G20 wollen Ost und West näherbringen – ohne China

von | 11. Sep 2023 - 11:17 | Politik

Umfassende Infrastrukturprojekte geplant, unter anderem zum Transport von Wasserstoff; Biden wertet Vorhaben als historisch.

Indien, der Nahe Osten und Europa sollen durch ein Netzwerk von Schienenwegen und Häfen näher zusammenrücken. Dieser Infrastrukturplan, der unter anderem auch den Bau von Pipelines für grünen Wasserstoff vorsieht, wurde am Rande des in Neu-Delhi stattfindenden G20-Gipfels vorgestellt. Innerhalb der nächsten 60 Tage sollen Arbeitsgruppen einen umfassenden Maßnahmenkatalog mit entsprechenden Zeitplänen erarbeiten, heißt es in der Absichtserklärung (PDF). Unterzeichnet wurde sie von Saudi-Arabien, der EU, Indien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Frankreich, Deutschland, Italien und den USA.

US-Präsident Joe Biden bezeichnete das Abkommen als historisch, es wird als Gegenentwurf zu Chinas Projekt der Neuen Seidenstraße (Belt and Road Initiative) gesehen, mit dem sich das Land internationalen Einfluss sichern will. Mit dem am Wochenende verkündeten Ausstiegs Italien aus dem Vorhaben verliert Peking den einzigen Partner aus den Reihen der G7-Staaten. Wie das Handelsblatt schreibt, wächst in den Ländern des globalen Südens zudem die Skepsis, durch die Initiative, mit der unter anderem Straßen und Häfen gebaut werden, in eine Schuldenfalle zu geraten. Die Länder nehmen für die Projekte Kredite bei China auf, können diese aber zunehmend nicht mehr planmäßig bedienen, schreibt das Kiel Institut für Weltwirtschaft. In der Folge werden immer mehr Refinanzierungskredite vergeben, die Abhängigkeit von der Volksrepublik wächst.

Die EU und USA haben sich am Rande des G20-Treffens zudem darauf geeinigt, die Entwicklung einer trans-afrikanischen Verbindung zwischen Angola, Sambia und der Demokratischen Republik Kongo zu unterstützen. Damit soll das enorme Potenzial der Region besser erschlossen werden, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Der sogenannte Copperbelt zwischen Sambia und der Demokratischen Region gehört zu den wichtigsten Kupferbergbaugebieten der Welt, kritische Mineralien wie Kobalt sind dort ebenfalls vorhanden.

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