Mosambik: Beira und das Konzept der Schwammstadt

von | 10. Aug 2023 - 12:16 | Wissen

Afrika ist der am stärksten ländlich geprägte Kontinent der Welt: Dort lebte laut den Vereinten Nationen im Jahr 2018 mit 43 Prozent weniger als die Hälfte der Bevölkerung im urbanen Raum. Doch auch auf dem sonnenreichen Erdteil zieht es die Menschen zunehmend vom Land in die Stadt, die Urbanisierung gilt als eine der größten Transformationen Afrikas im 21. Jahrhundert. Bis 2050 rechnet man damit, dass etwa 59 Prozent der afrikanischen Bevölkerung in Städten leben werden.

Eine der Herausforderungen bei der Urbanisierung stellt die Erderwärmung dar – vor dem Hintergrund einer erschwerten Ausgangslage: Von Kairo in Ägypten über Nairobi in Kenia bis hin zu Kapstadt in Südafrika leben viele Stadtbewohner in sogenannten informellen Siedlungen, also Gebieten, in denen die Bebauung ohne rechtliche Grundlage erfolgte. Im subsaharischen Afrika lebt sogar die Mehrheit der Bevölkerung in diesen von prekären Lebensumständen geprägten Siedlungen, in denen der Zugang zu Arbeit erschwert und die Infrastruktur kaum ausgebaut ist. In diesen Gebieten sind die benachteiligten Menschen Klimakrisen stärker ausgesetzt und verfügen gleichzeitig über weniger (finanzielle) Mittel und Möglichkeiten, sich anzupassen und auf Alternativen zurückzugreifen, wenn es beispielsweise durch Extremwetterereignisse zu Ernteausfällen kommt. Das bedeutet, die Grundvoraussetzungen sind in den Städten Afrikas besonders schwierig.

Häuser im Slum im kenianischen Nairobi.
– Photo: iStock/ nantonov
Eine der größten Slums der Welt in Nairobi, Kenia.
– Photo: iStock/ nantono

Überschwemmungen bedrohen die Küstenstädte, Dürre das Landesinnere des Kontinents

Der Klimawandel ist in Afrika kein Problem der Zukunft, sondern macht sich bereits heute in den Städten bemerkbar und wird künftig einen großen Einfluss auf die nachhaltige Entwicklung des Erdteils haben. Er bringt dort vor allem Dürre und Überschwemmungen mit sich: Gerade in den Küstengebieten rund um den Kontinent, wo sich die meisten afrikanischen Metropolen befinden, sind diese aufgrund des steigenden Meeresspiegels durch Überflutungen bedroht: so beispielsweise Lagos in Nigeria, Daressalam in Tansania oder aber auch Alexandria in Ägypten. In rund 25 Prozent der afrikanischen Städte besteht außerdem Dürregefahr, weitere Naturkatastrophen wie Sandstürme oder Zyklone erschweren die Situation zusätzlich.

Besonders häufig von Extremwetterereignissen heimgesucht wird laut der KfW Entwicklungsbank das im Südosten des afrikanischen Kontinents gelegene Mosambik: Neben Hochwassern und Dürren ist es von Zyklonen betroffen, so auch die zweitgrößte mosambikanische Stadt Beira. Um die eigene Existenz zu sichern und die Lebensbedingungen zu verbessern, hat die Stadt mithilfe der Regierung, der KfW Bankengruppe sowie der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) Anpassungsmaßnahmen vorgenommen, um sich für die Zukunft zu wappnen und vor den Auswirkungen des Klimawandels zu schützen.

Beira – Eine Küstenstadt wird zur Schwammstadt umgebaut

Große Teile von Beira, insbesondere das Stadtzentrum, liegen nur knapp über dem Meeresspiegel. Da dieser weiter steigt, kommt es nach Starkregenfällen regelmäßig zu Überschwemmungen. Die Küstenstadt wurde in der Vergangenheit zudem bereits von mehreren tropischen Wirbelstürmen heimgesucht, so auch im Jahr 2019 durch die Zyklone Idai und Kenneth sowie im März 2023 vom Zyklon Freddy. Diese haben Beira jeweils stark zerstört; Mosambik und seine Städte gelten daher als besonders durch den Klimawandel gefährdet.

