Fußball, Fernseher, Fördermengen: EM pusht TV-Absatz

2. Juli 2021 | Technologien

Immer detailreichere Übertragungen bringen bei sportlichen Großveranstaltungen wie der Fußball-EM so manchen Fernseher an seine Grenzen. Dann müssen neue Geräte her. Das Technologiemetall Gallium spielt dabei eine wichtige Rolle.

Wenn am 11. Juli  in London das Finalspiel der UEFA-Fußball Europameisterschaft angepfiffen wird, werden auch in Deutschland Millionen Menschen mitfiebern. Neben der sportlichen Bedeutung ist das Großereignis auch für die Wirtschaft eine gute Nachricht, denn erfahrungsgemäß steigt in dieser Zeit auch der Konsum. Dabei wird der ganz große Konjunkturschub in diesem Jahr vermutlich ausbleiben. So fallen coronabedingt die beliebten Public Viewing aus, für die sich die Zuschauer:innen mit Trikots oder anderen Fanartikeln wappnen.

Zuversicht bei Unterhaltungselektronik


Bei den Elektronikhändlern hingegen herrscht Zuversicht. Laut einer Umfrage des Handelsverband Deutschland HDE erwarten 41% von ihnen zusätzliche Umsätze durch die EM. MediamarktSaturn beobachtet nach eigenen Angaben ein zunehmendes Interesse vor allem an großformatigen TV-Geräten, wie N-TV berichtet. Wenn das kollektive Mitfiebern unter freiem Himmel schon nicht möglich ist, muss die Bildqualität zuhause eben stimmen. Das gilt auch für die zwischen Juli und August stattfindende Olympischen Spiele in Japan. Aufgrund der Zeitverschiebung müssen Sportbegeisterte hierzulande meistens schon sehr früh aufstehen. 

Global betrachtet werden die sportlichen Großereignisse in diesem Jahr laut einer Schätzung des Marktforschungsunternehmens Trend Force zu einer Zunahme des Absatzes von TV-Geräten von fast 3 % im Vergleich zum Vorjahr führen. Wie groß das Interesse der Zuschauer:innen an den olympischen Spielen eingeschätzt wird, lässt sich auch anhand der großen Nachfrage nach Werbeplatzierung in diesem Zeitraum erahnen. Der Sender NBC, der in den USA die Übertragungsrechte besitzt, rechnet mit Werbeeinnahmen in Rekordhöhe. Schon im März, als die Verschiebung der Spiele um ein Jahr noch nicht absehbar war, beliefen sich die Einnahmen auf 1,25 Milliarden Dollar. Und das Interesse der Werbetreibenden ist nach wie vor hoch, wie NBC-Universal Chef Jeff Shell kürzlich mitteilte.

Unverzichtbares Gallium

Um dem Wunsch nach immer brillanteren und lebhafteren Bildern nachzukommen, setzen Fernsehhersteller verschiedene Technologien mit kryptischen Namen wie LED, OLED, QLED oder MicroLED ein. Bei den LED-Fernsehern handelt es sich eigentlich um Bildschirme, bei denen Leuchtdioden (LED) auf Galliumbasis als Hintergrundbeleuchtung für Flüssigkristalle (LCD) dienen, weil LCDs nicht von allein leuchten. QLED ist eine Weiterentwicklung, bei der LCDs und LEDs feinmaschiger aufgebaut sind und das Bild detailreicher erscheint. Die OLED-Technologie hingegen ersetzt die anorganischen Bestandteile der Leuchtdioden durch organische. Eine Hintergrundbeleuchtung ist dabei nicht notwendig. Das macht OLED-Bildschirme sehr dünn und sogar biegbar. Ein Nachteil im Vergleich zu LED und QLED ist jedoch die geringere Lebensdauer der organischen Komponenten.

Gänzlich auf Hintergrundbeleuchtung und Flüssigkristalle verzichtet wird auch bei der MicroLED-Technologie. Mikroskopisch kleine LEDs – bevorzugt aus Galliumnitrid – bilden hierbei die einzelnen Bildpunkte, die aus der Ferne das Gesamtbild ergeben. Auch diese Bildschirme können sehr dünn sein. Derzeit sind sie noch vergleichsweise teuer, die Technologie wird aufgrund ihrer zahlreichen Vorteile aber als zukunftsweisend betrachtet.

Welche TV-Technologie am Ende das Rennen macht, kann jetzt noch nicht vorhergesagt werden. An der Bedeutung von LEDs ändert dies nicht, denn längst haben sie sich als Raum- oder Straßenbeleuchtung etabliert. Gallium kann dabei mit verschiedenen anderen Stoffen verbunden werden, um die unterschiedlichsten Farben zu erzeugen. Auch die Bekämpfung von Coronaviren durch UV-C Licht aus Aluminiumgalliumnitrid-LEDS wird getestet. Es verwundert daher nicht, dass Gallium von der Europäischen Union als kritischer Rohstoff eingestuft wird. Das Fraunhofer Institut geht davon aus, dass bis 2030 die Nachfrage die derzeitige jährliche Produktion um das Sechsfache übertreffen wird. Die Primärproduktion von hochreinem, raffiniertem Gallium betrug nach Schätzungen des  United States Geological Survey (USGS) 2020 nur etwa 220 Tonnen.

Die Volksrepublik China ist mit großem Abstand der Hauptproduzent. Durch Recycling kann bisher nur unter einem Prozent der Nachfrage in der Europäischen Union gedeckt werden.

Photo: iStock/vasabii

2030 oder 2050 Klimaneutralität
2030 oder 2050 Klimaneutralität