China: Roboter sollen es richten

von | 28. Jul 2022 - 12:07 | Wirtschaft

China will technologischen und demographischen Herausforderungen durch den vermehrten Einsatz von Robotern begegnen. Dadurch dürfte auch der Bedarf an Seltenen Erden steigen.

Roboter sind in vielen Science-Fiction Filmen unverzichtbare Begleiter und galten lange als Inbegriff für den Fortschritt. Dabei sind sie bereits jetzt aus der Industrie nicht mehr wegzudenken. Viele Schritte in der Automobilherstellung laufen seit vielen Jahren weitgehend automatisiert ab. Auch in den Haushalten dieser Welt nimmt die Zahl von Servicerobotern zu, die zum Beispiel das Staubsaugen übernehmen. 

Von dieser Entwicklung will China nicht nur profitieren sondern eine führende Rolle einnehmen, wie das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie in seinem Ende 2021 vorgelegten Fünfjahresplan angekündigt hat. Bereits jetzt der größte Markt für Robotertechnologie, will das Land den steigenden Bedarf in Zukunft durch eigene Entwicklung und Produktion abdecken. Derzeit werden etwa 70 Prozent der Roboter aus dem Ausland importiert, wie Zahlen des Robotikverbands IFR zeigen. 

Mit seinem Vorhaben könnte China gleich mehrere Probleme lösen. Denn die Volksrepublik steht vor großen demographischen Herausforderungen durch die Überalterung der Gesellschaft und einem daraus resultierenden Mangel an Arbeitskräften, wie unter anderem eine Studie der Citigroup zeigt. Hochschulabsolventen würden sich zudem vor allem für die Arbeit in der Informationstechnologie und weniger für die Automobil- und Fertigungsindustrie entscheiden, wo der Arbeitskräftemangel in Folge weiter steige. Ein verstärkter Einsatz von Robotern würde in diesen Branchen also für Abhilfe sorgen. Der älteren Bevölkerung wiederum könnten Serviceroboter als Alltagsassistenten dienen, wie die englischsprachige Tageszeitung China Daily schreibt. Hinzu kommen weitere Jobs, die im englischen als die vier Ds bezeichnet werden, die dirty, dangerous, dull and dedicated, also schmutzig, gefährlich, langweilig und anspruchsvoll sind.

Roboter benötigen Seltene Erden 

Für die chinesische Wirtschaft bietet die Weiterentwicklung der Roboterindustrie aber noch eine andere Chance: Unerlässlich für die Herstellung der Roboter sind Permanentmagnete aus Seltenen Erden, allen voran die sogenannten NdFeB-Magnete aus Neodym, Eisen und Bor, benötigt für die Servomotoren der mechanischen Arbeitskraft. China sitzt hierbei sozusagen an der Quelle und produziert sowohl das Ausgangsmaterial als auch fertige Komponenten. 

Der Branchendienst Shanghai Metals Market rechnet damit, dass die Nachfrage nach Permanentmagneten durch die Robotik ähnlich steigen wird, wie durch die Elektromobilität. Für die vom Import von Permanentmagneten abhängige europäische Industrie sollte dies eine Warnung sein: Aus Sicht des für die Industrie und Informationstechnologie zuständigen Ministers, Xiao Yaqing, partizipiert sein Land bisher nämlich zu wenig an der Wertschöpfungskette für Seltene Erden. Es fehle an hochwertigen Gütern, die aus diesen Rohstoffen gefertigt werden. Durch eine fortschreitende Automatisierung und der damit günstiger werdenden Produktion von E-Autos, Solarzellen oder Windrädern dürfte sich dies in absehbarer Zukunft allerdings ändern und der Marktanteil Chinas noch weiter steigen. Welche Auswirkungen dies auf den Export vorgelagerter Komponenten wie den Permanentmagneten haben wird, ist unklar, im Fokus der chinesischen Politik dürfte angesichts der klaren Vorgaben des Fünfjahresplans aber die Versorgung der eigenen Industrie stehen.

Photo: iStock/ABIDAL

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