Um diesen Naturereignissen besser entgegentreten zu können, werden Teile Beiras seit 2016 zur Schwammstadt umfunktioniert. Das Konzept der Schwammstadt, englisch Sponge City, baut auf die Funktion eines Schwamms, der Wasser aufsaugen, zwischenspeichern und bei Bedarf wieder abgeben kann. Dazu wird verstärkt auf Parks und Grünflächen statt auf Asphalt und Beton gesetzt, um städtische Hitzeinseln sowie Überschwemmungen zu vermeiden. Aber wie genau funktioniert es, eine Stadt zu einem Schwamm umzufunktionieren? Bei Regen wird das Wasser an den Orten aufgenommen, wo es niedergeht, und zum Beispiel durch begrünte Dächer oder Fassaden aufgefangen und dort zwischengespeichert. Die Gebäude kühlt es dann bei auftretender Hitze, da es durch den Verdunstungseffekt wie eine Klimaanlage wirkt und die Temperatur in der Umgebung nachweislich sinken lässt.

Im Falle von Beira wurden Mangroven vielerorts in der Stadt gepflanzt, die die Küsten vor Sturmfluten gut schützen und diese abfangen können sowie der Green Park zur Vermeidung von Überschwemmungen angelegt. Der 45 Hektar große Park, der in der Innenstadt rund um den renaturierten Chiveve-Fluss angelegt wurde, bildet das Kernelement dieses Konzepts. Auch die Lebenssituation der Menschen vor Ort soll sich durch soziale und kulturelle Angebote in dem entstandenen Park verbessern. Dazu soll auch die neu ins Leben gerufene städtische Parkverwaltung ihren Beitrag leisten. Das Projekt zum Umbau läuft noch bis Ende des Jahres.

Der Green Park in Beira. –
Photo: TPF Consultores de Engenharia e Arquitetura (Construction Supervision)/ CHICO (Contractor).

Das Konzept der Schwammstadt – weg vom Beton, hin zu mehr Grün

Grundlage des Schwammstadt-Konzepts bildet die Natur selbst: Von ihr hat man bei der Entwicklung des Entwurfs abgeschaut. Was die Baumkronen in Wäldern nicht aufnehmen können, landet in verschiedenen Schichten auf dem Waldboden, die als Schwamm fungieren. Diese Funktion kann man auf Bäume in der Stadt übertragen: Indem man diese in saugfähiger Erde anpflanzt, die je nach Bedarf entweder den Baum selbst mit Wasser versorgen oder das überschüssige Nass ins Grundwasser abführen. Für eine funktionierende Schwammstadt sind zudem Auslaufflächen ohne Asphalt notwendig, in denen sich Wasser in abgesenkten Flächen sammeln kann.

Vereinfachte Darstellung des Schwammstadt-Konzepts. – Graphik: Rohstoff.net.

Auch in Europa ist das Konzept der Schwammstadt nicht unbekannt: In Kopenhagen wird es schon seit Jahren umgesetzt, da die dänische Hauptstadt oft Starkregen ausgesetzt ist. Sie gilt hier als Vorreiter und ist schon vor einigen Jahren zum urbanen Schwamm geworden. Auch in Hamburg und Berlin arbeitet man an Ideen, wie diverse Schwammstadtelemente in den beiden Städten genutzt werden könnten. Seinen Ursprung hat das Konzept jedoch in Fernost: Ein chinesischer Architekt hatte die Idee dazu, denn in China gibt es einige Städte, die unter Überschwemmungen infolge von tropischen Stürmen leiden. Angesichts dessen ist es kaum verwunderlich, dass zahlreiche Städte Chinas bereits als Schwammstädte angelegt sind. Das Reich der Mitte hat bei dem Thema somit Vorbildcharakter.

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