Haben wir die Tiefs der Platingruppenmetalle bereits gesehen?

von | 20. Nov 2023 - 11:09 | Edelmetalle im Fokus

Wir besuchten in der vergangenen Woche die EM-Konferenz des International Precious Metals Institute IPMI in Wien. Im Flair dieser tollen Stadt wurden die großen Herausforderungen des PGM-Marktes spezifisch erläutert. Ein Paradigmenwechsel steht bevor. Während Palladium (Pd) und Rhodium (Rh) dem Markt in den letzten zehn Jahren goldene Zeiten beschert haben, scheint unter anderem das Verbrenner-Aus 2035 in der EU den Markt auf der Nachfrageseite deutlich zu drücken. Der Preisnachlass über das Jahr 2023 hinaus bringt allerdings noch weitere Herausforderungen mit sich. Im Bereich der Produzenten werden kritische Marken erreicht, denn im energieintensiven Bergbau sind auch Preissteigerungen der letzten beiden Jahre nicht spurlos vorbei gegangen. Die PGM-Baskets haben eine Preisreduktion von knapp 70 % hinter sich. Neue Projekte werden äußerst kritisch auf den Prüfstand gestellt, so wie auch bestehende Minenschächte. Die Schließung von ertragsärmeren Projekten ist dabei kein Tabu. Eine der größten Minengesellschaften, Sibanye-Stillwater, bereitet den Abbau von über 4.000 Stellen vor.

Deutlich wird das am Beispiel von Platin, dem Hauptmetall der Minenförderung. Im aktuellen Umfeld handelt Platin mit Preisen um die 900 US$/oz knapp unter den durchschnittlichen AISC (All-in sustaining costs). Kurzum, eine geförderte Unze Platin trägt momentan nicht zum nachhaltigen Gewinn der Unternehmung bei. Und nun kommen wir zu den Chancen des Marktes. Den bei gleichbleibender oder eher sinkender Produktion sind Preissteigerungen natürlich mittel- bis langfristig möglich, insofern die Nachfrageseite stabil bleibt. Das scheint zumindest beim Platin der Fall zu sein.

Alles in allem schauen wir optimistisch in die Zukunft, makroökonomisch könnte 2024 ein positives Wachstum aufweisen und sicher locken auch tiefere Preise wieder andere Anwendungen aus der Reserve, wie beispielsweise die Galvanik-Industrie im Bereich von Pd und Rh. Nach wie vor bleibt Wasserstoff eine der heißesten Wetten auf die energetische Autonomie Europas – und damit auch die Platinmetalle Platin, Iridium und Ruthenium.

Ein kurzes Wort zum Abschluss zu Gold und Silber: Gold pendelt zwischen der Marke von 2.000 US$/oz und der 200-Tage Linie bei 1.937 US$/oz. Ein komfortable Preisrange, die jederzeit die Schlagpower nach oben in Takt hält. Die Anleiherenditen aus dem US-Markt handeln ebenfalls auf Höchstständen, ein Abschlag dort würde auch den Goldpreis stützen. Silber hat indes die bereits erwähnte Marke der 100- und 200-Tage Linie überwunden und handelt kurzzeitig sogar über 24 US$/oz. Dieses Niveau gilt es nun zu verteidigen, der Markt scheint momentan allerdings gut versorgt zu sein, sodass auch hier mehr und mehr die Beziehung zu Gold in den Fokus rückt.

Mit „PGM – Edelmetalle im Fokus“ präsentieren wir eine exklusive Rohstoff-Kolumne, die sich, neben Gold, vor allem den vieldiskutierten doch bisher selten analysierten Platingruppenmetallen (PGM) widmet. Im Zentrum stehen die industriellen Anwendungsgebiete der Metalle wie auch ihr Potential als Sachwert. Die Abkürzung PGM ist dabei gleich doppelt bedeutsam: Mit Philipp Götzl-Mamba konnten wir einen erfahrenen Edelmetallhändler gewinnen, der beim Industrielieferanten TRADIUM am Puls der Zeit operiert und ab sofort sein Wissen mit uns teilt.

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