Wie können Privatanleger erfolgreich in Aktien investieren? Patentrezepte gibt es nicht. Doch macht es Sinn, sich mit den Einflüssen auf die Kapitalmärkte zu beschäftigen.
Was bewegt die Börsen? Inzwischen geht es nicht mehr nur um Dow und Dax, denn die Welt ist zusammengerückt, Digitalisierung und Globalisierung erschweren das Urteil privater Marktteilnehmer. Und die müssen sich zuallererst klar werden, wie viel Kapital für welchen Zeitraum sie zu investieren gedenken.
Dabei sollte man berücksichtigen, dass Börsen zu Übertreibungen meist kurzfristiger Natur neigen – oft nur für Stunden oder Tage. Aber: Ob es tatsächlich Übertreibungen sind, weiß man erst hinterher, denn Börsen können eine nicht absehbare Eigendynamik der Kurstendenzen entwickeln, weil auch große, marktbestimmende Kräfte einem Herdentrieb folgen.
Erfahrungen durch amerikanische Profis
Nie vergessen werde ich in diesem Zusammenhang ein Schlüsselerlebnis in Los Angeles, das ich von Zeit von Zeit gerne aufgreife. Es liegt viele Jahre zurück (irgendwann in den 1980ern). Der noch relativ junge, aber schon hochangesehene Key Note Speaker gewinnt am letzten Tag eines Profi-Investmentkongresses sofort die Sympathien der gut 2.000 Besucher. Es gibt Engpässe unmittelbar vor der Bühne, was den Redner lächelnd zum Appell veranlasst: „Hey, meine Freunde, lasst die alten Raucher ruhig hier nach vorne – die haben nicht mehr so viel Zeit und mich stört ihr Qualm nicht.“
Dann zieht er einen übergroßen Umschlag aus einer Tasche und sagt: „Guten Morgen, allerseits, wir wollen heute mit einer kleinen Versteigerung beginnen.“ Atemlose Stille im Saal. Der Referent hält den weißen Umschlag hoch, der die dicke Aufschrift trägt ‚billige Aktien‘: „Hier sind 100 Zettel mit den Namen von wirklich billigen Aktien drin. Was bietet ihr für den Umschlag?“ Keiner sagt was. Man fragt sich, was der will. Dann holt der Redner einen zweiten gleichgroßen Umschlag mit der Aufschrift ‚Aktien, die steigen‘ hervor und zeigt diesen mit der anderen Hand: „Hier sind 100 Namen von anderen Aktien drin, und zwar Aktien, deren Kurse steigen werden – wer bietet für diesen Umschlag?“ Kurze Denkpause, dann tosender Applaus des Auditoriums.
Steigende Aktien attraktiver als billige
Merke: Zu wissen, welche Aktien steigen werden, ist viel wichtiger als zu wissen, ob Aktien billig oder teuer sind. Deswegen lehne ich solche Begriffe ab. Wer und Wann geben den Ausschlag, nicht unbedingt das Warum!
Ein anderer Grundsatz aus einem anderen Blickwinkel: Chancen nutzen, Risiken kennen. Es gibt Analysten, Anlagestrategen und Journalisten, die so tun, als wüssten sie genau, wo’s langgeht. Mir sind die Vorsichtigen lieber, die Chancen und Risiken beschreiben, um sie dann in die Waagschale zu werfen. Letztlich sollen und müssen Sie ja selbst entscheiden, liebe Anlegerinnen und Anleger, ob Sie auf den Spuren von Bullen oder Bären wandeln wollen.
An den Börsen wird immer gehandelt
Und dann das „Warten“. Es gibt Phasen, da wird in den Medien immer wieder von „Die Börse wartet auf …“ und „abwartende Haltung“ gesprochen. Das darf aber nicht so verbreitet werden, als hätte nur ein Notdienst der Börse geöffnet. „Ruhiges Geschäft“ und „Geringe Umsätze“ – das sind immer noch Milliarden-Euro-Volumen an einer großen Börse. Es ist einfach Quatsch, wenn es in Vorschauen beispielsweise heißt, das „Sommerloch lähmt die Börsen“. Auch wenn der Handel saisonal ruhiger verläuft als sonst, kann von „Lähmung“ keine Rede sein, denn institutionelle Investoren können es sich gar nicht erlauben, den Börsen wochenlang den Rücken zuzuwenden. Nehmen Sie, geschätzte Anleger, Überschriften wie „Die Urlaubssaison hat die Börsen in Europa fest im Griff“ nicht so ernst.
Zu guter Letzt
Mein Ratschlag: Am Anfang Ihrer Strategie sollte so etwas wie die persönliche Anlagephilosophie stehen. Dabei empfiehlt es sich, die direkte Aktienanlage oder Aktienfonds für einen mittel- bis langfristigen Zeitraum (mindestens 3-5 Jahre) zu nutzen. Achtung: Heutzutage finden die monetären Einflüsse bei den Börsenprofis meist eine größere Beachtung als die fundamentalen Wirtschaftsdaten. Deshalb kommt es für den Kurstrend entscheidend auf die Geldpolitik der führenden Notenbanken, auf Zinsen und verfügbare Liquidität an!



