Bitcoin: Auswirkungen des chinesischen Mining-Verbots

18. Oktober 2021 | Finanzen

Schürfer wandern in andere Länder ab. Das wird auch den Verbrauch umweltfreundlicher Energien pushen.

Das Schürfen digitaler Währung (Kryptowährung), sogenanntes Mining, verbraucht Unmengen an Energie. Der Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index beziffert den jährlichen Energieverbrauch, den die Herstellung von Bitcoin & Co verschlingt, auf knapp 115 Terrawattstunden (TWh). Das Medienportal BR.de zitiert zudem eine Berechnung des niederländischen Wissenschaftler Alex de Vries, wonach im Jahr 2018 eine Bitcoin-Transaktion auf den gleichen Energie-Fußabdruck wie rund 80.000 Kreditkarten-Transaktionen gekommen sei.

Warum die Kryptowährung einen derart hohen Energiehunger hat, ist leicht erklärt: Sie basiert auf der Blockchain, einer Art Datenbank, die aus unzähligen dezentralen, aber miteinander vernetzten Rechnern besteht. Laut oben genanntem Index liegt die dafür erforderliche weltweite, jährliche Rechnerleistung – zumindest heute noch – höher als beispielsweise der Jahresstrombedarf in den Niederlanden (siehe Grafik). Das Medienportal mdr.de schrieb deshalb im April von der „dunklen Wolke CO2 am Kryptowährungshorizont“.

Hinzu kommt, dass der mit Abstand größte Anteil der Kryptowährung bislang in China produziert wurde. Viele Jahre lang hatten die Chinesen hier ein Quasimonopol, ähnlich wie bei vielen nicht-virtuellen Rohstoffen, etwa im Bereich der Seltenen Erden. Allerdings ist der Grund für das bisherige Mining Monopol bei Kryptowährung ein anderer: Bei Bitcoin & Co punktet China nicht mit natürlichen Ressourcen, sondern schlicht mit dem Zugriff auf möglichst billigen, und damit oft auch umweltschädlichen Strom.

Eine Erhebung von Statista (paid) zeigt, dass die sogenannte Bitcoin-Hashrate, also der Anteil der weltweit geschürften Bitcoins pro Land, in China zuletzt bei rund 67 Prozent lag, die USA kam mit einem Anteil von 7,2 Prozent auf Platz zwei, Russland mit 6,9 Prozent auf Platz drei.

Doch genau das ändert sich jetzt massiv. Ende September sagte China der Kryptowährung den Kampf an. Das Manager Magazin schrieb am 24. September: „China erhöht den Druck auf die Kryptowährungsbranche.“ Das Land erklärte sämtliche Aktivitäten rund um Cyber-Devisen für illegal und untersagte ausländischen Krypto-Börsen jegliche Dienstleistungen für Kunden in China. „Die Regierung werde entschlossen gegen Spekulationen mit Kryptowährungen vorgehen, um das Vermögen der Bürger sowie die wirtschaftliche, finanzielle und soziale Ordnung zu schützen“, zitierte das Manager Magazin die Internetseite der chinesischen Zentralbank. Gleichzeitig hat China ein landesweites Verbot des Kryptominings ausgesprochen. Die Folge: Miner wandern in andere Staaten ab, die Mining Industrie wird künftig deutlich dezentraler sein. Vieles spricht dafür, dass die neue Entwicklung auch positive Auswirkungen auf den Energiebereich hat. Einerseits weil neue Technologien das Schürfen energieeffizienter machen sollen. Vor allem aber, weil künftig wohl deutlich mehr erneuerbare Energien beim Mining zum Einsatz kommen und so die umweltfreundlichen Technologien auch durch das Mining einen weiteren kräftigen Schub bekommen werden.

