazu unter anderem Gallium, Tellur und Hafnium. Gesucht wird deshalb immer wieder nach neuen Alternativen – offenbar zumindest teilweise mit Erfolg. Infineon, Deutschlands größter Halbleiterhersteller, meldet Anfang Juni ein „sprunghaftes Umsatzwachstum“ mit Chips aus Siliziumkarbid, schreibt das Handelsblatt. Die Fabriken seien am Limit, die Auftragsbücher randvoll. Der Dax-Konzern gehe davon aus, dass „sich der Umsatz mit derartigen Chips im laufenden Geschäftsjahr auf 160 Millionen Euro verdoppeln“ werde. In der aktuellen Chip-Krise dürfte das allerdings noch keine Rolle spielen.

Photo: Bosch AG

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