Trotz großer Unsicherheit auch Licht für Aktienfans

von | 30. März 2026 - 09:13 | Kutzers Corner

Die Welt wird immer verrückter – und gefährlicher. Politik und globale ökonomische Folgen sind inzwischen nicht mehr annähernd vorherzusehen. Schwere Zeiten also für Anleger.

Beim Rückblick auf die jüngsten Veröffentlichungen von Investmentprofis kann ich erkennen, dass anstelle von konkreten Börsenprognosen zunehmend grundsätzliche Analysen treten. Nur können die Ihre Unsicherheit, geschätzte Anleger, kaum beseitigen. Dazu schreibt Sean Shepley, Senior Economist bei Allianz Global Investors, zusammenfassend: Es ist ganz unklar, wie der Konflikt im Nahen Osten weiter verlaufen und wie lange er andauern wird.  Wie schnell sich die Lage am Energiemarkt nach Kriegsende wieder normalisiert, lässt sich ebenfalls nur schwer abschätzen.

Im Euroraum haben sich das Konsum- und das Geschäftsklima laut den Umfragen bereits deutlich eingetrübt. Allerdings war die Stimmung im Nachgang der Pandemie über lange Zeit übertrieben pessimistisch, sodass man für ein verlässlicheres Bild eher auf Indikatoren für die tatsächliche Wirtschaftsleistung zurückgreifen sollte. Zu nennen wären beispielsweise die Einkaufsmanagerindizes, die zudem häufig und zeitnah veröffentlicht werden. Die Indizes werden anhand eines Fragenkatalogs erstellt, der zum Beispiel die Aktivität, das Neugeschäft und die Herstellerpreise abdeckt. Die Indizes weisen für jede Frage einzeln aus, welcher Anteil der Unternehmen einen Anstieg bzw. einen Rückgang meldet.

Indizes signalisieren schwächeres Wachstum

Welche anfänglichen Auswirkungen des Konflikts sind laut den Einkaufsmanagerindizes zu erwarten?

Erwartungsgemäß deuten die Indizes in allen Ländern auf eine Wachstumsverlangsamung hin. Auffälliger ist da schon, dass die Konjunkturabschwächung zu einem großen Teil auf die Entwicklung im Dienstleistungssektor zurückzuführen ist. Dies gilt vor allem für Europa, wo der Euroraum und Großbritannien die deutlichste Verlangsamung der Aktivität im Dienstleistungssektor verzeichneten. Auch in den USA war eine Abschwächung im Dienstleistungssektor festzustellen. Im verarbeitenden Gewerbe lag die Aktivität dagegen über den Erwartungen.

In Amerika stieg der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe an, was auf ein kräftigeres Wachstum hindeutet. In den anderen Ländern war zwar eine Verlangsamung im verarbeitenden Gewerbe zu verzeichnen, aber die Aktivität verharrte über den Konsenserwartungen. Dies ist unter anderem auf längere Lieferzeiten zurückzuführen, die allerdings nicht nachhaltig für eine robuste Konjunktur sorgen sollten.

Ein guter Tag für die Altersvorsorge

Langfristige Good News für unseren Aktienmarkt: Der Deutsche Bundestag hat jetzt das Altersvorsorgereformgesetz auf den Weg gebracht. Das ist ein wichtiger Schritt, der den Menschen in Deutschland ab 2027 spürbar helfen wird. So ermöglicht das Altersvorsorgedepot in Zukunft breiten gesellschaftlichen Schichten, eine aktienorientierte Zusatzrente steuergefördert aufzubauen und damit ein finanzielles Polster für das Alter zu schaffen. Der Anfang zur Neuaufstellung der Altersvorsorge ist gemacht, weitere Schritte bleiben sinnvoll.

„Heute ist ein guter Tag für die Menschen in Deutschland, weil die private Altersvorsorge nach Jahren des Zögerns endlich in der Realität angekommen ist. Das Altersvorsorgedepot schöpft das volle Potenzial der Aktie aus, ohne Garantiepflicht und feste Verrentung. Das ermöglicht allen, die privat für das Alter vorsorgen wollen, nun auch eine langfristige, breite und kontinuierliche Anlage in Aktien, Aktienfonds oder ETFs. Besonders freut mich, dass die Koalition auch Selbstständige berücksichtigt und die Förderung für Geringverdiener erhöht hat“, erklärt am Freitag Henriette Peucker, Geschäftsführende Vorständin des Deutschen Aktieninstituts.

Ein wesentliches Element des Gesetzes ist das einfache Standarddepot, das insbesondere Menschen mit wenig Erfahrung in Finanzdingen den Einstieg in die private Altersvorsorge erleichtern soll. Die Bereitstellung des Standarddepots durch einen öffentlichen Träger ist ein Novum in der Altersvorsorge in Deutschland. „Entscheidend ist, dass dieses staatliche Angebot in der Umsetzung nicht bevorzugt wird. Für einen funktionierenden Wettbewerb müssen staatliche und private Angebote die gleichen Anforderungen erfüllen. Eine Bevorzugung der staatlichen Lösung oder gar eine Verpflichtung darf es nicht geben“, sagt Peucker.

Das Deutsche Aktieninstitut analysiert in seinen Studien regelmäßig erfolgreiche Systeme der Altersvorsorge weltweit und leitet daraus Handlungsempfehlungen für Deutschland ab. Dabei zeigt sich das Potenzial einer Aktienorientierung über alle Säulen der Altersvorsorge hinweg.

„Die von der Bundesregierung eingesetzte Alterssicherungskommission hat die große Chance, die Altersvorsorge in Deutschland neu zu denken und auf ein langfristig stabiles Fundament zu stellen. Das Altersvorsorgedepot erfüllt alle Voraussetzungen, um auch in der betrieblichen Altersvorsorge von Unternehmen genutzt zu werden, die das wollen. Für den Gesetzgeber handelt es sich dabei um ein Detail, das aber gerade Beschäftigten in kleinen und mittleren Betrieben die Tür zu einer ertragreichen und einfachen Vorsorge öffnen kann. Auch in der gesetzlichen Rente ist das Altersvorsorgedepot das richtige Instrument, um eine ergänzende aktienorientierte Komponente abzubilden. Folgen auf den ersten Schritt nun auch die weiteren, dürfen sich die Menschen in Deutschland auf weitere gute Tage freuen. Die Pläne aus der SPD, Erträge aus der Aktienanlage und andere Kapitalerträge höher zu besteuern, sind hingegen kontraproduktiv“, betont Peucker.

Das Deutsche Aktieninstitut setzt sich seit vielen Jahren für einen starken Kapitalmarkt ein, damit sich Unternehmen gut finanzieren und ihren Beitrag zum Wohlstand der Gesellschaft leisten können. Als Denkfabrik liefert das DAI Fakten für führende Köpfe und setzt kapitalmarktpolitische Impulse. Denn von einem starken Kapitalmarkt profitieren Unternehmen, Anleger und Gesellschaft.

Zu guter Letzt

Ich begleite die Arbeit der Aktienförderer journalistisch schon seit langem. Und Sie, liebe Leser, sollten die erweiterten Möglichkeiten schon jetzt zum Anlass nehmen, Ihre privaten Maßnahmen für die Altersvorsorge einmal zu checken.