Susanne Fromm

Für Susanne Fromm, CEO Coinix und Kryptowährungsexpertin, kommen diese Entwicklungen wenig überraschend. Rohstoff.net hat sie zu dazu befragt:

Frau Fromm, Ende August haben Sie im „Manager Magazin“ gesagt: Chinas restriktives Handeln könne der Entwicklung von Bitcoin letztlich nützen. Ende September nun hat China das Mining von Kryptowährung komplett verboten. Der Bitcoin-Kurs sackte daraufhin zunächst komplett ab. War diese Entwicklung vorherzusehen?
Das kam zumindest nicht überraschend. Zum einem ist die Einstellung Chinas zu Kryptowährungen bekannt. Chinas staatliche digitale Währung, der E-Yuan, steht im Fokus der Bemühungen und Konkurrenz durch dezentrale Kryptowährungen ist unerwünscht. Zudem haben die aktuellen Ankündigungen der chinesischen Regierung wenig Neuigkeitswert. Der Kryptohandel und Kryptobezogene Dienstleistungen waren in China schon zuvor weitgehend verboten. China hat durch den Abzug der Miner viel an Bedeutung für das Bitcoin Netzwerk eingebüßt. Zuvor kam weit mehr als die Hälfte der Rechenleistung für die Aufrechterhaltung des Bitcoin-Netzwerkes aus China, so ist der chinesische Anteil durch die rigiden Maßnahmen inzwischen stark eingebrochen und spielt für das Netzwerk eine immer mehr zu vernachlässigende Rolle. 

Viele Krypto Miner sind nach dem Verbot der Chinesen sehr schnell beispielsweise nach Russland und Kasachstan abgewandert. In welchen Ländern werden künftig weitere Mining-Schwerpunkte liegen?
Die Abwanderung aus China ist eine positive Entwicklung für den Bitcoin, da sie eine wichtige Eigenschaft stärkt: Die Dezentralisierung. Es wird erwartet, dass sich die auswandernden Miner auf verschiedene Regionen verteilen werden. Miningexperten schätzen, dass rund ein Viertel der Rechenleistung nach Zentralasien und ein weiteres Viertel in die USA abwandern wird. Ein weiteres Viertel soll sich auf Lateinamerika und Europa verteilen. Das letzte Viertel der Mining-Leistung aus China soll gar nicht mehr ans Netz gehen. Das wird perspektivisch von anderen Netzwerkteilnehmer ersetzt, wenn sich die Gesamtleistung voll erholt.

Apropos: Viele Experten glauben, dass das chinesische Miningverbot Kryptowährungen umweltfreundlicher machen könnte, weil für das weltweite Mining künftig mehr saubere Energie genutzt werden. Sehen Sie das auch so?
Das chinesische Mining-Verbot hat den Trend zu einem grüneren Strommix verstärkt, da viele der Länder, in die die Miner abgewandert sind, einen umweltfreundlicheren Strommix haben, als China heute. Insgesamt wird grüner Strom, der geringe Grenzkosten hat, immer günstigster und daher zunehmend für Bitcoin Mining genutzt. Auch die Verbilligung der Technologie an sich trägt dazu bei.

Trotzdem bleibt Krypto-Mining extrem energieintensiv.
Insgesamt ist der CO2 Abdruck von Bitcoin natürlich noch zu hoch und die Bitcoin Mining Industrie muss, wie jede andere Industrie auch, weiter daran arbeiten, diesen zu verkleinern. Aber all dies bezieht sich auf die allererste Generation der Blockchains. Die folgenden Generationen der Blockchains beruhen auf wesentlich weniger ressourcenintensiven Prozessen. Inzwischen gibt es sogar Blockchains und damit Kryptowährungen, die durch automatisierte CO2-Überkompensation, CO2 negativ sind. Zudem gibt es einige spannende Innovation im Bereich Kryptomining, die einen positiven Effekt auf die Umwelt haben. So haben sich einige Mining Firmen auf die Verwertung von Energieformen spezialisiert, die sonst als Abfallprodukt anfallen, etwa im Bereich Gasfackeln. Bitcoin Miner nutzen spezielle Verfahren in Kombination mit Katalysatoren. Sie können so die sonst vergeudete Energie nutzen und gleichzeitig verglichen mit dem Abfackeln 98 Prozent Emissionen einsparen.

Wie wird sich Kryptowährung in den nächsten fünf Jahren entwickeln?
Bitcoin & Co sind längst eine ernstzunehmende Assetklasse geworden. An Kryptowährungen wird in ein paar Jahren keine Bank mehr vorbeikommen. Zudem wird die Blockchain-Technologie noch viel mehr als Kryptowährungen hervorbringen.

Was genau meinen Sie damit?
In ein paar Jahren wird die Blockchain alle Assetklassen digitalisieren und so auch zuvor exklusive Assetklassen wie beispielsweise Oldtimer oder Anteile an Private Equity Fonds breiten Massen zugänglich machen. 

Photo: Anna Fary

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