Indien und EU einigen sich auf Freihandelsabkommen

von | 27. Jan. 2026 - 09:26 | Politik

Der Staatenblock erhält Zugang zum wachsenden indischen Markt, während der Subkontinent von Investitionen und Absatzchancen profitieren könnte. Auch für den Rohstoffsektor ergeben sich langfristig Chancen.

Nach fast 20 Jahren Verhandlungen haben Indien und die Europäische Union am Dienstag die Einigung auf ein Freihandelsabkommen bekanntgegeben. Als nächster Schritt stehen nun unter anderem die Zustimmung des EU-Rates und des Europäischen Parlaments aus.

Die geplante Freihandelszone soll laut EU rund zwei Milliarden Menschen umfassen. Im Rahmen des Abkommens sollen Zölle auf über 90 Prozent der EU-Warenexporte nach Indien abgeschafft oder deutlich gesenkt werden. Die EU rechnet dadurch mit Einsparungen von bis zu vier Milliarden Euro pro Jahr und einer Verdoppelung ihrer Exporte in den Subkontinent. Der Staatenblock spricht von der größten Handelsöffnung, die Indien je einem Handelspartner gewährt hat.

Für die aufstrebende Volkswirtschaft Indien wiederum eröffnet das Abkommen Chancen, den Absatz in Schlüsselbranchen wie Halbleiterproduktion und Green Tech deutlich zu steigern. Zugleich wird mit einer Steigerung der Investitionen aus der EU gerechnet.

Neue Handelspartner in Zeiten globaler Umbrüche gesucht

Das Abkommen wurde vor dem Hintergrund zunehmender geopolitischer Spannungen geschlossen: Bisherige Handelsstrukturen geraten ins Wanken, und viele große Volkswirtschaften stehen unter Druck, neue strategische Partnerschaften zu erschließen. Sowohl Indien als auch die EU sind von der Zollpolitik der US-Regierung betroffen. Gleichzeitig wollen beide Seiten ihre Importabhängigkeit von Chinas Rohstoffmacht verringern, sowohl durch mehr eigenen Abbau als auch durch breiter aufgestellte Lieferketten.

Indien ist bereits ein bedeutender Produzent einiger Rohstoffe, die die EU als kritisch einstuft, wie Baryt oder Mangan. Bei anderen Materialien wie Seltenen Erden verfügt das Land dagegen über beträchtliche Vorkommen (PDF), weltweit die drittgrößten, die bislang jedoch kaum abgebaut werden. Bei der Weiterverarbeitung sind die Kapazitäten noch begrenzter. Es dürfte daher noch Jahre dauern, bis die EU ihre Rohstoffversorgung durch Importe kritischer Mineralien aus Indien diversifizieren kann.

Ein weiteres Freihandelsabkommen, das der EU ähnliche wirtschaftliche Vorteile verschaffen und auch ihre Rohstoffsicherung stärken könnte, ist jenes mit dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur. Nach einem kürzlichen Durchbruch (wir berichteten) liegt dieses nun jedoch erneut auf Eis.

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