Seltene Erden: Indien und Brasilien wollen Chinas Dominanz entgegentreten

von | 23. Feb. 2026 - 09:27 | Politik

Beide Länder verfügen über enorme Vorkommen der kritischen Rohstoffe und wollen deutlich mehr von ihren Ressourcen profitieren.

Brasilien und Indien haben eine Vereinbarung für eine engere Zusammenarbeit bei kritischen Mineralien wie Seltenen Erden geschlossen. Das Abkommen soll zur Schaffung neuer, widerstandsfähiger Lieferketten beitragen, erklärte Indiens Premierminister Narendra Modi, der den brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva zu einem dreitägigen Staatsbesuch empfangen hatte. Im Rahmen des Treffens wurden auch weitere Abkommen in strategischen Sektoren wie Energie, Klimaschutz, Künstliche Intelligenz und Halbleiter unterzeichnet.

Hintergrund der Kooperation der beiden BRICS-Staaten sind die zunehmenden geopolitischen Spannungen, die bisherige Handelsstrukturen ins Wanken bringen. Viele Volkswirtschaften streben neue strategische Partnerschaften an, auch um die starke Importabhängigkeit von den kritischen Rohstoffen Chinas – ebenfalls Mitglied der BRICS – zu verringern. Gleichzeitig sind sowohl Indien als auch Brasilien von der Zollpolitik der US-Regierung betroffen.

Partnerschaft bietet Potenzial, doch langfristig bleibt China der führende Player

Die neue Kooperation bietet zwar Potenzial im Bereich Seltener Erden, doch ob sich Chinas Dominanz in diesem Sektor langfristig eindämmen lässt, bleibt abzuwarten. Zwar verfügt Brasilien nach Schätzungen des US Geological Survey über die zweitgrößten Reserven an Seltenen Erden weltweit, nach der Volksrepublik. Für Indien gab der nationale geologische Dienst der USA im letzten Jahr die drittgrößten Reserven an; für 2026 waren keine Daten verfügbar.

Beide Länder beuten ihre enormen Vorkommen bislang nur in geringem Maße aus. Bei der Weiterverarbeitung der Rohstoffe sind die Kapazitäten noch begrenzter, erste Pilotprojekte existieren jedoch. Während Indien vor allem seinen aufstrebenden Produktionssektor mit heimischen Rohstoffen versorgen und die Importabhängigkeit reduzieren möchte, positioniert sich Brasilien als potenzieller alternativer Lieferant zu China.

Gleichzeitig steigerte das südamerikanische Land im vergangenen Jahr seine Exporte Seltener Erden nach China deutlich und ist beim Aufbau eigener Raffinerien teils auf das Land angewiesen. China hat einen massiven Vorsprung bei den Technologien für die Trennung und Verarbeitung dieser Rohstoffe und schützt sein Know-how nicht zuletzt durch Exportauflagen. Brasilien hat zwar neue entsprechende Kooperationen mit westlichen Partnern wie dem kanadischen Unternehmen Ucore Rare Metals auf den Weg gebracht, dennoch wird die Etablierung einer eigenen nachgelagerten Seltenerdindustrie voraussichtlich noch viele Jahre in Anspruch nehmen.

Photo: AlexKontz, Hanna Olekseichuk, Viktorcvetkovic, via Canva, Montage Rohstoff.net